beabsichtigter wertverlust – bernard londons masterplan ist online!


Foto: Manuel Archain

Beabsichtigter Wertverlust – planned obsolescence – bezeichnet die 1932 geborene Idee, jedem Gebrauchsgegenstand sozusagen „von oben“ ein Ablaufdatum zuzuweisen. Egal ob Schuhe, Auto oder Herd – es geht darum, den Verbraucher dazu zu bringen, sich mit Neuem einzudecken, bevor seine alten Sachen wirklich schrottreif geworden sind.

„[…] Menschen in verängstigter oder hysterischer Verfassung verwenden alles, was sie besitzen, viel länger als sie es vor der [wirtschaftlichen] Depression zu tun pflegten. In der vergangenen Periode der Hochkonjunktur wartete das amerikanische Volk nicht darauf, bis der letztmögliche Nutzen aus jedem Gebrauchgegenstand gezogen worden war. Sie ersetzten alte Gegenstände durch neue, aus Gründen der Mode und des Zeitgeschmacks. Sie gaben alte Häuser und Autos auf, lange bevor diese abgenutzt waren, lediglich weil diese unmodisch geworden waren. Alle Gewerbe, Verkehrsbetriebe und Arbeitsschichten hatten sich auf die Gewohnheiten der Amerikaner eingestellt. Vielleicht waren die Menschen vor der Panik zu extravagant; wenn ja, dann sind sie nun zum anderen Extrem übergangen und einsparungs-verrückt geworden.

So schreibt Bernard London 1932 in seinem Pamphlet Ending the Depression through Planned Obsolescence„. [Die Übersetzung ist von mir.] Seine Idee war ganz einfach: die Einkäufer mit sanfter Gewalt an ihre Pflicht erinnern und somit die Produktion ständig am Laufen halten. Damit ist allen geholfen. Und die Räder dreh(t)en sich ja bis heute fleißig weiter. Bravo Bernard! (Ich meine das nicht so sarkastisch, wie es euch viell. erscheint)

Es gibt mehrere Arten, den Wertverlust eines Gegenstandes zu diktieren:

Indem man die „Mode“ vorgibt Funktioniert sehr gut, man denke etwa an das wandelnde Farbenspiel der Kleidung zu jeder Saison. Oder Telefone. Ich werde manchmal ganz freundlich wegen meines uralten Handys ausgeschmunzelt, das – oh Wunder! – nach vier Jahren immer noch problemlos funktioniert. Aber leider auch 4jährig aussieht, schmunzel.

Oder indem man Dinge schneller unbrauchbar macht. Wenn die Reparatur oder das Ersatzteil mehr kosten als die Neuanschaffung, zum Beispiel.

Manche aus der älteren Generation behaupten gelegentlich, dass Dinge früher tatsächlich länger gehalten haben sollen. Ist uns das jetzt zu subjektiv? ;)

Auf sehr hintergründige Weise ist dieses Wissen jedenfalls bekannt, vermute ich. Als ich von der planned obsolescence erfuhr war ich jedenfalls trotzdem erstaunt, das sie wirklich einmal mit derartigem Enthusiasmus als ideale Problemlösung debattiert wurde. Das hat mich neugierig gemacht.

Im Internet genauere Informationen über den geistigen Vater der planned obsolescence zu finden, ist übrigens gar nicht so einfach (vielleicht suche ich aber auch nicht gründlich genug). Im Deutschen gibt es für dieses Konzept nicht einmal einen Namen, deswegen habe ich vorläufig mit „beabsichtigtem Wertverlust“ übersetzt.

Manche halten die Idee übrigens für eine Verschwörungstheorie, aber nach einiger Recherche in diversen Foren habe ich mir versichern lassen, dass die Lehre vom beabsichtigten Wertverlust an vielen wichtigen Wirtschaftsunis unterrichtet wird.

Und selbst wenn es alles nur erstunken und erlogen wäre … wir ver-brauchen unsere Gebrauchsgegenstände ja wirklich nicht so gründlich, wie es der ursprüngliche Wortsinn vorgesehen hat…

Jetzt habe ich jedenfalls mit großer Freude entdeckt, dass der von London geschriebene Artikel, der den Stein 1932 ins Rollen brachte, von einem findigen Menschentrüppchen ins Netz gestellt wurde. Angeblich gibt’s dieses Pamphlet nur in einer Handvoll Bibliotheken.

Hier geht’s zur Lektüre. Wem das Englisch zu kompliziert ist, kann sich ja einfach nur den markierten Textpassagen widmen und fünfe grade sein lassen. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Wochen Zeit habe, das Ganze zu übersetzen.

Viel Spaß!

7 Antworten zu “beabsichtigter wertverlust – bernard londons masterplan ist online!

  1. Hola, Lily! Interessanter Beitrag, danke. Kürzlich lauschte ich einer Unterhaltung von zwei Menschen, die ihre Kindheit in einer Zeit verbracht haben, in der es noch kein Verfallsdatum auf Lebensmitteln gab – und sie haben als Kinder geglaubt, daß alles ewig hält. Glückliche Kinderwelt! Jetzt bin ich mal gespannt auf mein Monsterbild …. Sati

  2. Hallo Sati!

    Ich war als Kind immer ganz fasziniert von den Geschichten meiner Omas – ein Kleid von Cousine zu Schwester zu Cousine weitergereicht; jedes Paar Schuhe totgelatscht; die Bananen und Mandarinen zu Weihnachten eine echte Sensation; die schönen Lederhandschuhe bewacht wie einen Schatz. Dabei waren beide Omas aus (für die damaligen Umstände) relativ wohlhabenden Familien.

