Yoga der Sexualität ::: Prolog


Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6
Teil 7
Teil 8
Epilog

Oh, ich weiß, was ihr denkt. Ihr liebt mich dafür. Ich sehe es in meiner Statistik.

Ich schreibe schon wieder darüber, aber wisst ihr, ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass es nichts Politischeres gibt als Sex.

Wir steigen nicht allein, oder zu zweit oder von mir aus zu zehnt in die Kiste. Wir nehmen unsere ganze Kultur mit. Wir haben Sex mit unserer Meinung über Männer, über Frauen. Wir karren unsere Selbstwahrnehmung in die Federn. Wir vögeln unsere Fähigkeit, im Augenblick zu sein, oder eben auch nicht. Wir poppen unsere Einstellung zum Leben, zu Macht, zu Idealen, zur Liebe. Wenn wir Sex haben, offenbaren wir woran wir glauben, was wir hoffen, was wir zu wagen bereit und zu empfanden imstande sind.

„Wie im Einzelnen, so im Ganzen. Alles ist eins.“

Während wir, ganz privat und scheinbar ungesehen, einer scheinbaren Nebensache nachgehen, macht doch die ganze Welt – unsere Welt! – mit. Eine Veränderung zwischen den Laken schwappt über in den Rest unseres Tages, unserer Ansichten, unseres Lebens. Im Guten wie im Schlechten, im Kleinen wie im Großen.

Sex ist nicht zuletzt die Hoffnung auf einen Expresszug in den Himmel. Die Anziehung der sexuellen Energie, und die Anziehung des für uns Heiligen haben eines gemeinsam: sie ziehen uns sofort in den Augenblick. Wenn eine prickelnde Erotik den Raum betritt, stellen wir instinktiv alle Antennen auf Empfang, vergessen gestern und morgen – es wäre Verschwendung. Es liegt eine Lupe auf dem Augenblick. In der Gegenwart des Heiligen fällt die Geschichte von uns ab. In diesem Jetzt haben Blumen, Steine, oder zufällige Worte, eine helle und heilsame Bedeutung.

Weil Sex in jeglicher Form und Variation uns in den Augenblick zwingt, hat er das Potential, eines der problematischsten Felder unserer Entwicklung zu sein.

Wie ich es mir und meinen Schülern immer wieder er-innere, gibt es einen Grund, warum es so schwer ist, still zu werden und bei uns zu sein. Wir wollen es einfach nicht. Denn „hier“ sieht es sich klar, unverfälscht und ungemütlich. „Hier“ können wir unserer Wahrheit nicht entrinnen. Zumindest glauben wir das, solange wir rennen.

Wenn wir im Sex davonrennen, tut es gleich noch mal so weh, denn wir rennen gegen eine Wand – den Anderen. Er erinnert uns daran, dass wir nicht ganz da sind. Ups.

~*~

Was Euch in dieser Serie erwartet, ist eine detaillierte Anatomie sexueller Entwicklung als „Menschen-Schule“. (Falls Ihr Euch fragt, was ich vorzuweisen habe, dann lest Euch einmal quer durch die Rubriken „Sexualität“ und „Yoga“.)

Mein Weg und meine Disposition wollten es, dass ich die herz- und hirnzermarternde Not kennen gelernt habe, die die Sexualität mitunter für uns bereithalten kann. Mein Weg wollte es auch, dass ich heil auf der anderen Seite heraus kommen konnte: reicher, freier, liebender und auch sexier als je zuvor :)

Aber keine Sorge (oder doch?) – ich schwatze Euch hier keine Bedienungsanleitung auf.
Sondern eine Landkarte:

So wie die menschliche Entwicklung bestimmten „Koordinaten“ folgt, so bauen sich auch Krisen nach einem gewissen Schema auf. Krisen können den Übergang von einem Koordinatenpunkt zum anderen darstellen. Umfangreiche, lebensumwälzende Krisen führen uns nochmals durch alle früher besuchten Punkte, um dort aufzuräumen und nachzujustieren.

