komm herein, renn nicht weg


Wenn ich schon beim Thema Offenheit/Mut bin… schließe ich an Rays Kommentar zu einenm ;) Post an:

Ich mag Menschen, die auf mich zugehen, die keine Angst davor haben, von sich zu erzählen, sich und ihre Geschichte einem Zuhörer zuzumuten, mein Ohr fordern, ihr Leben gerne anderen erfahrbar und zugänglich machen.

Wenn ich solche Leute finde, bin ich voller Aufregung, es kribbelt, mein Herz geht auf … Freudige Erwartung … Warum warten wir immer so lang, bis wir aufmachen? Und mit ‚wir‘ meine ich natürlich mich… Ich bin dafür, alle meine an-gelernte Vorsicht und Zurückhaltung über Bord zu werfen. Habe ich im Auslandsjahr gelernt: die meisten Menschen fangen dich auf und werden gerne aufgefangen. Ich muss mich ‚zumuten‘ lernen.

Red nicht so viel! Das war ein Mantra meiner Kindheit. Schau nicht so (gemeint war: wütend oder traurig). Aber vor allem: red nicht so viel. Und es stimmt, ich rede gerne. (Ich hör auch gern zu.) Oft genug hab ich mir nach einem Gespräch in die Zunge gebissen, mir gedacht: wie peinlich, so viel gesagt, zu viel verraten, … Der Zweifel-im-Nachhinein kam bis jetzt immer nur bei Gesprächen, die kein leeres Geplapper für mich waren.

Ich genieße das so, wenn Worte in einem Gespräch benützt werden als das was sie sind; pure Energie Schöpfung Wellen Glück Funken Heilung!

Besonders mit Frauen. Das ist ein abgelatschtes Thema, aber meine Güte, können Frauen einander das Leben schwer machen! Ich hab da mittlerweile eine sehr dünne Haut, was den hintergründigen Neid und die Schlechtmacherei zwischen Frauen angeht. Weil wir (Frauen) lernen, die Sache dermaßen subtil anzupacken, geht eine „Attacke“ im Idealfall einfach runter wie Öl – als hättest du dir selbst nie was anderes über dich gedacht. Irgendwann ist der Groschen gefallen:  ich darf meinen Sensoren vertrauen, ich darf meinen Zellen vertrauen, die bei bestimmten Frauen einfach zumachen – Wohlgefühl und Entspannung verweigern. (Mit Männern ist das eine ganz andere Geschichte…)

Aber, jetzt wo sie trainiert sind, die Fühler, mag ich nicht lange fackeln. Wenn Frauen eine erdig-satte, freudige, pralle Energie verströmen, wenn sie nichts anderes sein und werden möchten als das, was sie sind, wenn ich mit ihnen teilen kann ohne mich beneidet/abgestuft/hochgehimmelt/verglichen/vermessen/verstoßen/verspottet zu fühlen… dann kann mich nichts mehr halten. Es passiert selten genug, dass ich eine treffe, die mich wirklich anzieht, bei der ich den Eindruck habe:  ich darf das jetzt sagen, ich kann alles sein was ich bin, die steht ganz auf ihren eigenen zwei Beinen.

So wie die Frau mit der ich mich letztens getroffen habe. Wir kennen uns nur kurz. Sie schrieb mir eine Mail: „Gehen wir auf ein Glas Wein? – ich habe viel zwischenmenschliche Erkenntnisse zu berichten!“ … Oh, ich reibe mir noch immer die Hände!!! So mag ich das – eine, die Lust hat, von sich aus von ihren Kruxen und Höhenflügen zu erzählen. Eine, die sich mir in die Arme wirft und gespannt darauf wartet, was als nächstes passiert.

Wir sprechen über Eltern, Kinder, Körper, Neid, Hass, Wut, Freude, Heilung. Wir sprechen über Annäherung, Zuhören, Gespräche, Zärtlichkeit. Unsere Worte werden zu einer Kraftsuppe, wir tauchen ab, wir trinken, wir lachen und verbandeln uns. Die einsame Wölfin legt sich mal ans Lagerfeuer, streckt die Pfoten von sich, heult im Rudel.

