Schlampig!


Zur Zeit gilt es, viele Dinge ordentlich zu tun:

  • ordentliche Markt- und Zielforschung betreiben
  • Kostenpläne ordentlich durchrechnen
  • mir ordentlich ansehen, wo ich mir durch ausgiebiges Selbstzweifeln im Wege steh‘

Kurz: so ein Geschäft aufzuziehen, braucht ordentlich Planung. (Überrascht?)

Als Ausgleich gilt es, ein bisschen schlampig zu sein. Deadlines verschlafen, den dritten Schritt vor den ersten setzen und die Schmutzwäsche Wäsche sein lassen. – Sich über die Konsequenzen ärgern und es genießen.

Aber mein Prachtexemplar der Schlampigkeit können Sie hier bewundern. Eine aufgeputzte Kommode aus Kindertagen.

Farben sind übergelaufen, weil ich nur halb-ordentlich abkleben wollte.
Das Rumi-Gedicht steht kopf, weil ich nicht gut aufgepasst habe.
Eine kleine Mücke klebt am Lack, weil ich sie dort verenden ließ.

Und überhaupt: der Korpus stand 6 Monate auf meinem Balkon, weil ich keine Lust zum Weitermachen hatte. Ha!

Ich fühle mich rundum wohl mit diesem Manifest unyogischer Gedankenlosigkeit.

Beachten Sie auch, dass ich momentan modische Statements liefere, die ich selbst nicht verstehe: Totenkopf-Leiberl und Schreibmaschine um den Hals? Yeah, whatever.

Und wenn ich mir kurz einreden möchte, dass solche Schlampigkeit sicher böse enden wird, dann zeig ich mir den hier:

Andererseits habe ich in den letzten Wochen auch saubere Handarbeit geleistet. Es war die Idee des Herzbubs, mir einen eigenen Feuerstab zu basteln. Höchstwahrscheinlich, damit ich aufhöre, ihm dauernd seinen wegzunehmen.

Die Sache gestaltet sich folgendermaßen: man halte einen Holzstab und 4 Dosen Bier bereit. 2 Dosen (die mit dem schlechten Bier) entleere man im Waschbecken. Die anderen 2 öffne und trinke man (vorzugsweise gemeinsam) – das ist sehr wichtig. Im leicht angeheiterten Zustand wage man, die 2 entleerten Dosen zu zerschneiden,

und sie daraufhin einzurollen,

um sie schlussendlich, unter Aufwendung einiger Muskelkraft und mit viel Docht am Holz zu fixieren.

Wie es schon die Herren am Bau demonstrieren, gibt Bier den Muckis in den entscheidenden Momenten den nötigen Schmalz.

Die letzte Schraube lasse man vom kräftigeren Partner eindrehen, um ihm das Gefühl zu geben, auch etwas getan zu haben* – oder auch nur, um ein Erinnerungsfoto zu schießen:

Dann warte man, dass der Damenspitz sich wieder verflüchtige, lade weitere Feuergeister ein, tauche die fertige Apparatur in brennbare Flüßigkeit, zünde sie an und spiele damit.

Hossa!

Zu einem ordentlichen Schluss-Satz konnte ich mich heute nicht durchringen. Daher lasse ich Paul Claudel sprechen:

Unordnung ist die Wonne der Phantasie!

* P.S.: Natürlich hat der kräftigere Partner in diesem Unternehmen nicht untätig zugesehen. Es gibt Erinnerungsfotos, die ich zum Schutz diverser Identitäten hier nicht zeigen werde, welche meinen erlesenen Freundeskreis aber zu viel Gekicher animiert haben. Sie zeigen einen prächtigen Herren dabei, wie er hingebungsvoll den Feuerstab poliert und einölt. *zwinkerzwinkerhihihi* Ich darf ihnen versichern, dass ich diesen äußerst elektrisierenden Anblick ganz ordentlich in meinem geistigen Bilderalbum abgeheftet habe.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s