'Few of us have lost our minds, but many of us have long ago lost our bodies.' – Ken Wilber

Von Schätzen, Drachen, und Familienmythen

2009 Oktober 11
von Lily

Aus irgendeinem Grund hab ich mir wohl vorgestellt, dass ein „erwachsener“ Mensch (sprich: ich) von der Trennung seiner Eltern nicht so sehr berührt werden könnte/sollte, wie ein Kind oder ein Jugendlicher.

Dass mich Gefühle von Zerrissenheit und Traurigkeit dann doch mit derartiger Wucht hinterrücks erwischt haben, hat mich dementsprechend überrascht. (Aber es geht mir wieder gut…)

Heilmittel: Augenblicke geteilt mit dem Wind, dem Sonnenlicht, den Gräsern

Je weiter ich mich entwickle, desto mehr erkenne ich, dass nicht nur meine Probleme aus meiner Familienhistorie rühren, sondern dass v.a. meine speziellen Fähigkeiten und meine Aufgaben ganz wesentlich mit der Heilung dieser Familiendynamiken zu tun haben.

Der Punkt in mir, wo es zu den größten Zwangslagen und Unentschlossenheiten kommt (weil meine wahre Natur mit wesensfremden Erwartungen im Clinch liegt), ist eigentlich der Ort, wo ich meine größten Gaben entfalten kann, wo meine Aufgabe liegt und ich auch rückwirkend einen Teil meines Familiensystems heilen kann.

Diese Entdeckung (die sich freilich banal liest) hat mir im Wesentlichen geholfen, den Fokus vom Problem auf das dahinter liegende Geschenk und die Aufgabe zu lenken.

Im Gespräch mit einer Freundin kam mir dieser Satz in den Sinn:

„Es ist, als würde ich nicht mehr die Drachen sehen, sondern den Schatz, den sie bewachen – je größer der Schatz, desto furchterregender natürlich auch das Ungeheuer, das davor lauert.“

Wer trägt hier wen? - Die Pariser Urgroßmutter in meinem Kleid

„Welche Stimme gehört denn nun zu mir?“

Das ist eine Frage, die mich schon immer beschäftig hat, aber nach den jüngsten Ereignissen ganz besonders. Weil ich bewusster in meine Familien-Geschichte eintauche und damit auch mehr Verständnis darüber erlange, was meine spezielle Aufgabe innerhalb dieses Mikrokosmos sein könnte (in dem sich – für mich zumindest – wiederum das Große Ganze spiegelt).

Im Wesentlichen scheint unsere Familien-Aufgabe mit dem Thema erfüllter Partnerschaft zu tun zu haben (gefolgt von Geschichten rund um Wohlstand und Loslassen). Die männliche wie auch die weibliche Linie sind voll von sehr traurigen Liebesgeschichten – oder einfach nur „Geschichten“ ganz ohne Liebe, dafür mit viel Vernunft, Verschwiegenheit und Verboten.

Damit bin ich nun wirklich nicht alleine – denn, wie ein schöner Satz von Chuck Spezzano besagt: „Wir alle gehen aus den falschen Gründen eine Beziehung ein [verborgen, natürlich], und eine Krise gibt uns die Chance, aus den richtigen zusammen zu bleiben, oder gar nicht.“ mehr lesen…

Tam jivam tam sariram – Sind Körper und Seele das selbe oder nicht?

2009 September 23
von Lily
Dieses Thema wurde von meinen Lesern gewählt – ihr könnt auch mitmachen, jederzeit und immer wieder! Was wollt ihr auf diesem Blog lesen? In der Leiste rechts könnt ihr Vorschläge auswählen oder eintragen (sie werden nach kurzer Zeit freigeschaltet). Von Lesern vorgeschlagene Themen, auf die ich bereits geantwortet habe könnt ihr unter diesem Button nachschlagen:
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Diese Sache mit den Themenvorschlägen von eurer Seite entwickelt sich ungemein spannend, liebe Leser, denn ihr bringt mich immer wieder auf neue Dinge.

Den Begriff Tam jivam tam sariram, zum Beispiel. Den musste ich nachschlagen:

Wenn ich alles richtig verstanden habe, bezeichnet er die absolute Einheit von Körper und Seele und ist dem Konzept namens Annam jivam annam sariram entgegen gesetzt, das eine Dualität zwischen unvergänglicher Seele und vergänglichem Körper annimmt.

