verfrühtes Neujahrsgebet


Gelegentlich macht es Spaß, kleine Felder abzuhaken und am Ende gesagt zu bekommen, wer man ist.


You Are Iris


You are an interesting blend of fun and wisdom.

You definitely make people think about themselves and their place in the world.

But they’ll have fun doing it. You definitely epitomize laughter therapy.

You are a very enriching and entertaining friend!

Manchmal entpuppen sich die hinfälligsten kleinen Internet-Fragebögen als Wegweiser. Was mir in diesem speziellen Fall aufgefallen ist, ist das Wort „Freund“.

Ich weiß, es ist noch nicht Neujahr, aber für mich fängt es irgendwie schon an; ich fühle mich gänzlich in freudiger Erwartung. Und weil ich weiß, dass Neujahrswünsche in Erfüllung gehen, wenn man sie sich nicht als Pflichten vor-setzt, beginne ich eben schon jetzt damit, mir meinen Herzenswunsch ins Leben zu ziehen.

Wonach ich mich sehne, ist eine Gemeinschaft von lebendigen, integren, achtsamen, erfüllten Menschen.

Ich weiß, es ist noch nicht so weit.

Noch bin ich – hm … einsame Löwin, oder Mondin, das trifft es … ich ziehe langsam meine Bahn, durch die Nacht, durch die Stille. Ich weiß, das muss so sein. Ich muss mir ganz allein den Weg leuchten.

Aber weißt du, Universum (das du doch in mir wohnst), bald kommt eine Zeit, da möchte ich auf andere hören. Da möchte ich mich in anderen wiederfinden. Da möchte ich nicht nur von mir sprechen müssen. Einen Berg zu mehreren erklimmen. Und in der Gruppe vom Gipfel jodeln.

Du hast mir ganz wunderbare Menschen in die Arme geworfen in den letzten Wochen. Und mir trotzdem immer wieder vor Augen gehalten, dass ich alleine gehe; dass wir alleine gehen. Meine erste neue Lehrerin ist nur 8, und der zweite schon 83. Von beiden werde ich mich bald verabschieden müssen.

Aber wonach ich hungrig werde, das ist etwas mit mehr Bestand. Zumindest für eine Zeit lang.

Ich weiß, dass meine Beine mich tragen, dass meine Arme mein Leben greifen können, dass mein Herz stark ist und meine Augen scharf. Liebes Universum, für dich ist Platz in mir. Mein Sehnen rührt nicht aus Mangel.

Es naht die Zeit, in der sich die Löwin einem Rudel anschließt, um ihre Jungen dort zu gebären und großzuziehen.

In mir soll Raum genug sein, dass ich alleWorte und Taten des Neids, der Ablehnung und Aburteilung, die je gegen mich gerichtet wurden, als Wegweiser annehmen und verstehen kann.

In mir soll Raum sein, alle meine Worte und Taten der Unverbundenheit – Neid und Scham, Hass und Hochmut – ansehen zu können, wahrhaft erkennen zu können und dadurch zu erlösen.

Ich wünsche mir Gelegenheiten und Spielräume, mit meinen Gegenübern zu verschmelzen und ihnen Platz zu geben, ihr Gesicht zu zeigen. Ich möchte ihre Menschlichkeit in allen Facetten teilen. Ich wünsche mir sehnlichst, so offen und wohlwollend zu sein, dass ich in Herzen und Seelen blicken darf.

Das bedeutet, dass ich mich verabschiede vom Schmerz, den es mir bereitet hat, mich in Augenblicken der Wahrhaftigkeit belächelt und abgelehnt zu fühlen. Letztlich waren es immer nur meine eigene Scham und mein Unvertrauen in mein Selbst, die mir aus den Augen der anderen entgegen blickten.

Es ist eine gewaltige, unendliche, innige Liebe, die mich atmet, die meinen Körper bewegt, die mich be-lebt und leitet. Je mehr ich in den All-Tag hinein sinke und das All täglich bewusster lebe, desto mehr zwinkert es mir aus allem entgegen. Ich, die gerade schreibe, werde weiterhin irren und urteilen, werde mich auflösen und verwehen. Aber das, was mich zu diesem Zeitpunkt lebt und immer leben wird, ist wahr. Das ist alles, was dieses Ich mit unerschütterlicher Bestimmtheit weiß.

