Wohin der Wind mich trägt – Reisen, schreiben und den Krug zum Brunnen tragen, bis er bricht


War in Lyon, bei meinem Bruder.

Bruderherzens Frühstück für mich - Croissants waren verputzt, bevor der Fotograf in Aktion treten konnte

Habe Geschichten ausgebrütet.
Jetzt sitze ich wieder beim Schreiben,
mit ungewohnter Freundlichkeit und Nachsicht.

Ich lasse schreiben,
bemühe mich, die ätzende Stimme links oben im Schädel plappern zu lassen
und gönne dem zarteren Selbst immer wieder neue Anläufe,
seine Geschichte zu erzählen.

Es muss nichts Exzellentes herauskommen, sage ich mir.
Hauptsache, die Dinge werden verdaut.

Ich suche diese äußerste Tiefe,
aus der das kommt,
was ich wirklich sagen möchte.
Noch sehr zögerlich, recht stockend,
aber Anlauf um Anlauf halte ich den Kurs besser.

Z'haus

Es ist eine Körpererfahrung!
Und wenn ich zurückdenke,
dass ich vor Jahren noch als grober Block auf die Yogamatte trat
und heute die feinsten Zwischentöne herausmeißeln kann,
dann gibt es mir Zuversicht.

Mit Körperdingen kenn‘ ich mich schließlich aus.
Ein paar Jährchen bloß,
dann steht bestimmt am Papier,
was wirklich dort stehen soll. :)

So wie jetzt, als ich versuche,
die Verfahrenheit mit dem Teilzeit-Liebhaber dorthin zu bannen.
Es wird eine Geschichte über Faune und Fisch,
und dass es tatsächlich Gründe gibt,
auf letzteren eifersüchtig zu sein.

Aber mehr darf ich noch nicht sagen,
sonst streikt das zarte Seelchen, das die Feder führt.

Ich lese Rilkes Briefe an einen jungen Dichter
und bin ergriffen vom großen Trost, den seine Worte auch mir spenden.
Ich darf verwickelt sein,
voll Fragen und ungelösten Dingen;
darf aber auch meinem Urteil vertrauen,
weniger streng sein gegen mein Drängen,
zu schreiben und etwas Lebendiges ans Licht zu bringen.

Ich lebe richtig, ich lebe so wie ich.
Und das ist Grund genug zur Freude.
Erleichtert erinnere ich mich, dass Schmerz unvermeidlich ist.

Ich möchte in die Weisheit der Ungewissheit hinein erwachen –
vielleicht gelingt es eines Tages.

Zentaurin entführt feschen Faun

Währenddessen ist der Teilzeit-Liebhaber meine dunkle Muse.
Er löst Knoten und knüpft mir gleich neue Rätsel.
Gelegentlich keimt mir Hoffnung – hartnäckige Unvernunft!

Jedenfalls bin ich nach jeder unserer Nächte
für Tage und Wochen am Sterben und Gebären.
Aber trittsicher und unbeirrt geht das Kind erneut ins Feuer,
trägt er meinen Krug wieder zum Brunnen.

Der Mann liebt mich, taktlos und ungalant.
Aber was für eine Liebe,
wenn er genau die Tropfen schenkt,
die das Fass der Worte endlich zum Überlaufen bringen.

2 Antworten zu “Wohin der Wind mich trägt – Reisen, schreiben und den Krug zum Brunnen tragen, bis er bricht

  1. Dunkle Muse klingt sehr anregend … ebenso wie Zentaurin und Faun. Es gibt eben soviele Schichten.
    Ein sehr schwingungsstarker Beitrag, danke, Sati

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