Aus dem ersten Konzept folgt, dass sich mit dem Tod des physischen Körpers auch die inviduelle Seele auflöst, und im extremsten Fall führt diese Idee zur vollkommenen Verhaftung in allem Materiellen. Das zweite Konzept hingegen führt in seiner extremsten Form zu Negierung des Körpers und der materiellen Welt.

Der frühe Buddhismus wendet sich gegen beide Konzepte und schlägt den Pfad der Mitte vor.

Nun bin ich leider auf diesem Gebiete alles andere als sattelfest bin, zäume ich das Pferd einfach von meinem yogischen Schemel aus auf. Ich freue mich aber auf Erläuterungen und Erklärungen von euch!

Seele wird im Westen (zumindest in der Psychologie) als veränderlich und berührbar definiert – wir sprechen z.B. von „seelischen Regungen“, was die yogische Psychologie und Philosophie hingegen ganz anders sieht.

Was manchmal in der Populärpsychologie als unsere seelische Mitgift bezeichnet wird, mit der wir leben müssen (Neigung zu Zorn, Angst, Anhaftung, etc.), sehen die yogischen Schriften lediglich als Folge eines Missverständnisses und keineswegs als Teil unseres wahren Selbst, unserer Seele.

Die Philosophie des Yoga sieht die Welt als wahr an (damit auch Träume, Vorstellungen, Missverständnisse usw.), lehrt aber dennoch, dass die Essenz des Menschen nicht mit seinem Körper, seinen Vorstellungen oder seinen Erlebnissen gleichzusetzen ist, auch wenn sie damit verbunden ist.

Was sich laut yogischem Verständnis schon im Körper zeigt, ist die Tätigkeit unseres Geistes. Sie ähnelt einem (meist reißenden) Strom, und seine Richtung wird von der Weise bestimmt, wie wir die Geschichte unseres Lebens schreiben und sie uns immer wieder selbst erzählen. Diese geistige Funktion nennen die Yogis citta, und sie stellt die Tätigkeit vor, wie ein Mensch Schlussfolgerungen aus dem zieht, was jetzt gerade geschieht und wahrgenommen wird, wie er sich erinnert, wie er sich die Zukunft vorstellt.

Auch Erinnerungen und Vorstellungen werden im Yoga als ‘wahr’ anerkannt. Denn schließlich werden sie im Augenblick durchlebt, allerdings sind sie nicht das wahre Selbst des Menschen. mehr lesen…

dienstags-träumereien ::: Die Träume der anderen, diesmal: Lesen ist hilfreich!

2009 September 22
von Lily

Ich träume oft und gerne – sicher ein Grund, warum die Schlummertaste auf meinem Wecker schon ziemlich abgewetzt ist… Aus diesem Grund habe ich, wie wiederkehrende Leser vielleicht schon bemerkt haben, meine kleine neue Dienstags-Serie über Träume eingerichtet. Hoffentlich macht sie auch euch Spaß!

Mich faszinieren natürlich nicht nur meine Träume, sondern auch die anderer Leute:

Diesmal, mit ihrer freundlichen Genehmigung, ein Traum meiner Mutter:

Einschub: Nicht nur ich, nein, meine ganze Familie surft seit Anfang 2009 auf der großen Welle des Umbruchs. Meine Eltern haben sich Anfang des Jahres getrennt, richtig ernst wurde es aber vor einigen Wochen, als meine Ma aus- und umgezogen ist.

In der Zeit davor gab es natürlich viel Verwirrung für meine Eltern, und meine Mutter ging eines Abends mit dem festen Vorsatz ins Bett, eine Antwort auf ihre Fragen zu erträumen. Nach der ersten Nacht konnte sie sich nicht an ihren Traum erinnern, nach der zweiten auch nicht, aber dann in der dritten träumte sie folgendes:

Ich laufe durch ein Haus, es scheint meines zu sein, und überall in den Räumen liegen kleine Kinder. Ich beginne, sie einzusammeln. Aus den vielen Kindern auf meinem Arm wird ein einziges. Es ist ein kleines Mädchen, ein sehr hübsches, in einem hübschen Kleid. Ich kümmere mich um es.

