Startschuss für den Gruppenunterricht


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"Sternengucker" - Museum Kykladischer Kunst, Athen

Ich bin seit einigen Tagen wieder in Österreich.

Während ich noch die Geschehnisse der letzten Wochen verdaue (siehe letzter Post), hat bereits mein nächstes Abenteuer begonnen, denn langsam wird es ernst mit dem offiziellen Yoga-Unterricht. In meinem Übungs-Raum habe ich für die gesamte Woche verschiedene Schnupper-Einheiten gestaltet…

Das Spannende ist ja, dass ich bei dieser Arbeit mich selbst und auch Yoga von einer völlig neuen Seite erleben darf.

Meine größte Freude ist es, die anderen klassischen Yogas, die wenig mit Körperübungen und dergleichen zu tun haben (Bhakti, Karma, Jnana …) ins Hatha-Yoga hinein zu verweben, und sogenannte „höhere Prinzipien“ (wie … Hingabe … Gnade … oder das Spiegelprinzip) anhand des Körpers sicht- und erfahrbar zu machen.

Es ist ja wirklich alles eins. Das heißt – ich kann konkret an meinem Körper und dem anderer beobachten, wie abstrakte Prinzipien funktionieren.

Das Leuchten in ihren Augen, wenn ein übergeordnetes Prinzip zur konkreten, bereichernden Erfahrung in ihren Körpern wird … die Erfahrung, dass unser aller Leben stabil in etwas Größeres eingebettet ist … das ist mein Lohn.

Und es scheint zu funktionieren! Es kommt von Herzen, und kommt in den Herzen an. Viele leuchtende Augen!

Auch sehr spannend sind die Veränderungen in meinem Leben als Yoga-Schülerin.

Meine Schüler geben mir noch mehr Anlass, zu forschen und zu fragen. Jeder, der zu mir kommt, öffnet mir ein anderes Türchen in 5000 Jahre Tradition hinein. Eins, das ich alleine einfach nicht finden würde.

Meine eigene Yoga-Praxis hat sich in den letzten Tagen völlig gewandelt. Ich denke, dass es nicht immer so sein wird, aber im Augenblick zumindest ist meine Forschernatur noch akribischer als zuvor. Habe ich vorher das Gebiet, das ich in jeder Einheit betreten habe, nur ungefähr skizziert, entsteht jetzt eine sehr sehr genaue Karte davon. Es fasziniert mich, wie aufmerksam ich werde, wenn ich weiß, dass ich meine Erkenntnisse über den Körper nutzen werde können, um anderen mehr Möglichkeiten aufzuzeigen. Wenn ich auf der Matte bin, achte ich auf völlig andere Dinge; Rhythmus und Fluss sind ganz anders, ohne dass ich wirklich die Unterschiede erklären könnte.

Weil ich jetzt mehr mit Gruppen arbeite, bemerke ich auch, dass sich meine Verständnis/meine Vorstellung vom Unterricht selbst wandelt. Meine Aufgabe wird mir selbst deutlicher.

Meine Absicht ist, einen geschützten Raum zu schaffen, in dem die Menschen die zu mir kommen, in tiefe Schichten ihres Wesens absteigen können.

Yoga ist wirklich kein Wellness – es kann schon unangenehm werden, wenn man plötzlich seinen schwärzesten Dämonen gegenübersteht. Es können Tränen kommen (nach einiger Zeit dann meist der Freude).

Meine Aufgabe ist es, die Energie meiner Erfahrungen in die Einheit zu legen – die Erfahrung, abzusteigen, Abgespaltenes zu bergen und zu integrieren. Wie jede/r einzelne das umsetzt, ist sein/ihr ganz persönliches Yoga. Diese individuellen Wege empfange ich wiederum als Erfahrung von den anderen.

Meine zweite Aufgabe ist es, in Fühlung mit dem Geist der Gruppe zu bleiben, auf ihn zu reagieren, auf seiner Welle zu reiten sozusagen, und ein sensibles Wechselspiel  zwischen Lenken und Folgen aufrecht zu erhalten.

Mir ist aufgefallen, dass meine Ausbildung eigentlich hauptsächlich dazu dient, dem Geist der Gruppe möglichst viele Ausdrucksmöglichkeiten zu bieten.

Das ist zumindest der Idealzustand. In dem ich mich oft befinde, gelegentlich auch nicht.

Und am häufigsten muss ich mich noch selbst daran erinnern, wie viel Spaß ich bei dieser Arbeit habe. Ich bin meist so derart konzentriert und gesammelt, dass ich einfach vergesse, darauf zu achten…

Jetzt hab ich einen Tag frei, bevor’s am Wochenende wieder rund geht. Tanke heute auf mit Spaziergang im Schnee, Kuchen im Kaffeehaus und ein paar sehr lieben Menschen.

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