so kurz ich mich fassen konnte


Diary1

hier gab's keine Schreibblockade...

Ihr hättet schon eher von mir gelesen, wäre ich bei der pränatalen Charaktervergabe etwas näher an den Typen rangekommen, der sprachliche Prägnanz und Eindeutigkeit an die Schar der Embryonen verteilt hat. Vielleicht ist das auch bloß eine Ausrede dafür, dass ich mich nie besonders in diesen Eigenschaften geübt habe. Oder aber …

Gut, ihr seht, es fällt mir schwer, die Dinge so niederzuschreiben wie sie sind – in diesem Falle also genau das zu schildern, was mir passiert ist und bei der Schilderung zu bleiben:

Ich bin vor einem Monat recht brüsk vom Zustand der sehr glücklichenVerbandelung in den Stand der, nun ja, etwas weniger glücklichen Junggesellin bugsiert worden, und wer aus meiner Wortwahl schließt, dass es unfreiwillig geschah, hat Recht und Unrecht zugleich, denn es geschah trotz allem von meiner Seite aus. Dazu sofort mehr im übernächsten Absatz.

Ich kenne kaum welche, denen es gelingt, ihren Kummer in tatsächlich anrührende statt hochnotpeinliche künstlerische Ergüsse zu verpacken, und weil ich nicht zu ihnen gehöre, habe ich mich der öffentlichen Ausbreitung meiner Gram enthalten. [Applaus, bitte?!]

Und nun, wie im vorvorherigen Absatz angekündigt, zur Hintergrundinfo. [Und JA, ich spüre die gierigen Augen…] Mit meiner neugewonnenen, gereiften [!] und abgeklärten [!!] Sicht kann ich behaupten, dass diese Trennung nichts anderes war als die Antwort auf meine Wünsche – die im Wesentlichen auf die folgenden zwei Punkte reduziert werden können:

  1. Der Wunsch, meine Fähigkeit, bedingungslos zu lieben, zu erweitern (falls sie denn schon vorhanden war)
  2. Der Wunsch, meinen spirituellen Weg zu vertiefen

Weil ich einen guten Draht zum Universum habe und es mir meine Wünsche meist auf  kürzestem Wege erfüllt, brachen in Windeseile sämtliche überholten und verknöcherten Strukturen in mir zusammen, die der Verwirklichung der oben genannten Punkte im Wege standen. Meine Beziehung gehörte mit Sicherheit nicht zu diesen verknöcherten Strukturen (im Gegenteil), aber den bevorstehenden Weg – so sehe ich es jetzt im Rückblick – musste ich in der Tat völlig allein, ohne Unterstützung von außen und ohne Rückhalt außer meinem eigenen, gehen.

Zuallererst haben Herz, Hirn und Körper alle Zustände, die zur Führung oder zumindest Aufrechterhaltung einer romantischen Beziehung von Nöten sind, strikt verweigert – ein Umstand, der sich als wahrer Segen erwies, weil er mich mit der Nase in alle unglücklichen Verstrickungen drückte, die es zu beackern und aufzutrennen galt und mir außerdem genügend Schmerz bereitet hat, den ich als Motor für meine innere Komplettüberholung nutzen konnte. Anfangs aber hat dieser Umstand, wie ihr es euch zweifelsohne denken könnt, eine Welle ziemlich unbeschreibbarer Pein und Unglaubens über mich und den Lebkuchenmann gespült.

(Wer nichts über die Natur unserer kameradschaftlich-partnerschaftlich-erotisch-spirituellen Verbandelung weiß, kann ja gerne auf diesem Blog nachblättern.)

Diary 2

...wie man sieht...

Seit gut vier Wochen bin ich vergleichbar mit diesen magischen Hüten, aus denen eine endlose Anzahl der erstaunlichsten Gegenstände gezaubert werden kann bei der man sich nur wundert: Wie konnten sich all diese Dinge in diesem Hut verstecken?

Angst zu lieben, Angst geliebt zu werden, Angst nicht lieben zu können, Angst allein zu sein, Angst vor einer Beziehung, Angst vor dem Leben, Angst vor Stillstand, Angst mich zu entwickeln, Angst vor dem was ich möchte, Angst vor dem was ich ablehne, Angst vor dem Schmerz, Angst vor der Wahrheit. (Ich beschränke mich der Prägnanz wegen einfach mal auf die Angst.)

Jep, das alles hat(te) Platz in mir, und ich bin keine 1,70.

Ganz offensichtlich kann keine Liebe der Welt frei über diesen mammutartigen energetischen Staudamm fließen und ich bin mittlerweile voll kindlicher Freude darüber, dass ich die Gelegenheit und die Energie habe, mich so komplett rundum zu erneuern und alles, was mich so viele Jahre an meinem Glück gehindert hat, zu heilen und zu integrieren.

(An dieser Stelle sei noch einmal ausdrücklich gesagt, dass die Vorstellung, wir seien mit einer gewissen Menge „negativer“ Emotionen und Gefühle ausgestattet, mit der wir uns abzufinden hätten, absoluter Schwachsinn ist. Jeder Mensch hat die Möglichkeit, sich gänzlich neu zu gebären, und damit meine ich nicht, dass Erfahrungen und persönliche Eigenschaften einfach gelöscht werden, aber dass sie uns nicht mehr binden.)

Der Lebkuchenmann und ich haben vor kurzem gescherzt, dass wir uns jederzeit wieder für die Trennung entscheiden würden – weil sie in uns beiden einen Prozess ausgelöst hat, der letztendlich erst möglich macht, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen statt uns bloß über unsere Staudämme hinweg zuzuwinken. Ist diese Vorstellung nicht großartig? Menschen, die sich völlig frei begegnen und (füreinander) entscheiden können, ohne dass Angst, Unsicherheit, Eifersucht, Abhängigkeit oder ähnliche Spaßverderber sie aneinander ketten?

Hoppla, jetzt hab ich’s ausgeplaudert.

Dass es eventuell, unter Umständen, vielleicht, in ferner Zukunft, zu einer Verbandelung auf neuer Ebene kommen könnte…

Diese Hoffnung musste ich nämlich zunächst völlig aufgeben.

[Wie leicht sich das schreibt und liest?! Also, gleich nochmal, zu meiner eigenen Erinnerung: ich musste radikal jegliche Hoffnung auf eine neuerliche „Inbetriebnahme“ unserer Liebesbeziehung aufgeben, weggeben, dem Universum überlassen, wie auch immer. ]

Das kostet einigermaßen viel Überwindung, wenn man einen Menschen liebt und von ihm zurückgeliebt wird.

Aber: es war der Pfad des Herzens, das gelegentlich etwas ganz anderes sagt als der Kopf (der nicht kapiert, dass die Wiedergeburt den Tod braucht). Und auf dem der in Wahrheit direkteste Weg häufig erscheint wie ein Gang durch ein felsiges, verödetes, hoffnungslos verstricktes Labyrinth.

Und bevor es noch mehr Weisheit regnet, verabschiede ich mich, denn -*plopp*- es ist wieder was aus dem Hut gefallen.

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