unverzeihlich?


Die Frage, auf die mich meine Selbstzerstörungsaktion von letzens gebracht hat ist die:

„Was scheint mir so unverzeihlich?“

An mir. (Und letztendlich an anderen, ist ja alles gespiegelt hier.)

Erika meinte in ihrem Kommentar, sie hätte den Schlag ins eigene Gesicht (erfolglos) daheim nachzustellen versucht. Der Gedanke hat mich zum Schmunzeln gebracht (weil ich ihre Motivation nachvollziehen kann). Aber diese Form der Selbstbestrafung ist auch bei mir eine Facette, die nur in Extremsituationen ans Licht kommt.

Was an mir bringt mich also an den Rand der Selbst-Achtung, so dass ich drüber kippe?

Es sind Augenblicke, in denen mein Handeln negative Folgen für andere hat. Dass ich einen „Unsinn“ mache und auch die unangenehmen Konsequenzen davon zu tragen habe, das macht mir nichts aus.

Aber ich kann mich nicht mehr mit mir selbst identifizieren, wenn andere (scheinbar) leiden müssen, weil ich etwas Unkluges getan habe. Die Grenzen zwischen Fliege und Elefant sind auch hier fließend.

Es scheint eine Frage dessen zu sein, wieviel Platz ich mir zugestehe.

Gönne ich mir den Raum, mein Menschsein mit seiner naturbedingten „Fehlerhaftigkeit“ auch anderen zuzumuten?

Kann ich darauf vertrauen, dass vermeintliche Fehler ihren richtigen Platz haben und aufgefangen werden in dieser rätselhaften Matrix des Lebens?

Kann ich einen Mittelweg finden – meiner Unvollkommenheit mit Lernbereitschaft und Nachsicht begegnen?

Worauf mich eure Antworten noch gestoßen hat, ist die bedingungslose Liebe des Körpers.

Es erstaunt mich schon oft, was ein Körper alles auszuhalten bereit ist, damit seinem „Bewohner“ etwas klar wird. Natürlich ko-existieren die beiden nicht so getrennt voneinander, wie meine Wortwahl das ausdrückt. Aber unsere Körper sind der „tierischere“ Teil von uns in dem Sinne, dass sie erstens ehrlich, und zweitens so im Augenblick sind, dass sie uns jede Misshandlung sofort vergeben, wenn wir ihnen nur ein kleines bisschen entgegen kommen. Der Körper hat ein unheimlich genaues, aber kein nachtragendes Gedächtnis.

Ich habe angedeutet, dass meine Selbstzerstörungsaktionen immer konkreter werden, an die Oberfläche kommen.

Soll heißen: früher hab ich wesentlich mehr Zeit damit zugebracht, mich subtil zu boykottieren, z.B. durch Essen zur falschen Zeit, Arbeit zur falschen Zeit, Ruhe zur falschen Zeit, hassvolle Gedanken oder Worte. Das alles ist für mich eine Form der Selbstzerstörung/-verletzung. Und einige von euch haben ja über ihre eigene Form dieser Sabotage berichtet.

Ich bin dankbar, wenn jetzt diese sehr wörtliche Form der Selbstverletzung zu Tage tritt. Ich habe mir für die Fastenzeit ein mentales Fasten vorgenommen und der Gewaltakt gegen mich selbst und das Nachdenken darüber haben mich in jeder Hinsicht ein gutes Stück weiter gebracht.

Auferstehung bedeutet ja auch, dass alles zunächst ans Licht kommt, und dann ins Licht zu gehen. Vielleicht gilt es nicht, perfekter zu werden, wohl aber, heiler.

Eine Antwort zu “unverzeihlich?

  1. Aloha!
    Deinen Post zum Thema Selbst-Bestrafung werde ich vermutlich die nächsten Jahrzehnte nicht mehr vergessen – er war sehr beeindruckend. Danke für deine Offenheit. Beim Lesen schwankte ich zwischen höchstem Erstaunen und Lachen über unser aller „Ver-rücktheiten“ als Mensch .
    Seitdem habe ich manches Mal gedacht, wie wir wohl aussähen, wenn wir alle unsere Selbstbestrafungs-Mechanismen weniger subtil und dafür so radikal und sichtbar wie du kürzlich ausleben würden. Das sieht dann etwa so aus wie in einem Asterix-Comic kurz nach der Schlacht …
    Neulich traf ich nochmal irgendwo auf die Mär über Buddha, der am Vorabend seiner Erleuchtung unter dem Bodhi-Baum nochmal von all seinen Dämonen angefallen wurde – und auch dieses Bild fiel mir beim Lesen deines Posts ein (mal abgesehen davon, daß die Vorstellung von Erleuchtung ein Schmarrn ist – aber das ist andere Baustelle …).
    Ich bin sehr froh, daß du nicht heilig bist.
    Und völlig in Ordnung bist du sowieso.
    Deine Geschichte fand ich sehr heilsam.
    Allerliebste Grüße,
    Sati

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