Dienstags-Träumereien ::: Ich muss schon mal gestorben sein …


Eine Sammlung seltsamer Schlaferlebnisse: Dienstags-Träumereien

Dieses Wochenende las ich in meiner Yoga-Pflichtlektüre (ha! wenn Pflicht immer so schön wäre …) eine sehr interessante Passage zu den drei Erfahrungsebenen des Menschen: Wachzustand, Traum, und Tiefschlaf.

Es ging um die Verbindung dieser drei Ebenen zur universalen Silbe ॐ (OM – AUM). Nach den Lehren des Vedanta birgt OM alle Sprachen die gesamte Welt in sich. Die indische Philosophie sieht eine enge Verbindung zwischen Gedanken, Wahrnehmung, Sprache und der Welt.

A – der Anfang – beschreibt den Beginn der Lautskala; die Materie und die Welt der grobstofflichen Sinne, die im Wachzustand erlebt wird.

U – die Mitte – beschreibt die Welt des Traums und der Seele, und die sogenannte astrale Ebene.

M – das Ende – beschreibt das Unbekannte, den Tiefschlaf, und alles, was sich den Fähigkeiten des Intellekts entzieht.

Der Vedanta berücksichtigt Informationen aus allen drei Erfahrungsebenen.

Das heißt, in der vedischen Philosophie (zumindest in der Strömung, mit der ich mich gerade befasse), wird dem Wachzustand nicht mehr oder weniger „Wahrheit“ zugestanden, als den anderen beiden. Das ist eine ganz andere Herangehensweise, als etwa bei der (westlichen?) Traumdeutung, bei der Träume nur insofern Ernst genommen werden, weil ihre Botschaften uns im „wahren wachen Leben“ weiterhelfen können.

Der Vedanta meint: da die Welt, die wir im Wachzustand erleben, auf den beiden anderen Ebenen Traum und Tiefschlaf mehr oder weniger vollständig verschwindet, kann das Wachsein so real nicht sein.

Was ist also wahr? „Der Beobachter all dieser Zustände“, sagen die vedischen Philosophen.

Bild 1 *

Und, liebe Leute, das hab ich bestimmt schon tausend Mal gelesen, und tausend Mal dazu genickt, aber dieses Wochenende, mit dem Wälzer auf den Knien, dem Heißgetränk in der Rechten, dem Schreibgerät in der Linken, hat irgendwas eingerastet.

Eine Erinnerung kam hoch.

So diffus wie ein Traumgebilde, aber wesentlich hartnäckiger – „echter“ eben.

Es war eine Erinnerung ans Sterben. Besser gesagt: an ein Erwachen.

Ich denke oft ans Sterben, besonders im Winter. Das gefällt mir. Ich stelle mir vor, wie ich daliege, ganz entspannt, einen tiefen Einatem nehme, mich sammle, ausatme, durch meine Poren hinaus entfleuche, und plötzlich sehr klar und deutlich sehe.

Bild 2 **

Eben das war meine Erinnerung: aufzuwachen, hinauszusteigen aus der Illusion eines Körpers – kein Pulsschlag mehr, dafür nur unendlicher Raum, unendliche Ausdehnung. Kein Atem mehr, dafür durchflutet-Sein. Kein Ich mehr, sondern ein Wir. Keine Gedanken, dafür Licht.

Ich bin eine Seele, die gerade träumt, dass sie wach ist.

Das hat mich das ganze Wochenende über beschäftigt. Jetzt ist es offiziell: es wird gerade Winter, denn nur in dieser Jahreszeit bin ich so durchlässig fürs „Vergehen“. Lange hat mir diese Phase im Jahr Angst gemacht, jetzt macht sie mich neugierig. Wieviele Jahrzehnte wird mein Traum noch dauern?

Was werde ich erkennen (oder was mich), wenn ich wieder aufwache?

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Bild 3 ***

* Das ist das Haus meiner Familie in Frankreich. Habe dort Zeit meines Lebens durchschnittlich 2 Monate im Jahr zugebracht, manchmal mehr. Das ist DAS Haus meiner Träume. In manchen Nächten entdecke ich dort neue Räume, manchmal zerfällt es, manchmal finde ich Teile davon auf entlegenen Bergspitzen wieder, manchmal steige ich in eine Höhle hinunter und lande in unserer geräumigen alten Küche. Manchmal laufe ich durch die langen Gänge, als wären sie Hängebrücken im Amazonas.

Wenn ich von meinem Zuhause träume, dann nie von unserem Haus in Österreich. Immer nur das hier.

** Die Abtei von Fontenay in Burgund. August 2008, mit dem Lebkuchenmann. Was mich an dieser Gegend berührt hat, ist das hartnäckige Gefühl, „schon mal hier gewesen zu sein“. So geht es mir auch in Prag – dauernd liegt mir die Erinnerung auf der Zunge, „nur noch um eine Hausecke gehen“, denke ich, „dann fällt mir alles wieder ein.“ Es ist wirklich, als würde ich durch einen Traum spazieren.

*** Schloss Fredensborg in Dänemark, Ostern 2007. Im Schlosspark hatte ich eine sehr interessante „Wachbegegnung“ mit dem Bild aus einem Traum. Soll heißen: ich stand live vor einer Landschaft, von der ich so schon mal geträumt hatte. Dabei war ich nie in Dänemark. Sehr lustig fand ich meine Reaktion auf dieses Déja-vu mit meinem Traum. Könnt ihr hier nachlesen.

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