Energie-Yoga. Ent-Werden und Kraft schöpfen


Eine einfache Yoga-Folge, um die natürliche Energieaufnahme des Körpers zu unterstützen und auszugleichen

Wenn es um ein Gefühl des Strahlens, Leuchtens,
der Lust am Leben geht,
fühle ich, dass der Trick vor allem in Sorgenfreiheit besteht.

Jawoll: ich bin überzeugt, dass sorgenfreie Gelöstheit und Vertrauen zuerst bestehen müssen
und natürliche Lebenskraft lediglich ein Folgeerscheinung derselben ist.

Wer hier schon länger liest, weiß, dass ich mich seit langer, langer Zeit mit dem Thema der Erschöpfung beschäftige.

Meine Recherchen in eigener Sache und für Schüler haben mich zu zwei Hauptursachen des Energiemangels geführt.

Zunächst:
Unser Körper ist grundsätzlich so „verkabelt“, dass er auf ganz natürliche Weise Kräfte sammelt.
Wenn wir uns unnatürlich müde fühlen, dann sind also die Leitungen unterbrochen, über die wir sonst von selbst auftanken würden.

Die Ursachen für diese Trennung vom natürlichen Energietank hat

.) einerseits mit mangelnder Wartung der Leitung auf physischer und energetischer Ebene zu tun und

.) andererseits mit einer zu starken Individualisierung des Menschen zu tun.
Ich meine damit den Prozess, in dem die notwendige Individuation (das Bewusstwerden eines in sich ganzen Ich) zu einer krankhaften Herausbildung des Ich auf Kosten der lebenswichtigen Verbindung mutiert.

Der ersten Ursache kann durch Körperarbeit sehr leicht beigekommen werden –
weiter unten Vorschläge –
was gleichzeitig auch die zweite Problematik lindern hilft.

Bevor allerdings Körperübungen ausgeführt werden,
ist es hilfreich zu erinnern,
dass es wenig darum geht, „unsere“ Energie aufzufüllen,
weil es nämlich so etwas wie „unsere“ Energie gar nicht gibt.

Ein Bild:

Was wäre, wenn gar nicht der Vogel sänge,
sondern der große Geist durch ihn?

Ich denke da an grenzen-befreite Mühelosigkeit;
einen Zustand des Vertrauens,
in dem die Dinge durch ein Wesen getan werden,
statt von ihm.

Das ist die Sorgenfreiheit, die ich vorhin erwähnt habe.

Und noch ein Bild:

Was wäre, wenn wir unseren Lebensregungen in allen Lagen lauschen würden
so wie wir das Spiel eines begnadeten Musikers hören,
durch dessen Klang wir einen größeren Geist wehen spüren?

Das Instrument wurde nicht gemacht, um als solches verehrt zu werden.
Es wurde erschaffen und gestimmt als Spielplatz
einer allumfassenden, großen Schönheit.

Wir Menschen (ich, Lily)
wurde/n wie die Instrumente nicht gemacht,
um als Individuen hervorgestellt und verehrt zu werden.

Selbsterkenntnis, also Individuation, bedeutet die Aufgabe,
dieses Instrument „Ich“ zu erforschen
und zu lernen, wie unser Bewusstsein unsere Welt erschafft.
Doch nicht aus reinem Selbstzweck.

Wir müssen rechtzeitig vom Zug abspringen,
bevor wir unser „Ich“
mit seiner Geschichte, seinen Rollen und Masken
zu unserem Götzen machen.

Unnatürlicher Energieverlust, Müdigkeit, Lebensunlust, …
sind die Folge einer Individuation, die zu Individualisierung entartet ist.

Im nächsten Schritt gilt es, zu ent-werden.

Wir haben gelernt, was wir durch unser Tun erreichen können.
Nun dürfen wir uns als ganze Einheit wieder einschmelzen in ein großes Eins,
dass durch uns (das perfekt gestimmte Instrument) schafft und lebt.

Durch uns alle spielt ein großer Geist.

Wir sind transluzid, wie Kristalle:
unsere Konturen sind und bleiben sichtbar,
aber es ist das durch uns strahlende Licht,
das uns schön und lebensfroh macht.

Wenn wir des Lebens müde sind, gilt es abzustreifen,
was wir glaubten, tun zu müssen,
was wir glaubten, sein zu müssen,
wer wir glaubten, zu sein.

Es gilt, die große Mühsal loszulassen, die es bedeutet,
jede Stunde unseres Lebens eine Person aufrecht zu erhalten.

Der Vogel erfährt sich im Gesang,
den er nicht erdacht hat,
der ihm einfach durch den Schnabel kommt.

Der Mensch erfährt sich im stillen Wort,
das ihm über die Lippen kommt;
im Traum, dessen Träumer er ist und nicht ist.

Und nun: ein paar Übungen – für sehr Erschöpfte :)

Um die Fähigkeit des Körpers wiederherzustellen,
sich von selbst Kraft aus dem allgegenwärtigen Energie-Pool zu holen,
gehe ich mittlerweile in 3 Schritten vor:

Beine und Becken,
Oberkörper,
Nacken und Kopf

werden nacheinander wieder durchlässig gemacht.