Plötzlich höre ich ein Piepsen – ich laufe dem Geräusch nach, und sehe in einem Raum ein Faxgerät stehen, das gerade eine Nachricht empfängt. Ich weiß, dass sie für mich ist – sie ist von Gott! – und stehe gebannt vor dem Gerät, als es beginnt, eine lange Rolle Papier auszuspucken.

Dann gehe ich aus dem Raum.

Als ich meine Ma frage, was in dem Fax stand, muss sie schallend lachen: sie hat es nicht gelesen!

Aber wir einigen uns, dass es schon ein Anfang ist, wenn das Faxgerät wenigstens empfängt… ;)

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Ich finde die Traumwelten anderer ungemein spannend. Hier ein hübsches Video:

Ein Brief von meinem Atem

2009 September 18
von Lily

Cheer-ioh Lily,

fein, dass du mich jetzt öfters sein lässt! Ich finde es fantastisch, dass du erkannt hast, dass ich eine eigenständige Persönlichkeit in dir bin. Und dass du mir jetzt immer öfter die Kontrolle überlässt.

Du hast schon bemerkt, dass ich so ziemlich alles besser weiß als dein Köpfchen (und ehrlich, ich habe eine diebische Freude daran!), und ich möchte dich nochmals daran erinnern, mich öfter zu rufen, damit ich dich wieder ins Lot bringen kann.

Parole: „MEIN Atem.“

Dann bin ich schon da.

Pranayama ist super, Lily, aber schon ein bisschen wie Sattel und Zaumzeug. Du kannst mich auch ohne reiten. :) Yes you can, baby!

Was mich außerdem zum Kichern gebracht hat, war dein erstaunter Gesichtsausdruck, als du entdeckt hast, dass ich deinen Körper in den Yogahaltungen in die richtige Ausrichtung bringe. Ganz recht, Honey, es läuft nicht so, dass die Haltung ein Behälter ist, in dem sich dein Atem bewegen muss. Nein, ich forme dich von innen heraus, ich bin der Töpfer, du bist mein Lehm, das Asana ist die Töpferscheibe. Alles ist durchlässig und du bist wie Wachs in meinen Händen…

That’s how we do it!

Ciao bellissima,

Dein Atem

P.S.: Und warum spreche ich eigentlich Englisch, Darling, ist es das was du wissen möchtest? Well, das musst du dein Köpfchen fragen, das hat sich nämlich diese Stimme für mich ausgedacht.

A workshop with David Newman – or ‘How I defeated an army of drunken monkeys, made love to the air, and finally melted like a sugar cube in warm water.“ True story.

2009 September 17
von Lily

Let me start with this: I’m not good at workshops.

Either they’re over too soon or I’m too slow – anyway round, it usually feels like a first kiss, when you’re so awestruck by that new universe of scent, touch, and awesomeness you find yourself in that you just. need. T.I.M.E. And then when you (me, that is) have finally kinda settled into all that WHOOOAAAA! – it’s over (and you know, the thing is, kissing is for free and therefore repeatable, but a workshop? That’s over-over.)

Erh.

So, this time, it was different.

I went to David Newman’s Bhakti Hatha Yoga workshop with no expectations whatsoever. Sure, I expected music – chanting, that is – since that’s what the Yoga of Devotion (Bhakti) is all about. Sure, I also expected some physical practice, since that’s what Hatha Yoga is all about. But apart from that – no expectations.

So I wasn’t even troubled that my mental state on the bike ride to the studio was a Yoga-textbook example of monkey-mindedness; I couldn’t seem to stop myself from yelling back at a person who had offended my precious ego earlier this morning. I was YELLING internally, I tell you, the loudest silent talk can get.You know, with a lot of those words that start with F and end with UCK YOU! *sigh*

If at that point some demented scientist on crack would have jumped out of a manhole, dragged me off my bike, and shoved me into his pocket size CT scanner, that’s what you would have seen on the screen (all cut in neat slices of course, but I couldn’t get my photoshop to do the trick):

No offense intended, I love chimps! (but not in my head)

No offense intended, I love chimps! (but not in my brains)

Yup, that’s how bad it got. Fantasizing about being abducted by neuro-scientists. On my way to a Yoga studio. Classic.

Okay, dear reader, let yourself be pulled back to that pretty, coherent thread I had actually conceived of for this post before the monkeys took over. mehr lesen…