dienstags-träumereien :: „Der Bach fließt aufwärts“, sagte das Klavier – „Noch Milch in Ihren Kaffee?“ antwortete die Oboe


Eine Sammlung seltsamer Schlaferlebnisse: Dienstags-Träumereien

Wo hab ich nur diese Geschichte gelesen von einem Mann, der im Drogenrausch die vollkommene Erleuchtung erfuhr? Keine Ahnung – jedenfalls geht die Geschichte so: dieser Mann begriff in einem tief bewegenden Augenblick der Erkenntnis den Sinn des Lebens, schaffte es grade noch, seine Offenbarung auf ein Stück Pizzakarton zu kritzeln und als er am nächsten Tag wieder draufblickte stand da: „Das Leben IST.“

Das passt sehr gut zu einer kürzlich erlebten Ernüchterung:

Gelegentlich lege ich mich nämlich zu einer CD (oder gar Schallplatte) aufs Sofa und wenn ich dann in den Halbschlaf hinüberdämmere, kann es vorkommen, dass ein Schalter in meinem Hirn kippt und ich die Melodien verschiedener Instrumente als gesprochene Sätze höre (ich nehme keine Drogen). Diese Sätze haben nichts gemein mit den üblichen Bild- und Gefühlsassoziationen die man beim Musikhören so haben kann – nein, meine seltsame akustische Täuschung äußert sich als gesprochene deutsche Sätze, deren Sprachmelodie sich offenbar an der Musik orientiert.

Meist bin ich dann sofort wieder hellwach, versuche mich – vergeblich – an die geheimnisvollen Botschaften der Instrumente zu erinnern und ärgere mich über die Flüchtigkeit dieses Phänomens. Es scheint mir immer, dass ich vielleicht die tiefere Botschaft der Musik empfangen hätte, oder etwas ähnlich Mystisches.

Und jetzt ist es mir doch tatsächlich gelungen, die Instrumentalplauderei zu channeln. Lauschte gestern Rachmaninovs Klavierkonzert Nr. 3, und im 2. Satz sprach das Klavier zwischen 6’13“ und 6’18“ zu mir.

Und was sagte es, in schnellerwerdenden Quartsprüngen? „Ich will, ich will, ICH WILL, ICH WILL!“ Und danach verstand ich nichts mehr.

Ähnlich ernüchternd auch die zwei weiteren gechannelten Botschaften, die ich im Posttitel untergebracht habe. Aus demselben Klavierkonzert, konnte sie aber leider nicht mehr zuordnen…

***

Ganz andere akustische (Ent)Täuschungen erfuhr ich als kleines Mädchen, als die beginnende Vertiefung meiner Englischkenntnisse für einige Verwirrung sorgte, was die Texte meiner Lieblingslieder anbelangte. Da gab es zum Beispiel den Schmachtfetzen „I just wanna hang around you“ von George Benson (in den ich ein klitzekleines bisschen verliebt war).

Dieses Lied liebte ich gerade wegen seiner absolut schmalzigen, schmachtenden Synthie-Begleitung, die dazu einlud, in dicken Socken über das Wohnzimmerparkett zu rutschen – hörte sich ein bisschen an wie jaulende Katze mit Zuckerguss.

Nun übersetzte ich mit besagten, noch recht unbedarften Englischkenntnissen, den Titel des Liedes korrekt als: „Ich möchte nur um dich herumhängen“. Seltsam schien mir das schon, aber die triefende Synthie-Begleitung schien mein inneres Bild nur zu bestätigen. Es stellte sich also heraus, dass George Benson sich danach verzehrte, wie ein nasser Fetzen um den Hals seiner Herzensdame herumdrapiert zu werden. Uncool, irgendwie… Und die Verliebtheit war plötzlich auch verflogen.

Fazit: manchmal ist es besser, nix zu verstehen.

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2 Antworten zu “dienstags-träumereien :: „Der Bach fließt aufwärts“, sagte das Klavier – „Noch Milch in Ihren Kaffee?“ antwortete die Oboe

    • It’s amazing, isn’t it? I haven’t had the chance to hear it live yet – and I’m not counting my father’s performances in our living-room that were always accompanied by torrents of curses and swear-words; increasing in volume as the notes on the sheet got more and more dense… So, yes, I heard a lot of F-words when I was small, thank you, but at least there was classical music in the background.

      But what I’m I talking about here?! This post is actually about a weird acustic phenomenon happening to me from time to time when I fall asleep while listening to music. Sometimes I hear the instruments ’speaking‘ to me in actual, full-length German sentences. Until a few days ago, I never managed to pull these messages into waking consciousness. So, lying on the sofa, I could hear the piano ’speak‘ between minutes 5:56-6:02, and it said: I want, I want, I WANT I WANT!!! …

      aha.

      (And if you don’t hear from me for a few days – I guess it’s because the guys from the looney bin will have come to check me in pronto…)

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