Popcorn im Hirn – der ausgleich von arbeit(?) und leben (?)


Seit letzter Woche beschäftige ich mich mit Disziplin, Inspiration, Ausgleich, gelebter Philosophie.

Ausgleich = Kunst. Goddess Tarot von Kris Waldherr

Während manche Menschen furchtbare Schwierigkeiten haben, sich auch nur 15 Minuten Zeit für sich zu nehmen, ist es bei mir genau umgekehrt. Es fällt mir (meist) sehr leicht, mir die 15 Minuten am Morgen und 75 am Abend frei zu halten – sie sind natürlicher Fixpunkt und Tankstelle, von der sich mein recht unstetes Wesen angelockt fühlt.

Manche sehen die Kultivierung der inneren feinen Sinne und der Erlebnisqualität als Zeitverschwendung; als wäre das keine richtige Arbeit, und Entspannung nur nach totaler Systemüberlastung leistbar. Bei mir ist das wieder verkehrt herum; die Arbeit hat absolut Nachrang und wird um die Fixpunkte von Yoga, Lektüre, Schreiben usw. herumorganisiert.

Wenn ich ehrlich zu mir bin, dann ist manches in dieser Haltung auch nicht gesund.

Disziplin ist eine meiner Leidenschaften und Freuden. Mich vor ein paar Jahren zu täglicher Praxis entschlossen zu haben war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Sie hat mir beständig neue Erkenntnisse und vertiefte Erlebnisqualität gebracht: Mich durch ein immer größer werdendes Verständnis um die Zusammenhänge in mir und in der Welt ermächtigt;  hat meinen „Aktionsradius“ erweitert.

Hab ich außerdem schon erwähnt, dass ich ein Schmetterling bin? Schnell von einem Gedanken zum nächsten hoppse, 10 Bücher auf einmal lese, mich auf dem Klo sitzend schminke während ich mir die Zähne putze? Nein? Ohne die Disziplin, mich jeden Tag wieder auf den Teppich zu holen, wäre mein kleines Hirn wahrscheinlich schon längst geplatzt und meine Gedanken klebten als kunterbunte halbverdaute Farbklekse an den Wänden um mich.

Jetzt aber ist die Ernte dieser Disziplin erstmal eingefahren. Es ist mir selbstverständlich geworden, mich jeden Tag meiner Seelen-Eichung zu widmen.

Disziplin heißt, das zu tun, was mir am Meisten zuträgt und mir am Schwersten fällt, um eine Balance wiederherzustellen. Um Neutralität und Selbstbestimmtheit zu gewinnen. Und mein Handeln von dem leiten zu lassen, was getan werden muss, nicht dem, was ich mag oder nicht (obwohl das auch zählt, freilich).

Was mir am Schwersten fallen würde (mich schon beim bloßen Gedanken zusammenfallen lässt wie ein Salzburger Nockerl), wäre meine ganze Disziplin, meinen Feuereifer, in ein Mehr an Arbeit und Weniger an Selbstfindung zu stecken. Das kommt mir nämlich wie reine Zeitverschwendung vor.

Außerdem sollte ich mir wohl oder übel eingestehen, dass ich mir nicht mehr für eine „Disziplin“ auf die Schultern klopfen kann, die schon längst keine mehr ist. (Randbemerkung von Lilys Höherem Selbst: Vor allem kann sie damit nicht angeben, denn selbst wenn es manche schwer beeindruckt, dass sie täglich yogiert, kostet es sie nicht die geringste Überwindung. Pssst. Nicht weitersagen.)

Und so wie ich gelernt habe, dass es die unangenehmsten, widerwärtigsten Haltungen sind, die ich wir! am Meisten brauchen, so könnte ich doch vielleicht auch in der Arbeit, die ich einfach.nicht.erledigen.will einen gewissen Grad an Freude, ja Begeisterung, und Bereicherung entdecken? Jedenfalls flüstert mir das eine leise Stimme zu, während mein Kopf gerade Dampfkessel-ähnliche Geräusche im Wechsel mit beschleunigenden Platzpatronen-Staccati von sich gibt und bald wieder zu implodieren droht wenn ich nicht Jetzt. Sofort. mit dem vielen Arbeiten aufhöre.

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