Geschwister


Ich hatte jetzt schon mehrmals das neuartige Erlebnis, auf der Straße „Geschwistern“ zu begegnen.

Vor ein paar Tagen auf dem Weg zur Arbeit stand an der Bushaltestelle ein Mädchen, das mir sympathisch war, ohne dass ich das Bedürfnis hatte, sie anzusprechen. Es war eben, als ob ich eine Schwester vor mir hätte und lustigerweise hat sie sich im völlig leeren Bus direkt neben mich gesetzt.

Da saß sie also neben mir und ich entspannte. Da erst fiel mir auf, wie abgeschottet ich normalerweise auf so einer Öffi-Fahrt neben einem Fremden bin. Diesmal keine Spur davon; es war warm und heimelig, voller Wohlwollen und lieber Wünsche für sie – obwohl wir uns nie angesehen haben.

Es war fast, als strahlte unser Geschwistertum als angenehme Hitze zwischen uns, wie zwei Heizkörper.

Und ich erlebe immer mehr von dieser Verbundenheit, je mehr ich mich getraue, meinen Mitmenschen in aller Herzlichkeit auch mal den Mittelfinger zu zeigen. Hab meinen Schatten viel zu lange unter den Scheffel gestellt…

Das war wohl die Lektion des Teilzeit-Liebhabers – den ich als den liebenswürdigsten Schuft beschreiben möchte, der mir je begegnet ist. Und den ich gerade deswegen so herzlich liebe – als dunklen Bruder.

Den ich übrigens wieder aus meinem Bett verabschiedet habe.

Ich war bereit, mich tiefer zu verbinden – und unser Band war gelöst.

Die Reise geht weiter. Die Liebe bleibt.

2 Antworten zu “Geschwister

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