Computer sagt Nein.


Am Mittwoch ist mein Yogaraum untergegangen.
Regen. Viel Regen, den ein Fischteich am Hügel nicht mehr halten konnte.

Als ich helfen komme, berichten mir die Vermieter:

zwei Stunden lang hätten sie rund ums Haus Kajak fahren können.

Das Sofa schwamm im Vorhaus, drauf ritt seelenruhig eine Schnecke.

Ein toter Fisch in einer Schreibtischschublade. Überall tote Fische. Nicht mal die Katzen waren dran interessiert.

Die Vermieter sind schockbetäubt wie frisch Verwundete.
Sie lachen, sie delegieren, sie saugen Schlamm und erzählen mir beiläufig, dass ihnen die Versicherung gekündigt hat:

Computer sagt Nein.

Der gesamte Hausstand steht im Hof.
Alles antik, mühsam von Hand restauriert, jetzt nicht mehr verkaufbar.
Wir schrubben und spülen, wir putzen und schleppen.
Wir trinken und essen Pizza, wir fallen ins Bett.

~*~

Vor zwei Wochen hat ein irrtümlich, aber irreversibel angekreuztes Kästchen in einem Computersystem dazu geführt, dass mir eine Nachzahlung droht (die ich nicht bezahlen kann).

So ein blödes Kästchen.

Ich kann belegen, dass es ein Irrtum war und man mir nicht richtig zugehört hat.
Ich kann auch nachweisen, dass ich alles korrekt gemacht habe.

Aber: Computer sagt Nein.

Ich: bin beseelt von der Schocktaubheit der frisch Getroffenen.

Ja, kurz könnte ich aus der Haut fahren. Ein, zwei Tage lang zettert es in mir:
„Was für eine Frechheit! Klagen! Auf die Barrikaden gehen! Ich bin ja gar nicht schuld!“

Dann, auf einmal, löst das Wort „Nachzahlung“ keinen Schweißausbruch mehr aus.
Ich habe von irgendwoher die Kraft, den Amokläufer in mir sofort zurückzupfeifen.
Es gibt ja auch wirklich wichtigere Dinge, die jetzt meine Kraft benötigen.

Jetzt weiß ich wieder mal, warum ich übe: es wäre sinnlos, die inneren (und äußeren) Muckis erst zu trainieren, wenn der Notfall sie dringend nötig macht.

Was ich nicht weiß, ist, warum die Amtsmenschen so unglaublich hilfsbereit sind. Fast schon unterwürfig.
Ich habe weder gebrüllt noch gedroht, weder geweint noch geklagt. Ich war ehrlich und bestimmt.

Vielleicht habe ich ein gräßlich furchteinflößendes Auftreten? Oder die Telefonstimme einer Berserkerbraut? Es ist ein Rätsel – doch was immer es ist, es steht auf meiner Seite.

Fristen wurden verlängert und Menschen haben Zeugs für mich nachgerechnet, obwohl sie es nicht mussten. Ich wurde, kurz gesagt, nicht zum Verrecken in die Paragraphenhölle entsandt.

Zumindest noch nicht.

1:1 im Kampf Computer gegen Mensch!
Drückt mir die Daumen.

4 Antworten zu “Computer sagt Nein.

  1. Was?! Das klingt nach einem schlechten Scherz mit deinem Yogaraum…Ich hoffe, der finanzielle Schaden hält sich in Grenzen und der immaterielle auch. Wegen der Nachzahlung und überhaupt drücke ich dir die Daumen und wünsche dir ganz viel Kraft! Nicht auch noch selbst untergehen…

  2. Vor Kürze hatte ich diese Erfahrung auch gemacht. Die Welt brach für einen Moment in sich zusammen: Auto kaputt, Herz gebrochen und dann noch einen Finger inkl. Nagel grenzwertig verunstaltet … erst die Tränen und das „Wow, das ist zuviel“ und dann kehrt Ruhe ein.
    „Moment mal, ich lebe noch.“ Und alles, was ich denke ist: „Das wird die unnötige Oberflächlichkeit abreißen, entblößen, was wirklich ist.“
    Und alles scheint besser, bewältigbarer.
    Wer nicht täglich meditiert oder andere Disziplinen verfolgt, tut sich Selbst nichts gutes schätze ich mal.

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