Diese Entwicklungs-Schritte werden in verschiedenen Kulturen unterschiedlich beschrieben. Ich stütze mich in dieser Serie auf ein System von 7 Entwicklungsschritten, die uns durch unterschiedliche Lebensbereiche führen. Die wesentliche Frage in jedem der Bereiche lautet: „Wohin schicke ich meine Kraft? Wofür entscheide ich mich in diesem Bereich?“

Jede Entwicklung, und auch jede Krise, zieht sich durch alle 7 Ebenen. Ich muss sie hier zwar in einer Reihenfolge präsentieren, doch eigentlich funktioniert es holografisch. So wie wir theoretisch immer unseren ganzen Körper fühlen, müssen wir in bestimmten Situationen die Aufmerksamkeit auf wenige Körperteile legen.

Das also wird die Landkarte der 7 Lebensbereiche. Ich gehe im folgenden übrigens von einer Krise aus – denn das Bedürfnis nach einer Landkarte haben wir meist dann, wenn wir uns nicht auskennen:

  • Eine Krise beginnt dort, wo wir uns mit der unmittelbaren Umwelt befassen:
    1) Unserem gesellschaftlichen Klima, den Menschen allgemein
    2) Dem einzelnen Gegenüber, dem Partner
    3) Uns selbst

Das ist die Ebene der Krise, der sich lebensbedrohlich anfühlen kann, der uns Hirn, Herz und Mut raubt, uns in die Knie zwingt. Wenn diese Schritte überwunden sind, kehrt ausreichend Ruhe ein, um nicht mehr gegen den Strom, sondern mit ihm zu schwimmen.

  • Wenn wir nicht mehr ums Überleben kämpfen, können wir uns in subtilere Gefilde begeben. Die nächsten Bereiche beziehen sich auf Kräfte, mit denen wir unser Leben von innen heraus gestalten:
    4) Die Fähigkeit, Vergangenes abzustreifen, zu lieben, zu fühlen
    5) Die Fähigkeit, unseren Willen einzusetzen
    6) Unsere Erwartungen, Einstellungen, Vorstellungen
    7) Unsere Fähigkeit, im Augenblick zu verweilen und Gnade zu empfangen

Für alle, die’s noch nicht erraten haben: ich führe Euch durch die 7 Chakras („Energieräder“) der Yogis, einem Grundriss unserer seelischen Anatomie.

~*~

Ich habe die Beschreibungen der 7 Ebenen einer Krise und ihrer Lernfelder bewusst frei gehalten von jeglichen Methoden, Techniken oder konkreten Vorschlägen zur „Verbesserung“. Natürlich benötigen wir Werkzeuge, doch ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch, der den Boden gründlich studiert hat, seine geeigneten Mittel selbst erkennen wird können. Ich hoffe, dass die Kenntnis des Bodens davor bewahrt, mit Eispickeln im Sumpf zu hantieren.

Ganz nebenbei: vom Lesen allein kommt übrigens auch keine Veränderung. :) Da wären wir wieder beim oben Geschriebenen: wir wollen uns nicht dem Jetzt stellen. Das Lesen über Krisen ist eine Ablenkung von der eigenen Krise. Nicht verzagen!

Solltest Du, lieber Leser, liebe Leserin, Dich gerade in einer handfesten sexuellen Krise befinden, dann ist mir bewusst, dass Du in dieser Zeit vermutlich einfach nur wissen willst, was funktioniert und Dich möglichst schnell aus dem Schlamassel heraus holt.

Vielleicht erleichtert Dich die Aussicht, dass es eine Zeit lang ungemütlich bleiben wird. Das ist zwar nicht schön, aber doch befreiend. Du baust Dir ein neues Zuhause. Es wird weder schnell gehen, noch kannst Du dabei sauber, entspannt und geordnet bleiben. Woran Du festhalten musst, ist die Vision eines noch nicht Existierenden – eines freieren, ganzeren Selbst.

Dem zu folgen, was wir kaum glauben und noch weniger sehen können, ist die geheime Zutat im Helden-Cocktail.

Los geht’s.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s