Samtosha und Krankheit


Als mich heute zu Mittag eine plötzliche Übelkeit mit Hitzewallung überkommt, muss ich an das „Tao der Krankheit und Gesundheit“ denken.

Prinzipiell können Krankheit und Gesundheit als einander bedingende Faktoren betrachtet werden. Also nicht indem wir sagen, Krankheit ist Abwesenheit von Gesundheit, oder Gesundheit bedeutet Abwesenheit von Krankheit.

In der Krankheit ist bereits der Kern der Gesundheit angelegt, und umgekehrt. Krankheit ist ein Bemühen des Körpers um Balance. Solange wir überhaupt krank werden können, zeigt das an, dass der Körper genügend Reserven hat, uns wieder in die Balance zu bringen.

Alles im Leben braucht Energie, auch Krankheit. Wenn der Körper zu wenig Energie hat, kann er auch keinen Schmerz signalisieren. Deshalb gibt es den sogenannten „Heilschmerz“, wenn wir aus der Unterenergie wieder in einen Bereich kommen, in dem der Körper eine Imbalance melden kann. – So lauten einige Kernaussagen aus dem Buch von Kim da Silva, das ich im letzten Beitrag erwähnt habe, und das mich seit einiger Zeit begleitet.

Als ich heute also einen plötzlichen Krankheits-Schub verspüre, passiert mir was ganz Neues: ich drehe nicht durch. :) Nicht mal ein bisschen. Stattdessen verspüre ich Dankbarkeit.

Zum Beispiel, dass mein Körper so schnell auf die Imbalance reagieren kann, und dass unsere Kommunikation mittlerweile so gut ist, dass ich bloß kurz eine Runde vor die Tür gehen und eine Unterhaltung mit ihm führen muss, damit die Übelkeit wieder verschwindet.

„Was wird denn grade zuviel?“, frage ich.

Und eigentlich hab ich’s eh schon vor ein paar Tagen gemerkt, und heute Früh besonders: mein Hirn fährt Karrussell momentan.

Dagegen hab ich ja prinzipiell nichts einzuwenden, denn es zeigt mir mit großer Deutlichkeit, wie sehr ein „ungebündelter Geist“ meine Energie verschleudert.

Das ist auch etwas Neues: diese Toleranz einer Imbalance gegenüber:

Ich habe mal festgestellt, dass mich das oft beliebte psychologische Ausdeuten einer Krankheit sehr unter Druck setzt. Nach dem Motto: jetzt bin ich krank – was hab ich da schon wieder übersehen, wo hab ich mich nicht entwickelt? – etc.

Jetzt merke ich, dass ich seit einigen Tagen Schwierigkeiten habe, länger als gefühlte 10 Sekunden im stress-freien Tempel des Augenblicks zu verweilen. Ich wache auf und renne schon im gedanklichen Hamsterrad. Ich spüre sofort, wie mir das die Energie abzieht, aber zugleich erlebe ich eine große Gelassenheit diesem nicht so idealen Zustand gegenüber.

So entsteht für mich auch ein neuer Zugang zum Begriff Samtosha, einem der fünf Niyamas (Verhaltensregeln, die alle Yoga-Strömungen gemeinsam haben).

Samtosha bedeutet soviel wie Bescheidenheit, Zufriedenheit.

Zur Zeit erlebe ich, dass in mir anscheinend genügend Gesundheit vorhanden ist, um auch eine Krankheit oder Beschwerde anzunehmen. Im Kern meiner geistigen Zerstreutheit und Erschöpfung sehe ich bereits den Samen der Klarheit.

Das gibt mir Freude; Heilung.

Wieder zu sehen: es gibt kein Entweder-Oder; kein Krank-oder-Gesund.

Es gibt nur ein großes, umfassendes UND, und je mehr ich mich in das Wesen des Verbindenden hinein begebe, desto heiler werde ich.

Eine Antwort zu “Samtosha und Krankheit

  1. Grüss Gott Lily, (dieses Lily schreib ich immer wieder gern)

    das hat also Frau Neumann damit gemeint als sie mir sagte: Ihre Krankheit ist Ausdruck ihres Gesundseins. Danke für die Erklärung.

    Liebe Grüsse//Erika

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