Die folgenden Übungen sind bewusst sehr sehr sanft gewählt,
weil ich ein übervorsichtiger gewissenhafter Mensch bin
und meine vielfältige Leserschaft keinen unnötigen Risiken aussetzen will.

Wer das Prinzip verstanden hat und mehr Schweiß oder Bewegung braucht,
kann sich von der vorgeschlagenen Abfolge inspirieren lassen.

Unsere nächsten Verwandten im Pflanzenreich sind Bäume.
Unsere Kraft liegt in den Wurzeln.

Lebendigkeit in Becken, Beine und Füße zurückzubringen,
erleichtert es dem Körper, sich seine Kraft auf selbstverständliche Weise zu holen.

Du darfst gehen, tanzen, laufen, schwimmen, radeln, …
Ob Du schwitzt oder nicht – lege Dein Bewusstsein in die Beine.
Mache so viel, dass sie sich aktiviert fühlen, nicht ausgelaugt.

Lege Dich auf den Rücken, reibe und klopfe die Fußsohlen aneinander.

Streck die Füße zum Himmel und öffne die Beine weit zur Seite und schließe sie wieder.
Bleibe ein wenig in der geöffneten Position, das entspricht einer liegenden Grätsche (Supta Konasana).
So entstopfst Du feine Kanäle an den Innenseiten der Beine.
Lebenswichtige Kanäle.

Kreise Dein Becken.

Lass Dein Körpergefühl Dich leiten, wie Du die Beine bewegen musst, um sie aufzuwecken.

Lege die Spitzen von Ringfinger und Kleinfinger über Kreuz zusammen:
linker Ringfinger und rechter Kleinfinger,
rechter Ringfinger und linker Kleinfinger –
die anderen Fingerspitzen dürfen sich auch sanft berühren, wenn Du möchtest.

Das stärkt die Fähigkeit Deines Körpers, aus den Wurzeln Kraft zu holen (Wurzel-Zentrum)
und Sie im großen Reservoir des Beckens zu speichern (Sakral-Zentrum).
Lasse Deine Hände so, bis Du in den Fingerspitzen eine Veränderung spürst (Kribbeln, Hitze, Magnetismus, ganz egal).
Dann bleibe noch ein bisschen länger.

Wenn die Beine und Füße warm sind, leite die Kraft weiter nach oben:

Auf dem Rücken liegend stellst Du die Füße auf, legst die Arme neben den Körper.
Im Einatem hebst Du Dein Becken und stellst Dir vor,
wie Deine lebendigen Beine von selbst Kraft Richtung Becken saugen
und sie von dort von selbst Richtung Herz rinnt.

Im Ausatem senkst Du das Becken wieder ab.

Die Innenschenkel sind kräftig, als hieltest Du ein Buch zwischen den Knien (was Du gerne probieren kannst).

Das entspricht einer dynamischen Schulterbrücke (Setu Bandha Sarvangasana).
Verweile auch gerne in der Endhaltung.
Dabei führt der Einatem die frische Kraft durch die Beine ins Becken,
der Ausatem lässt sie den Oberkörper vom Becken aus überschwemmen.

Dann dreh deinen Oberkörper, im Liegen oder Sitzen,
wring ihn aus wie ein nasses Tuch.
Das verteilt die Kraft im Oberkörper.

Als letztes führst Du die Lebensfreude in den Kopf.

Steh zunächst aufrecht und lass den Oberkörper dann baumeln.
Stehende Vorwärtsbeuge (Utanasana):
die Füße wie Saugnäpfe, die Knie parallel, die Innenschenkel aktiv, die Sitzhöcker als Gegengewichte zu den Fersen zum Himmel gezogen.
Das Bild ist das selbe: der Einatem führt die Kraft durch die Beine ins (Sammel-)Becken,
der Ausatem lässt sie durch den mittlerweile aufgeweckten Oberkörper in Schultern, Nacken und Kopf fließen.

Wenn ein Yoga-Lehrer Dir den Kopfstand (Sirsasana) gezeigt hat,
kannst Du gerne auch eine Vorstufe davon oder Sirsasana selbst ausführen –
das Bild bleibt wie bei der Vorwärtsbeuge.

Wenn Blutdruck-, Nacken- oder Augen-Probleme die obigen Haltungen unangenehm machen,
legst Du Dich hin,
oder in der freien Natur mit dem Kopf talwärts auf einen Hang,
und arbeitest nur mit der Vorstellung.
Du kannst Die Hände dazunehmen.

Wenn der Körper auf diese Weise geöffnet ist,
wird er von selbst mehr Energie aufnehmen können.
Mach Dir Deine Einbettung bewusst –
Kraft kommt von selbst zu Dir,
Du musst sie nicht horten.

Wenn Du mehr Heilung brauchst, öffne zuerst den Körper auf die beschriebene Weise
und lege Dich dann an einen schönen Ort.

Ruhe in der stillen Lebendigkeit Deines Körpers,
und lass Dich erfrischen.

Eine Antwort zu “Energie-Yoga. Ent-Werden und Kraft schöpfen

  1. Liebe Lily,

    danke für diesen schönen inspirierenden Post, der durch seine vielen Wortbilder sehr verständlich geworden ist..

    Sehr lesenswert
    Liebe Grüße Rainer

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s