Ich denke viel über Neid nach, in letzter Zeit. Hab das lang nicht gesehen, wie neidisch viele Menschen sind – es war für mich einfach nie ein dominantes Gefühl. Es braucht anscheinend eine Portion Un-Verschämtheit, zu sagen: der/die beneidet mich, ich wende mich ab!

Oh, du meine Güte, da behaupte ich von mir, beneidenswert zu sein!!!

Fakt ist, Neid kennt keine Grenzen und kein Genug; der findet alles beneidenswert. In dieser Hinsicht bin ich vorsichtig geworden.

Weil ich versuche, ein Leben zu führen, das mich glücklich macht, das sich für mich prall und befreiend anfühlt, strahle ich das mit Sicherheit aus. Und die Neider kommen angekrochen. Deshalb spreche ich über bestimmte Dinge einfach nicht mehr.

(Z.B. dass ich jeden Tag Yoga mache. :) Es ist ein Teil meiner Realität, ich finde daran nix Außergewöhnliches, aber manche Menschen reagieren darauf mit soviel … ja womit eigentlich? … Wut, Ablehnung, Angst, Rechtfertigungen. Genau das Gleiche beim Thema Fleischkonsum. Oder zum Thema Angst. Oder zum Thema Beziehung – wie ich mir meine Beziehung gestalte, wie sich für mich ein erfüllendes (Liebes-)Leben anfühlt … Red ich nicht mehr drüber. Bzw. beobachte ich den Boden sehr genau, bevor ich die Saat ausstreue.)

Ich bin neugierig, wie sich das mit dieser Frau weiterentwickelt. Sie kommt gerade zur rechten Zeit – ich habe beschlossen, mich interessanten Menschen mehr in die Arme zu werfen und – zack! – geht’s schon los.

In der Zwischenzeit trinke ich noch einen Schluck von der Frauenkraft-Kraftsuppe, lehn mich zurück und knüpfe weiter an den noch zarten Banden.

7 Antworten zu “komm herein, renn nicht weg

  1. Liebe lily, besonders gut hat mir gefallen: ‚Unsere Worte werden zu einer Kraftsuppe, wir tauchen ab, wir trinken, wir lachen und verbandeln uns. Die einsame Wölfin legt sich mal ans Lagerfeuer, streckt die Pfoten von sich, heult im Rudel.‘ Sehr schöne Bilder, die einen in Deine Geschichte reinziehen.
    LG Rainer

  2. Stepping in, just to say hi… I am Linda, I love this blog. Found you over at Darkdaughta’s and I’m looking forward to reading more in here.

    (I am writing this in English it’s easier for me, hope it’s okay.)

  3. Linda,

    you are more than welcome to write here in English! :) Do you speak German as well? I think I left the link for the English section of my blog over at DD’s, in case you haven’t found it yet…

    And thanx for stepping in! I guess we’ll meet over at your blog, I’ve been excited to find it – another topic I’m really into! :)

  4. Schön, daß du „aufmachst“ – so schreibst du auch mehr von dir. Ich will übrigens auch schon immer schreiben und natürlich auch ein Buch – aber je mehr ich (er-)lebe, desto weniger fällt mir ein, was ich auf Papier festhalten wollte. Ebensowenig, wie ich irgendeinen Eindruck auf ein Foto bannen möchte. So wird es vielleicht nichts mehr mit meinem Buch, mal sehen …

    Alles, was anders ist – macht den meisten Angst. Und du machst halt ein paar Dinge, die immer noch „anders sind“, zum Beispiel diese seltsamen Körperverrenkungen mit dem indischen Namen und ab und zu dein Herz auf.

    Ich werfe auch keine Samen mehr in den Sand. Oh Verzeihung, das war subtil, ich meine „Perlen vor die Säue“. Und werde immer radikaler, was das betrifft.

