Schlicht und ergreifend.


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In den Sommerferien hat sich in mir ein Gefühl für Tao entwickelt – ein Gefühl für den Rhythmus und die natürliche Entfaltung des Geschehens.

Ich habe diese Intelligenz für mich als Seele bezeichnet – ja, die Spaltung zwischen mir und meiner Seele ist bewusst so formuliert.

Der Mensch menschelt,  weil er die Möglichkeit hat, sich bewusst gegen diesen Strom zu stellen. Wir können den Versuch unternehmen, dem universellen Lebenspuls unseren eigenen Willen aufzuzwingen.

Ich bemerkte dieses Aufbäumen im Urlaub besonders krass. Nervosität, weil ich doch „jetzt etwas Sinnvolles tun sollte“, während sich das Tao in mir und um mich ganz offensichtlich sinnfrei und entspannt entfaltete.

Das Gespür für den Puls des Geschehens war ÜBER mir, die Nervosität ob des Nichts-Tuns IN mir. Ich begann, mit diesen zwei Erlebnis-Möglichkeiten zu spielen.

Der Versuch, den Fluss in irgendeine Richtung zu biegen – z.B. dem Moment durch meine Aktivität etwas „Sinnhaftes“ abzuringen – war da eine nette Spielvariante. Sie hat mir mehr über meinen Willen gezeigt, seine Grenzen, seine Berechtigung, seine Kraft.

Ein spannendes Forschungsprojekt: inwiefern ist mein Wille Teil eines kosmischen Willens?

Das Tao ist ein großer, majestätischer Willen.
Kein endgültiges Ziel, keine Grenze, keine Beschränkung.

Und mein Wille – wo ist sein guter Platz in diesem Strom?

Wo beginnen solche Fragen eigentlich?

Immer an einem unwahrscheinlichen Ort, in der Zeit zwischen zwei Zügen, in der Zeit die mein Tee zum Ziehen braucht.

„Ich frage mich: wer denkt da eigentlich in meinem Kopf? Wer schickt mir diese Fragen?“

Und lächle, weil ich das Schlüsseldrehen höre: die Tore nach innen, zu tieferen Quellen der Lebendigkeit, des Berührtseins, des Segens.

Es ist ein Segen, dieses Spiel von Frage und Antwort.

~*~

Die Seele entfaltet sich weiter, nach innen.
Der Körper verlässt den Körper.
Reichtum, den du nicht ermessen kannst, fließt durch dich.
Beachte nicht, was Fremde sagen.

Sei abgeschieden in deinem
geheimen Herzenshaus, dieser Schale der Stille.

Reden, egal wie demütig es scheint, ist wirklich eine Art des Prahlens.
Lass Stille zur Kunst werden, die du ausübst.

Sei abgeschieden in deinem geheimen Herzenshaus, dieser Schale der Stille.

Oh, Amen, Rumi.

2 Antworten zu “Schlicht und ergreifend.

  1. Sei gegrüßt, Lily :)

    Zunächst (da mein erster Kommi hier): Einen wirklich schönen, leichtfüßgen und gleichwohl tiefen Blog hast Du hier erstellt :) – gefällt mir sehr.

    Zu Deinem (sehr schön geschriebenen) Artikel fällt mir ein: Ist es nicht eigentlich das, was Jesus meinte mit „Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe“? Und auf einer griechischen Grabplatte wurde einst der Schriftzug entdeckt: „Möge mir nicht wiederfahren, was ich will, sondern das, was gut für mich ist.“ Das Einzige, was sich der natürlichen Laufichtung des Kosmos entgegenstellen kann (natürlich fruchtlos), ist unser Wille – unser Widerstand gegen das, was jetzt-hier ist.

    Ich denke – wie Du – schlussendlich ist es also nur eine Frage des Ineinklangseins mit dem Tao, denn dann entsprechen unsere Wünsche automatisch dem natürlichen Verlauf der Dinge … und – paradoxer Weise – in diesem Atemzuge lösen sich die Wünsche von selbst auf … *smile

    Ich sende von Herzen METTA & SMILES
    „Phra“ Michael

    PS: Und auch spannend, wie ich finde: Kann man eigentlich mit dem Tao NICHT in Einklang sein? *gg

    • Lieber Phra Michael,

      herzlich Willkommen und danke für deine freundlichen Worte!

      Auch ich hatte diese Worte – „Nicht mein, aber dein Wille geschehe“ – im Kopf. Als ehemals glühender Anti-Christin (ein Lebensabschnitt, der mich heute zum Schmunzeln bringt) tut es mir gut, für mich selbst die tiefe Wahrheit dieser Lebensschule zu erfahren. Es erfüllt mich mit deMut.

      Auch schön ist es, zu erfahren, dass keine Grausamkeit, kein Verzicht, darin liegt, wenn das Tao zum Loslassen auffordert.

      Wie viele Menschen empfinden Existenz als geizig und brutal; denken, dass es ihr alles abzuringen gilt? Ich habe auf jeden Fall zu ihnen gehört. Mein Wille war mehr ein heftiges Aufbäumen, gefolgt von selbstmörderischer Resignation, wenn wieder mal alles nix genutzt hatte.

      Jetzt langsam enthüllt sich mir die zärtliche Großzügigkeit, mit der mir das Leben gelegentlich einen scheinbar saftigen, aber vergifteten Knochen vorenthält.

      Ich mag es, von Tag zu Tag zu erforschen, ob ich mit oder gegen den Strom gehe. Es scheint mir jedenfalls die schönste Art zu leben – grade jetzt. :-)

      Schönen Sonntag wünscht dir
      Lily

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