Notizen aus dem Unterricht ::: Ein. Aus. Und zwischendrin.


Dieser Augenblick, wenn ich mich im Raum umsehe
und Menschen schmelzen:

Das stumme „Ah!“, wenn die Hingabe an den Lebensstrom
nicht länger als abstraktes Konzept in den Köpfen wabert,
sondern als spürbare, stille Freude
die Körper meiner Schüler flutet.

Nichts daran ist schwierig zu verstehen,
weil es dort passiert, wo wir alles erleben.

Der Körper ist Lehm,
die Haltung die Töpferscheibe,
der Atem die formende Hand.

(Und ich empfehle – auch mir selbst – den letzten Satz nochmal zu lesen. Und nochmal und nochmal. Bis er einsinkt.)

Shtira und Sukha: fester Berg und luftige Schleier ... ein bewährtes Spiel, bezaubernd seit Jahrmillionen

Ein paar Tipps für die eigene Praxis (Gehen, Liegen, Stehen – und alles dazwischen):

Am Anfang steht der Atem.

Ein Einatem hebt und bewegt nach außen.
Ein Ausatem senkt und kehrt nach innen.

So einfach ist das:
Auf den Einatem warten. Seine Bewegung fortsetzen.
Den Ausatem erwarten. Seine Bewegung weiterführen.

Das Ganze ist gelebter Taoismus:
auf den Wellen reiten. Kein Widerstand. Pure Absicht.

Vielleicht mal das Gegenteil dazu probieren:
eine Bewegung vom Hirn aus initiieren (wie einen Befehl an den Körper: „Arme hoch!“, zum Beispiel).
Den Atem anschließen.
Die Bewegungen werden dann gerne eckiger, zackiger, ungeduldiger.

Was bringt das Ganze?

Hoffentlich eine körperliche Erfahrung der alten Weisheit:
Lebe jetzt. Mach auf, lass‘ los.

Eine Zellerinnerung daran, dass ein Kommen das Gehen bedingt;
dass das Leben erst Neues in uns einatmet, wenn wir weich und offen sind (wenn wir ausgeatmet haben)
und das Davongehen von Altem nicht Verlust und Schmerz bedeuten muss,
sondern Erleichterung, Befreiung und Klärung bringen kann.

Wenn Du Sport oder eine Form von Hatha-Yoga machst:

Nicht mehr atmen zu können ist Hinweis auf einen verhärteten Körper.

Ist der Körper zu hart, um dem Atem freies Spiel zu gewähren,
gleicht das dem Versuch, vertrockneten Ton zu formen.

Suche daher das Gleichgewicht
zwischen muskulärer Aktivität (= Stabilität)
und Entspannung (= Süße, Leichtigkeit).

Patanjali nennt diese Pole: shtira und sukha.

So kann es sich anfühlen:
Entspannt in der Anstrengung.
Fokussiert in der Entspannung.

Gönne Dir die Geduld,
jede Bewegung von innen geformt und geleitet zu wissen.

Das Ergebnis ist jene grundlose Freude,
die rund um den Globus besungen wird –
auf Papier und Stein festgehalten:

Ein Geburtsrecht!

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