    In der vergangenen Woche habe ich nochmal die glasklare Erfahrung machen dürfen, daß die meisten Leute lediglich in endlos-ewigen „Wiederholungsschleifen“ denken und sprechen – also in Gewohnheiten, in seit Jahren oder Jahrhunderten gelernten Grenzen. Und sie wollen, daß ich ebenfalls im Käfig bleibe.
    Da ich mich immer mehr aus diesen Grenzen entferne und das auch sage, wird bei denen, die weiterhin drin bleiben und mit mir zusammentreffen, manchmal ordentlich was getriggert – Neid, Wut, Angst, Hass … alles, was du beschreibst.
    Wenn gar nichts mehr hilft, wie kürzlich bei der Gesprächspartnerin, kommt als weiterer Totschlagsversuch, ich sei „naiv und blauäugig“ – als Reaktion auf mein beharrliches Verbleiben in Zu-friedenheit und Ein-verstandensein mit allem, was ist, die Welt so lassen können, wie sie ist und unerschütterliches Gottvertrauen.
    Sie versuchte immer wieder, mir endlich „klarzumachen“, wie schlecht es anderen und wie gut es mir geht. Ach ja, und das ich noch nie in meinem Leben soooooo schlimm dran war, wie die armen Kinder in xyz ….

    Ja, ich habe mich auch für interessante und lebendige Menschen entschieden. Zusammen schweigen und Musikmachen mag ich. Und dann mag auch gerne wieder eine Weile alleine sein.

    Interessieren tut mich nach deinem Post brennend, wie es sich mit den Männern bei dir berhält – da du so eine saubere Trennungslinie gezogen hast. Ich habe so eine Linie nicht, glaube ich, daher bin ich neugierig, wie und wo du diese ziehst.

    Alles Liebe einstweilen, Zhati

  5. Liebe Zhati,

    ich erlebe Ähnliches wie du: je mehr Saft und Fülle mein Leben kriegt, desto weniger könnt ich ein ganzes Buch verfassen. Ich schreibe nach wie vor wahnsinnig gerne und am liebsten viel. Und am Glücklichsten bin ich dabei mit meinem Blog und den Möglichkeiten, die er mir bietet.

    Zu allem was du schreibst, besonders zum letzten Absatz (die Frage mit den Männern…), braut sich in meinem Kopf grade etwas zusammen.
    (Das find ich toll z.Z., dass die Anregungen von den Kommentaren kommen. Ihr werft mir Fäden zu, ich spinne sie. Danke.)

    Liebe Zhati, ich bin übrigens immer noch sehr neugierig, was mit Rabia geschehen ist. Und was es mit Zhati auf sich hat. Vielleicht möchtest du mich ja aufklären.

    Alles Liebe, Lily

  6. Hola, Lilienlotusblüte!
    Rabia ist (r)echt bedeutungslos und tauchte nur so als neuer „Arbeitsname“ für den Blog auf – und dann direkt wieder unter. Zhati wird eigentlich mit „S“ statt „Zh“ geschrieben und ist eine Abkürzung meines neuen Namens im richtigen Leben – der sechs Silben hat und wunderschön ist, aber für einen Rufnamen zu lang kompliziert und „fremdartig“. Es ist ein Sanskritname und übersetzt bedeutet er: Erinnerung an das Göttliche, daß bereits in dir ist. Einen besseren Namen hätte mein geliebter Meister mir nicht geben können.
    Mein voriger Name hatte einen Haken: Es bedeutete „jüngere Schwester“, also eigentlich eine große Ehre, die jüngere Schwester von Osho und Samarpan zu sein, allerdings wollte ich überhaupt nicht mehr „irgendwas von irgendwem sein“ sondern nur ich selbst. Zumal jetzt, wo die Geschichte mit meiner Ursprungsfamilie durch den körperlichen Tod meiner Mutter ein Ende gefunden hat.
    Ich hatte übrigens nicht wirklich um einen neuen Namen gebeten – sondern ihm nur von meinen Erfahrungen und Widerständen mit der Bedeutung berichtet. Am nächsten Tag hatte ich diesen wunderbaren neuen Namen, der mich wirklich trägt. Und den ich problemlos überall auf diesem Planeten nutzen kann, auch als Künstlernamen, da ihn jeder leicht versteht und sich merken kann. Den davor konnte sich eigentlich niemand wirklich merken … und niemand wußte, wie man´s ausspricht. Kinder sagten „Hä?? Das ist aber ein komischer Name“. Und Zhati (also mit S vorne, aber die Adresse gab´s als WebMail, da brauchts 5 Zeichen) klingt glasklar.
    Nun weißt du über alles Bescheid und ich freue mich schon sehr auf das kommende Gebräu,
    liebe Grüße und einen wunderbaren Tag,
    Zhati

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