Koordinatenkarte – damals und heute


Ich werfe ein Stöckchen, das zu mir zurück kommt. Ein Boomerang also. Die Fragen hat sich Luisa Francia für ihr Buch „Drei Wünsche“ ausgedacht. Die Antworten ergeben eine magische Koordinatenkarte. Wer möchte, kann sich das Stöckchen von hier abholen.
Ich habe diese Fragen schon einmal beantwortet, vor zwei Jahren.

2006: ich bin 21 und auf dem Weg zu einer Freundin in die Niederlande. Ich sitze also im Zug und fülle diese Karte aus. Zur Zeit beschäftige ich mich mit Naturmagie. Ich lese und lerne wie eine Besessene über Bäume. Ihre Namen, ihre Herkunft, ihre Wirkkräfte, ihre Charaktere, alles will ich wissen. Ich verbringe viel Zeit draußen, in der Natur, z.T. radle ich zwischen zwei Vorlesungen in den Wald. Ich widme mich der Heilung. Habe gerade mein erstes Engagement in einem Orchester hinter mir und war die letzten 3 Monate auf einer musikalischen Entdeckungsreise. War kurzfristig in den feschen Gitarristen schräg links vernarrt, der mir bei einem Glas Rioja aber erklärt hat, dass er schwul ist. Nach dieser Bruchlandung besinne ich mich auf den Querflötisten genau gegenüber, der mich zur rechten Zeit auf einen Kaffee einlädt und die zwei (oder drei ?) Stunden voll ausnützt, um mich ganz und gar zu bezaubern. Etwas an mir muss den Süßen aber wohl verschreckt haben, weil ich auch hier keine Landebahn bekomme. Ich packe meine Koffer und reise für ein Wochenende in meine Einsiedelei, um das Wesen meiner Männerbesessenheit zu erkunden.

Gestärkt kehre ich zurück und packe gleich wieder die Koffer, diesmal für den Norden. Was ich noch nicht weiß, ist dass ich in der kommenden Woche die Zusage für mein Studienjahr im Ausland bekommen werde, was mich kurzzeitig in eine existentielle Krise stürzen wird. Ich weiß auch noch nicht, dass mir ein Musiker seinen Saxophongurt schenken wird, den ich auch Jahre später noch gerne für meine Bassflöte verwenden werde und der mich stets an eine Nacht erinnern wird, in der ich die Stärke des belgischen Biers und die Hitze eines Zimmerofens unterschätzt habe. Während ich also im Zug sitze und schreibe, warten ein Mordsrausch, eine Brandblase und eine große Menge Spaß auf mich.

2008: Ich bin knapp 24 und sitze auf meinem weißen Sofa in meinem sonnengelben Zimmer und mein Magen knurrt. Ich habe 1 Jahr im Ausland verbracht, bin seit einem Jahr zurück und scharre mit den Hufen, weil ich wieder los möchte. Ich habe zwar keine geographischen, aber dafür spirituelle Wurzeln geschlagen. Schon vor zwei Jahren wusste ich, wohin ich möchte und was mich nährt. Mittlerweile habe ich viel davon gefunden und mehr Klarheit über das, was ich noch finden möchte. Ich bin nach wie vor unterwegs. Ich bin immer noch aufgeregt. Ich bin noch dankbarer für mein Leben.

Was mir alles durch den Kopf geht, liest sich sowieso hier. Der, über den ich sonst aber nie schreibe, soll hier zumindest kurz erwähnt sein… Er geht seit bald 2 Jahren an meiner Seite. Er ist beherzt, mutig, sanft, weise, verspielt, männlich, auch weiblich, stark und angetrieben von einer unerschütterlichen, tiefen Liebe für die Menschen und das Leben. Abgesehen davon, dass ich viel von ihm gelernt habe und weiterhin lerne, verwirklichen wir beide an- und miteinander unseren Traum von einer gesunden, heilenden Beziehung. Wir sehen den Raum, den wir uns beständig neu erschaffen und freischaufeln, als Übungsraum für die noch größere Kür: durch die Augen des anderen alle anderen zu sehen. Wir üben, die Hand auszustrecken, das Ohr zu öffnen, Brücken zu errichten – nicht für uns – sondern um diese Fähigkeiten zu besitzen, wenn wir Menschen und Gegebenheiten gegenüber stehen, die uns abstoßen oder verängstigen.
Ich weiß nicht, ob ich hier noch einmal über meine Beziehung schreiben möchte und werde. Jetzt sei sie jedenfalls erwähnt – weil sie seit langer Zeit eine treibende Kraft und Inspirationsquelle in meinem Leben ist. Und ihr daher ein Fixpunkt in der Koordinatenkarte meiner magischen Kraft zukommen muss.

~*~

Und jetzt: 2006 vs. 2008:

1.) Was kann ich gut und tue ich gern? Was sind Werkzeuge meiner Kraft?

musizieren, lachen, tanzen, schöpfen-erfinden, formen, schreiben, in den Bauch gehen, fühlen, yoga, dem Atem folgen, eine Muse sein

Ähem. Yoga. Yoga. Yoga. Yoga. :) Außerdem: schreiben, sprechen, komplexe Vorgänge nachvollziehbar und erlebbar machen. Vermitteln, verhandeln. Menschen zu einem Gebiet Zugang erschaffen. Erklären.