    Nach diesen Erzählungen hatte ich immer den Eindruck, dass die Menschen dieser Generation ihre wenigen Besitztümer mehr „besessen“ haben als ich, also im Sinne dass ihre Dinge viel persönlicher waren, mit mehr eigener Geschichte verbunden und aufgeladen.

    Manchmal steh ich vor unserem Barock-Schrank und denk mir: der war dafür gemacht, locker ein paar hundert (!!!) Jahre wegzustecken. Was wird aus meiner Generation übrigengeblieben sein in 2308? :)

    LG von Lily

    P.S.: Ein sehr schönes Monster bist du :) Ein sehender Tannenbaum mit Beinen.

  3. In den Stahlwerken Duisburgs wurden vor einigen Jahren Maschinen ausgebaut, die an die hundert Jahre alt und zu diesem Zeitpunkt noch in Betrieb waren. Als vor kurzem ein Telefonbauer hier in der Nähe hätte modernisieren müssen, ist er lieber umgezogen und hat den Laden an einen Pleitemacher verscherbelt: die Fertigungsanlagen waren keine zehn Jahre alt, die Anpassung an die neuere Handytechnik trotzdem zu kostenintensiv.

    „Je mehr Nähte, desto mehr Nöte!“ lernen die Kinder in Aldous Huxleys schöner neuer Welt. Damit sie beschädigte Kleidung später als Erwachsene wegwerfen, statt sie zu flicken.

    Was ist das wohl, das heute diese Sehnsucht nach den alten Dingen generiert? Warum mögen die Menschen die neuen Dinge mehr, wenn sie im „Vintage-Look“ daherkommen?

  4. Tja, daß es sozusagen einen geistigen Vater gibt war ja klar und daß man die Tatsache zu vertuschen versucht von wem diese Idee kommt wundert mich auch nicht.
    Herr London gehörte zu der einen bestimmten Bevölkerungsgruppe die auch heute noch fast alle Unternehmen dieser Welt beherrscht und führt und die es nicht möchte, daß man diese Tatsache öffentlich ausspricht. Diese Menschen waren auch mitbeteiligt am Untergang der deutschen Industrie und betrieben Kriegshetze gegen das deutsche Volk um deutsche Konkurrenz ein für alle mal auszuschalten.
    Wie man heute sieht ist dieses Ziel fast erreicht. Denn deutsche Unternehmen haben immer für die Ewigkeit produziert – da war nichts mit geplanter Obsoleszens. Aber deshalb hatten natürlich Wettbewerber aus anderen Ländern in Deutschland kaum eine Chance. Der Plan der Globalisten/Internationalisten in Finanz und Wirtschaft störte das gewaltig, denn die Deutschen machten den betrügerischen Obsoleszens-Unternehmen einen gewaltigen Strich durch die Rechnung indem sie langlebige Produkte produzierten. Durch Krieg, Vernichtung alter Werte, Heuschrecken und Investoren die bis zum heutigen Tag an der endgültigen Ausrottung deutscher Unternehmen arbeiten wurden betrügerische Obsoleszens-Produkte zur fast einzigen Alternative für die Verbraucher. Billiger Schrott für viel Geld. Da man immer wieder neu kaufen muß und geschickte Propaganda in den Massenmedien Mode- und Konsumwahn im Namen der Betrugs-Unternehmen anheizen, kann man so auch die Arbeitssklaven dazu bringen freiwillig, bis zum Sprung in die Kiste, für Konsumschrott zu schuften.
    Geplante Obsoleszenz ist und bleibt Betrug am Verbraucher, deshalb kaufe ich nur noch, wenn es unbedingt sein muß. Ich unterstütze Betrug nicht und Mode ist mir egal. Den meisten heute in China hergestellten Schrott braucht sowieso niemand.
    Ärgerlich ist allerdings, daß viele Gebrauchsgegenstände für den Alltag auch kaum noch 50 Anwendungen schadenfrei überleben.
    Da hilft nur Altes so lange es geht zu reparieren und wieder Altes zu kaufen, welches gut in Schuss ist. Geht nicht bei allen aber bei vielen Dingen.
    Das gleiche „Abhängigkeits- /Konsumprinzip gilt übrigens auch für die Pharma-/Gesundheitsindustrie. Das Ziel der Pharmaindustrie ist keinesfalls Ihre (neudeutsch) „Kunden“ gesund zu machen oder zu erhalten, zumindest nicht auf Dauer, denn von was sollte diese Industrie denn sonst überleben? Durch Angstpropaganda werden die Menschen forciert bestimmte Pharmaprodukte einzukaufen und bestimmte Untersuchungen über sich ergehen zu lassen (einige davon sind ursächlich für die Entstehung von Krankheiten), die eigentlich nicht notwendig wären, die aber die Taschen der Ärzte und Pharmafirmen füllen.
    Schöne neue Welt.

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