Eine Topfpflanze lernt Spazieren ::: Gedanken übers Entscheiden


Grade zurückgekehrt aus Matsch und Gatsch oben im Wald – mmmh … wenn die Finger bei Raumtemperatur wieder auftauen und die Ohren rot werden… schön!
Abgesehen davon (der Themenwechsel wird abrupt, seid gewarnt):

Was macht den Unterschied zwischen –

– einem Nachmittag in Matsch und Gatsch
oder einem vor dem Bildschirm (wo bloß mein Hirn zu Gatsch wird)?

– einem langeweilen-induzierten Fressanfall
oder einer langwierig gekochten Köstlichkeit?

– einem unnötigen Zwischenton
oder einem weisen Rat?

– einem Erfolg
oder einer Niederlage?

Worauf ich hinaus will, ist dieser klitzekleine Moment,
in dem der Zeiger in die eine oder die andere Richtung kippt.

Was mich momentan absolut und vollkommen bezaubert,
sind jene Augenblicke, in denen ich drauf und dran bin, Dinge zu tun,
die mir Hausverstand und Selbstrespekt verbieten.

Und was mich noch mehr verzückt (ja, VERZÜCKT!),
ist der Stoff, aus dem die RICHTIGE Entscheidung gemacht ist.

Die Entscheidung, die mich wieder in den Sattel hievt.
Die, die mir am Ende des Tages ein Bild im Spiegel zeigt,
dem ich mit Achtung in die Augen blicke.
Und letztlich jene Entscheidung, die – geduldig wiederholt –
meinen Plänen Leben einhaucht.

Also, aus welchem Holz ist die richtige Entscheidung gemacht?
Ist es bloßer Wille?
Sowas wie Gewissen?
Gutmenschentum?

Was mir über diesen Stoff bewusst wird:
Er wird nicht von mir gewoben.
Wenn ich das Richtige so einfach tun könnte,
würde ich es die ganze Zeit tun.
Und das gilt für uns alle.
(Sonst würden wir alle unsere Töpfe verlassen und spazieren gehen – verdammt nochmal.)

Er ist nicht mein Fabrikat, sondern ein Gewebe des Himmels.

Stattdessen sitze ich bei der gefühlt 100millionsten Runde SpiderSolitaire (JA! Ist es zu glauben?)
oder irgendeiner anderen selbstgewählten Ablenkung,
während ich hoffe und warte, von einer plötzlichen Lust überfallen zu werden,
die etwas akuteren Dinge anzupacken (Staub saugen, Businessplan schreiben, Frischluft schnappen, etc.).

Dann kommt der erste Lichtstrahl, der unbequemste:
„So, wie lang willst Du jetzt noch hier rumhängen und Karten verschieben?
Krieg den Arsch hoch! So wird das nix!“

Jetzt merke ich, dass der Zeiger in der Mitte zittert.
Blöd, dieses bewusst Sein.

In den unzähligen solchen Momenten der letzten Zeit habe ich festgestellt,
dass ich IMMER eine Antwort weiß, wenn ich mich frage: „Was nun?“
Der entscheidende Faktor ist nicht,
ob die sogenannte Intuition ausgeprägt ist oder nicht.
Die Frage ist bloß, ob ich mein Wissen durchsickern lasse,
oder es als zu unbequem wieder abschiebe.

Und da wird es unvernünftig.

Es ist unvernünftig,
den Unterschied zwischen dem für mich Richtigen und Falschen zu kennen,
und NICHT danach zu handeln.

Aber es passiert die ganze Zeit!

Also braucht es „unvernünftige“ Maßnahmen.

Zum Beispiel: ein Stoßgebet :)

„Okay. SOS. Ich sinke, dieses Schiff sinkt. Ich bin knapp davor, zu tun, was ich vermeiden wollte. Ich stehe knapp davor, meine Selbstachtung über Bord zu werfen, indem ich mir „nur diese eine kleine Ausnahme“ erlaube. SOS.“

Zweiter Lichtstrahl.

Plötzlich: ein Rückgrat statt tönerner Füße. Eine unerwartete Bestimmtheit. Ein Schnellvorlauf zu den Konsequenzen – die ich kenne und nun auch spüre.

Und die Hand macht den Kühlschrank wieder zu, das giftige Wort verpufft.

Aus dem schmollenden Kleinkind wird eine erwachsene Frau,
die ihre alten Kleider abstreift und Gelegenheiten beim Schopf packt.

Woher kommt diese wundersame Kraft,
die etwas gerade noch Schwieriges so beflügelnd und einfach macht?

Woher kommt die morgendliche Erinnerung,
nicht einfach rauszupreschen in den Tag,
sondern mich auszurüsten und vorzubereiten:

Ich werde versucht sein, mich blind zu stellen –
ich muss mich dran erinnern, sehen zu wollen.

Woher kommt dieses großartig unbequeme Jucken,
das einsetzt, sobald ich im Unwesentlichen hängen bleibe?
Dieses Kratzen, das so lange anhält, bis ich wieder im Sattel sitze?

Ich liebe diese Frage.
Ich könnte schwimmen gehen in dieser Frage!

Und mich Hals über Kopf verlieben in mein Fragezeichen,
das mir die Last des Ich-Seins vom Buckel rollt.

(Dieses mühsame Ich mit seiner Historie und all seinem
„Ich kann“ und „Ich kann nicht“ – pffft – geht ihm die Luft aus.)

Wahrscheinlich versuche ich (mir) bloß zu sagen:

Selbsterkenntnis und Vernunft in Ehren –
aber lass Dich überraschen von allem was Du sein kannst,
wenn Du Deinem Fragezeichen die Hand reichst.

Topfpflanzen – geht’s spazieren!

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