Mein Gesicht möchte ich zeigen, ohne Furcht teilen und fragen und sprechen. Nein, erklären möchte ich mich nicht mehr dafür, dass ich so wahr nehmen und leben will, wie ich es tue. Ich möchte mich nicht länger zurückhalten müssen (was mir doch so schlecht gelingt), etwa vor Menschen, denen diese Sicht der Dinge vielleicht Angst macht, oder die ich peinlich berühre.

Es geschieht, dass dieses All zum bloßen Alltag verkommt, dass es stumpf wird, an Glanz verliert und schließlich nur mehr als das scheint, was es nicht ist. Ich weiß, dass die Dinge so gesehen (oder sollte ich sagen: über-sehen?) werden können.

Ich möchte mein Gesicht aber solchen Menschen zeigen, die mit dir, in ihnen, auf du und du stehen. Ich habe eine große Sehnsucht nach Menschen, die wissen, statt zu glauben. Ich möchte fehlerhaft sein können in der Gegenwart von Menschen, die keine Angst davor hatten, sich ihre Tempel dorthin zu bauen, wo sie am leichtesten zu erreichen sind: im All-Tag. Wie sehr verlangt es mich nach Menschen, die mich in ihre Tempel einlassen und in deren Weisheit und Stille ich wiederum zur Weisheit und Stille finden kann. Ich sehne mich nach Füßen, die meinen Tempel mit ihren Schritten erfüllen und beseelen. Denn nur so, in diesem gegenseitigen, ehrfürchtigen Beschreiten und Erfüllen, so denke ich, wird mir echte, tiefe Freude zuteil werden.

Ich weiß, wir sind wie Bäume, unsere Wurzeln schlagen wir allein, aber jetzt gerade verlangt es mich nach einem Wald.

Also, liebes Universum, das du alles durchflutest und in dessen Tasten ich gerade Wünsche tippe, die doch schon längst bei dir angekommen sind – schick mir doch ein paar von denen vorbei, die dich bei vollem Bewusstsein an ihre Brust gelegt haben, mit dir schwanger gegangen sind und die dich zu tun beschlossen haben.

Dein Wille durch meinen.

So und nicht anders soll es sein.

~*~

Und Universum, noch was, wenn es schon um Vertrauen und Wahrhaftigkeit geht. Ich weiß nicht mehr, ob es mein Ich oder mein Du war, das mich mit einer Tasse Kaffee hinter diesen Bildschirm gesetzt hast, neben die tickende Uhr und den beinahe fertiggestellten Pullover. Ich habe unbekümmert geschrieben und ebenso unbekümmert gewünscht. Ich war wahrhaftig und ich selbst (weil sich alles fast von selbst geschrieben hat). Nun möchte ich mit derselben Arglosigkeit meine Wünsche zeigen und vertrauen, dass ich mich nach dem Kern des Menschlichen sehnen darf, ohne mich lächerlich zu fühlen.

2 Antworten zu “verfrühtes Neujahrsgebet

  1. Liebe Lily,
    genau so geht es mir auch – nur kann ich das leider nicht so gut in Worte fassen.
    Man trifft immer wieder wunderbare Menschen, die einen aber meistens auch bald wieder verlassen. Meine Lehrerin ist 67 ich wünschte sie würde den Weg mit gehen…
    Ebenfalls sehne ich mich nach dieser Gemeinschaft von lebendigen und achtsamen Menschen! Tun wir das nicht alle?
    Von Menschen WEißheit und Stille sowie Erfahrungen sammeln – das schönste was einem passieren kann!
    Wünsche dir viel Erfolg bei deinen Wünschen!
    Alles Liebe

    • Hallo lightning,

      vielen Dank für deine Wünsche! :)

      Vielleicht hilft dir das Alter deiner Lehrerin aber auch, die Zeit mit ihr und das was sie dir zu geben hat, noch mehr zu schätzen und in dich aufzunehmen – trotz der Traurigkeit die ein Abschied mit sich bringt? Ich wünsche dir jedenfalls einen wunderbaren Weg mit ihr.

      Herzlichst, Lily

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