2.) Wen empfinde ich als verbündete Wesen, wer ist mir wohlgesonnen, zu wem fühle ich mich hingezogen?

meine engsten freunde, viele schriftsteller und -innen, singvögel, bäume

Nach wie vor Schriftsteller. Ich fühle mich magisch angezogen von Menschen, die mit ihrer Urkraft in Verbindung stehen. Ich fühle mich wohl in der Umgebung von jenen, die in sich ruhen, die sich selbst gut kennen und spüren, die das Leben lieben und die man auf Englisch als ‚growth-minded people‚ bezeichnen würde. Momentan bin ich vernarrt in eine (m)eine Yoga-Lehrerin, eine Frau, die mit ihrem Lachen und ihren wachen Augen die Polkappen niederschmelzen könnte. Sowas gibt mir Kraft.

3.) Welches sind meine Orte der Kraft?

der ossiachersee, das ausseerland, südfrankreich und das departement l’ain, london, wien, paris, lyon,…

mein bett, opernhäuser, bühnen, belebte plätze, altmodische kaffeehäuser, baumwurzeln, lichte wälder

Das zählt auch 2008 noch. Aber anders. Ich bin nicht mehr so ortsgebunden. Ein Kraftort ist für mich vor allem eine innere Einstellung. Manchmal beginnt sie bei mir auf dem Teller. :)

4.) In welcher Pflanze weiß ich Geistwesen, Feen, Helfer?

in lindenbäumen, tannenbäumen, eichen, hollunderbüschen, hohem gras, in meiner weide

Ich nehme noch Buchen dazu.

5.) Als welches Tier würde ich leben wollen?

als luchs oder amsel

Zur Zeit sehr gern als dicker, schnurrender Hauskater.

6.) Welche Dinge kräftigen und trösten mich?

gutes essen, musik, gedichte, märchen, spaziergänge, fotografieren, mit freunden sprechen, pippi langstrumpf lesen und wenn ich gar nicht mehr weiter weiß: ab ins bett

Meistens lässt sich das Leben sehr schöne, sehr tröstende Dinge für mich einfallen. Sonst: zuerst weinen, dann kurz schlafen, dann lesen. Bücher trösten mich ungemein. Meistens auch das Gefühl, irgendetwas zu umarmen. Und, ja, der Mann an meiner Seite kennt viele Kniffe… Er schafft es sogar, ohne selbst da zu sein.

7.) Ich denke mir spontan eine 5stelligen Zahl aus, ziehe die Quersumme und schlage deren Bedeutung nach…

47358 (4+7+3+5+8) -> 27 -> 9. Im Tarot der Eremit. Wie passend ;) Ich muss dringend in mich gehen.

327586

Hoppla. Konnte nicht bis fünf zählen. Macht nix. Ergibt Quersumme 4. Stabilität. Ordnung. Ruhe. Macht. Befähigung.

8.) Welche Farbe verkörpert für mich Schutz?

waldgrün. erdfarben. manchmal auch sehr helles beige/cremeweiß. dunkles glitzern (wie bei wasser)

Dunkles Lila. Grau.

9.) Welche weiblichen Vorbilder, starke oder bewundernswerte Frauen kenne ich und kann ich mir als Kraftverstärkung zum Vorbild nehmen?

märchen/geschichten: pippi, ronja, babajaga, wassilissa die weiße, turandot

göttinnen: die musen, artemis, frau holle, babajaga, baubo, demeter

im echten leben: rose ausländer, luisa francia, burgi sedlak, artemisia gentileschi, christine nöstlinger, susan anderson, christy turlington

Viele meiner Blogger-Kolleginnen. Davon besonders darkdaughta. Und viele Generationen namenloser, unbekannter Frauen, deren Erbe ich in mir spüre.

10.) Welches Element wähle ich spontan zu meinem?

wind. feuer gerne in form von licht, besonders frühmorgens.

Wind. Äther. Irgendwie auch alle andere.

11.) Was hab ich geerntet, was davon selbst gesät, was ist als wilde Saat aufgegangen?

Ich habe gesät: disziplin, viele gedanken, zuversicht, gebete, arbeit, wille zur veränderung, verwünschungen, wertschätzung, abschätzigkeit, lügen, offenheit, verletzlichkeit, doppeldeutigkeiten, verletzungen, wärme, angst, neugier

Ich habe geerntet: vertrauen, zuversicht, erfolg, glück, verwirrung, sprunghaftigkeit, verletzungen, schönheit, wohlgefühl, ein sicherheitsnetz, ruhe, neugier

Ich habe gesät: Liebe, Hingabe, Offenheit, Bewusstwerdung, Gebete, Gesang, Tänze, Freude, Disziplin & Nachlässigkeit, Mutlosigkeit, Zweifel.

Ich ernte: Liebe, Erkenntnisse, Einsichten, Führung, Schutz, Sicherheit, Stabilität, Feingefühl, Verwirrung, Mutlosigkeit, Angst, Zweifel.

Alles ist irgendwie wilde Saat. Ich weiß nie, wie sich das, was ich mir herbeiwünsche, zeigen wird.

12.) Sehe ich mich eher als Sonne, Mond oder ein Planet?

Ich bin eine Mondsonne (sprich Wendehals *grins*)

Puh. Ich habe Herzensangelegenheiten, die ich umkreise. Ich werde auch umkreist. Vielleicht bin ich sowas wie eine Galaxie.

13.) Was ist mein Treibstoff?

Im Großen und Ganzen? Die Liebe.

Und im Kleinen? Lernen, meinen Körper spüren, da-sein, Berge besteigen, immer mehr erfahren und immer weniger wirklich wissen…

Das große Ganze hat sich ausgebreitet! :)

Eine Antwort zu “Koordinatenkarte – damals und heute

  1. Liebe lily schön das du Kraft aus Deiner Beziehung ziehst. Um wieviel schöner kann ein Weg sein, wenn man ihn teilen kann. LG Rainer

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