ich bin so jung wie meine zuversicht, so alt wie meine zweifel


Ich lese und lese seit beinahe einem Jahr für meine Diplomarbeit. Jetzt habe ich das Thema eingereicht und darf richtig loslegen. Aber … ich hadere und hadere und hadere. Lese eher 10 Seiten, als dass ich ein einziges Wort aufs Papier schreibe.

Je länger das so geht, desto mehr wird mir klar, dass ich mir ein so kompliziertes Thema ausgesucht habe, um mit einem Vorurteil abzuschließen: dass ich dumm bin.

Diese idée fixe geistert schon seit Jahren in meinem Hinterkopf herum und war – ihrer Natur gemäß – selten durch Tatsachen zu beeindrucken oder gar zu vertreiben. Mittlerweile aber wächst sich die Auseinandersetzung zwischen ihr und meinem gesunden Verstand zu einem geradezu blutigen Kampf aus. Entweder ich werfe die idée fixe ab, oder dieser Zug fährt ab für mich.

Was mir dieser Komplex erzählt, ist es nicht wert, hier erwähnt zu werden. Ich möchte trotzdem drüber schreiben, weil ich wieder einmal vollkommen fasziniert bin von diesem Schauspiel der Absurdität. Denn im Grunde genommen liegt mir an dieser Diplomarbeit nicht viel.

Ich bin dankbar für mein Studium; ich bin dankbar für die Ausbildung im Denken, Beobachten und Formulieren. Durch die Uni haben sich viele Tore mich geöffnet, die mein Leben vollkommen verwandelt und mir neue Aussichten geschenkt haben. Aber die Sachlage ist, dass sich keiner meiner Zukunftspläne im fachlichen Umkreis meines Studiums abspielt.

Mein Studium ist und war mir ein Sprungbrett; ich betrachte es weder als vergeudete Zeit (wie sonst wäre ich all den Menschen und Infos begegnet?), noch habe ich Bedenken mir einzugestehen, dass es auf diesem Gebiet talentiertere Menschen gibt. Kollegen, die für diese Aufgaben gemacht zu sein scheinen und denen ich das neidlos zugestehe. Ich selbst mache meine Arbeit auf diesem Gebiet sehr gut und gerne – aber v.a. deshalb, weil ich sie als Ventil ansehe für das, was mir wesentlich am Herzen liegt und wozu ich mich berufen fühle.

Plagt mich auf dem Gebiet dieser „Berufung“ je die Sorge, geistig verkrüppelt und unfähig zu sein? Nein. Nur hier, im Fach meiner Diplomarbeit (an der mir zwar das Thema sehr viel bedeutet, aber nicht das drumherum an sich), knalle ich mir täglich Ohrfeigen ins Gesicht, obwohl es bedeutungsloser für mich nicht sein könnte.

Ich habe mir schon überlegt, im Gegenzug die Diplomarbeit hinzuschmeißen, wenn sie denn so eine Quälerei für mich ist. Aber ein  weiser Mensch erklärte mir: vor den eigenen Vorurteilen lässt es sich schlecht davonlaufen. So lange ich an die Hürde meiner Dummheit glaube, wird sie sich immer wieder vor mir aufbauen.

2 Antworten zu “ich bin so jung wie meine zuversicht, so alt wie meine zweifel

  1. Hallo, vielleicht kommt der Appetit beim Essen, erst mal die Gliederung, als hors d’oeuvre. Genießen und ausruhen und dann die langsam kauen, Bissen um Bissen, äh Abschnitt um Abschnitt ohne Hast aber stetig…….

  2. Hallo Ray,

    das Menü ist zusammengestellt… Auf den großen Hunger warte ich noch, aber, immerhin, ich kaue. Bin außerdem einem Gewürz auf der Spur, das die ganze Sache in ein Festmahl verwandelt.

    Ich wage nun den Vergleich zur österreichischen Küche: häufig ein bräunlich-gräulich, soßig-undefinierbares Etwas, entfalten ihre Speisen erst im Mund die ganze Herrlichkeit ihrer Aromen.

    Zwinker. So ist das hier auch.

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