Aquilegia – Zart, mit tiefen Wurzeln (und ein langer Post dazu)


Darüber konnte ich im letzten Post nicht schreiben, obwohl es aktuell war. Aber noch viel zu frisch:

Ich bin einem schönen, neuen Menschen begegnet. Ich nenne ihn den Mann mit der Akelei.
Oder: den wandelnden Beweis dafür, dass das Leben verdammt schnell antwortet.

Ranunculaceae - Aquilegia chrysantha

Ranunculaceae - Aquilegia chrysantha. Aus: The native flowers and ferns of the United States in their botanical, horticultural, and popular aspects by Thomas Meehan.

Die Episode mit dem Teilzeit-Liebhaber führte dazu, dass ich irgendwann bereit war für größere Berührbarkeit und Verbindlichkeit.
Ich musste mir gegenüber treu und ihm gegenüber ehrlich bleiben. Er wollte und konnte sich nicht tiefer einlassen, und wir waren auch nie dafür gemacht.

Also habe ich mir mein Bedürfnis ebenso eingestanden, wie dessen Unerfüllbarkeit mit diesem Mann.
Es war ein bisschen wie Entzug zu gehen: schöne Träume aufzugeben, wenn doch noch ein Fünkchen Hoffnung besteht, dass sie in Erfüllung gehen könnten.

Dann habe ich Danke gesagt, mich verabschiedet und bin gesprungen. Alles innerlich, übrigens. Er hat’s aber anscheinend gespürt und sich nicht mehr gemeldet.

Ich schrieb damals zu meinem freien Fall:

Ich habe geglaubt, ich könne einen Gefährten finden und lieben, aber jetzt erkenne ich deutlicher als zuvor, dass es die ganze Menschheit zu lieben gilt ohne Unterscheidung, und dass ich all-ein bin. Wahrscheinlich ist es eine frohe Botschaft – dieses: „Alles ist in Dir!“ Aber ich sehne mich noch nach einem Mann, weil ich das „alles in mir“ nicht hinreichend spüre. Und weiß bereits, dass meine Sehnsucht im Außen nicht erfüllt werden wird. Also ist dieses „alles in mir“ noch eine Botschaft des Verzichts und der Entbehrung. Ich bitte „Gott“ (dieses Göttliche in mir), sanft mit mir zu sein. Ich bin bereit, zu gehen, zu stolpern, wieder aufzustehen.

Kurze Zeit darauf fahre ich mit Freunden nach Bayern zur vermutlich besten Spontan-Entscheidung meines Lebens: einem Schwitzhütten-Ritual mit Dancing Thunder (Häuptling der Susquehannock/Florida). Wir holen auf halber Strecke den Freund eines Freundes ab.

Ranunculaceae - Aquilegia formosa

Ranunculaceae - Aquilegia formosa. Aus: Flore des serres et des jardins de l’Europe by Charles Lemaire and others.

Den „Zugestiegenen“ erkenne ich. Er ist auch grade gesprungen, hat gerade losgelassen. „Hallo, Geschwister“, sag ich am Feuer zu ihm, „Du bist doch auch unterwegs zu neuem Boden unter den Füßen…“ Er lächelt und irgendwie werden die Dinge plötzlich stabiler.

Am nächsten Tag wird Holz geschlichtet; die Schwitzhütte vorbereitet. Wir gehen unter jungen und alten Linden. Wir betreten die Gebärhöhle und finden unsere Medizin. Draußen hüten die Feuerwächter das Licht. Beruhigend. Neuer Boden unter den Füßen. Neues Leben, als wir wieder aus der Höhle kriechen.

Die Sonne war nie so schön. Ich falle bäuchlings ins saftige Gras, dankbar.

Ich mache noch Yoga in der Abendsonne. Als ich aufstehe, um mein Halstuch zu holen, liegt sie darauf: die Akelei.
Rosa, zart, zitternd im Abendwind.
Und der Mann dazu sitzt etwas weiter entfernt auf der Wiese.
Da rastet irgendetwas ein.

Und dem Teil, der nicht glauben kann, was da grade passiert, flüstert der Wind zu: „Folge den Zeichen.“

So ist das mit den Menschen, die wieder in ihr Ur-Programm versetzt werden. Die so sehr verbunden sind mit dem unbeweglichen Zentrum unendlichen Bewusstseins, dass sie Natur werden.

Für sie werden die Dinge wieder sehr schlicht. Sie hören die Steine, die Bäume, den Regen wieder sprechen.

Sie folgen den Zeichen.

Ranunculaceae - Aquilegia glandulosa - Aquilegia jucunda

Ranunculaceae - Aquilegia glandulosa - Aquilegia jucunda. Aus: Flore des serres et des jardins de l’Europe by Charles Lemaire and others.

Habe die letzten Wochenenden mit diesem schönen Mann verbracht, bei ihm, an ihm.

Lustig ist das, wenn zwei schon genügend erfahren haben, um zu wissen, dass sich der Mensch doch im Grunde immer nur selbst begegnet:

Diese zwei müssen sich immer wieder daran erinnern, ihr Verliebtsein ernst zu nehmen.

Sie müssen achtgeben, nicht schon Schwierigkeiten zu erschaffen, wo es keine gibt.

Sie dürfen das große „UND“ entdecken.
Für sich selbst zu stehen und Verbindung zu schaffen.

Sie dürfen mit Freude entdecken,
dass das große „Alles in Dir“ einen Gefährten nicht ausschließt.

~*~

Jetzt brennen drei Kerzen im Dom. Eine für ihn, eine für mich, eine für uns.

Gott wohnt nicht in der Kirche, aber die Stille.

Und davon brauch ich jetzt sehr viel.

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