Platz, jetzt.


Bis vor einigen Tagen noch bin ich eine Zeit lang jede Nacht schweißgebadet aufgewacht – Gedanken im Hamsterrad:

„Ich werde keine neue Arbeit finden, meine Wohnung verlieren, unter der Brücke landen, verhungern! … „

Die Wahrheit ist: ich habe mich tatsächlich mit einem sehr locker geknüpften Sicherheitsnetz in mein neues Leben hinaus gewagt. Alles ein paar Mal durchgerechnet, und dann einfach ins kalte Wasser gesprungen.

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Nun machte ich inmitten dieses Affentheaters in meinem Kopf aber die sehr beglückende Erfahrung eines alles unterströmenden Vertrauens.

Ich habe plötzlich den Mut, das WIE  in meinem Leben nicht länger bestimmen zu wollen, und zwar besonders in den Umbruchphasen.

Wenn jede Sorge und jedes Problem eigentlich nur Formen meiner Selbstbestrafung sind,
dann ist es tatsächlich ein Akt der Selbst-Liebe, mit dem Zittern und Bangen aufzuhören und meinen Platz im Leben gänzlich einzunehmen.

Ich stelle im Nachhinein fest, dass ich irgendwie nicht ganz da war: die Welt „da draußen“ als grundsätzlich bedrohlichen Ort wahrzunehmen, war eine Möglichkeit, mich nicht voll zu investieren; mich nicht voll auf mein Da-Sein hier und jetzt einzulassen. Die Hintertür blieb offen.

Existenzängste sind letztlich mein Missverständnis: dass ich versehentlich hier „gelandet“ sein könnte und meine Lebensberechtigung daher nur temporär bestehen bleibt – ich sie also jeden Augenblick, wie zufällig, wieder verlieren könnte.

Das Resultat: ein Halb-Leben. Mit einem Fuß stand ich in meiner Existenz, während der andere nach dem tastete, was mich tragen würde, sollte ich meinen Platz auf dieser Erde verlieren.

Aber ich bin nun mal geboren, ich bin eben hier. Und jetzt überwiegt mit einem Mal die Lust, mein Leben zu packen und auch den zweiten Fuß hinein zu stellen.

PLATZ & RAUM sind derzeit Schlüsselworte für mich: es geht mir darum, zuhause zu sein in dieser Welt, in diesem Leben. Meinen Raum auch wirklich zu beanspruchen: genügend Platz, um zu atmen, um mich zu entfalten, um mich zu erholen, um mich einzubringen. Genügend Raum, um mich so mitzuteilen, wie es mir wichtig ist.
Raum, um Reichtum zu empfangen. Raum, den Reichtum weiter zu geben.

In diesem neuen Raum verändert sich allmählich auch mein Körper, seine Struktur und Ausrichtung. Ich stelle fest, dass mein Kopf zur Zeit gerne ein wenig nach hinten rückt und dass Becken und Beine sich ebenfalls in die Mittellinie bewegen:
Es ist, als ob mein Körper selbst in die Gegenwart zurückkehren würde.

Und in dem Maße, in dem ich mir diesen Platz zum Leben gebe und mich hineinstelle, erkenne ich, dass immer schon, längst schon, andere Menschen einen Platz für mich bereitet haben.

Ich bin berührt, weil ich jetzt erst sehen kann, dass es Menschen gibt, die meine Gegenwart tatsächlich schätzen, die mich mögen und in ihrem Lebensraum auch Platz für mich machen – es ist verrückt :)

Da gibt es Kinder, die vor Vorfreude nicht einschlafen können, weil sie wissen, dass ich spät nachts noch zu Besuch komme
und mir dann todmüde, aber mit einem sonnigen Lachen in die Arme laufen.

Da gibt es Freunde, für die es einen Unterschied macht, ob ich da bin oder nicht,
eine Familie, die an mich denkt und mir vertraut.

Es gibt Fremde, die mir sagen, dass mein Lachen ein Geschenk ist.

Und es gibt einen Mann, der in mir nach Hause kommt…

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