Es ist vollbracht


Seit Ende letzter Woche bin ich akademisch betitelt und um einen Zentner kunstgechichtlicher Hirnknoten erleichtert. Jetzt versuche ich zu vermeiden, dass ich mir diesen Zentner von den Menschen um mich herum wieder aufgebürden lasse, und zwar aufgrund der ungemeinen Gewichtigkeit, die in Österreich der akademischen Betitelung beigemessen wird, und sei es nur ein läppischer „Magister“ – pardon, „Magistra“ heißt das in meinem Fall.

Statistisch gesehen werden jetzt also meine E-Mails im Schnitt 2 Tage früher beantwortet werden, wenn ich mein Mag.a in der Signatur unterbringe – mit diesem neuen sozialen Status muss ich erstmal klarkommen; mich in der Höhenluft sozusagen akklimatisieren. Insbesondere da ich als Tochter zweier Menschen, die es auf den Tod nicht ausstehen können, mit Knicks und Kratzfuß umschwirrt zu werden (sie sind mehrfach akademisch betitelt), den Stolz auf diese universitären Prädikate nicht gerade mit der Muttermilch aufgesogen habe.

Meine erste „Amtshandlung“ als Mag.a phil. war das Entwerfen meiner diversen Yoga-Unterrichtsmaterialien (Info-Folder, die Stunden-Blöcke, Stempel, etc. pp.). Darauf habe ich mich hufescharrend schon die vielen Wochen vor meiner Diplomprüfung gefreut – endlich frei zu sein für meinen Leib- und Seelenberuf!

Und genau so fühlt es sich an. Frei.

Aus einem stockfinsteren Wald zu kommen, den ich nur mit einer leisen Ahnung des Weges betreten hatte, ohne Licht, ohne Kompass …

nachdem ich unzählige Male an meinem Verstand gezweifelt habe –

„… unmöglich; es ist unmöglich, es gibt keinen Weg und ich war verrückt, hier überhaupt hinein zu marschieren!“

hanuman

Hanuman wagt gewaltige Sprünge.

Und das alles nur bedingt auf das Studium bezogen; das gesamte Jahr 2009 war auf allen Gebieten eine einzige, riesige Baustelle:

Eine Diplomarbeit, deren Thema dem Großteil meiner Umwelt und mir selbst schwer zu bearbeiten schien (vgl. das Bild vom Spaziergang im stockfinsteren Wald, auf der Suche nach einem begehbaren Pfad),

die Trennung meiner Eltern, die schwelende, jedoch lange vergessene Wunden aufgerissen hat,

und vor allem eine tiefe, tiefe Krise mit meinem Lebkuchenmann, die mich über 6 Monate lang dazu zwang, mich allen – aber auch wirklich allen! – schmerzhaften Bedürftigkeiten, verdrängten Trugschlüssen, verkehrten Selbstbildern, zu widmen, die sich in einem Vierteljahrhundert so ansammeln (ohne die Vorleben mitzuzählen, hehe).

Die Diplomarbeit ist ein voller Erfolg geworden, und kommt, wenn ich den Antrieb habe sie nochmal zu überarbeiten, evtl. sogar zwischen „richtige“ Buchdeckel;

die Trennung meiner Eltern hat mir geholfen, im besten Sinne erwachsen zu werden und mich in vielem bekräftigt, was ich in den letzten Monaten über Beziehungen und Verantwortung gelernt habe;

und ich bin zu einer ‚echten Frau‘ geworden, die bereit ist, sich auf einen ‚echten Mann‘ einzulassen; die Liebe empfangen und geben kann, ohne etwas zurückzuhalten – keine Prinzessin mehr, eine Königin.

Ich bin glücklich, richtig glücklich. Und mit einer Seelenruhe ausgestattet, von der ich nicht wusste, das sie möglich ist.

Es lohnt sich, nur nach den inneren Sternen zu navigieren und ahnungslos in dunkle Wälder zu stiefeln; kurzum:

alles zu wagen und von der Klippe zu springen.

~*~

Übrigens: meine Jahreskarte 2008-2009 (jeweils ab Geburtstag im August) war: Der Tod. Wer hätte das gedacht?…

2 Antworten zu “Es ist vollbracht

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