Story of Stoff


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Recht herrisch, diese Marke - was meinen Sie?

Also war ich mit meiner Mutter Berufskleidung kaufen.

Das war ihr Weihnachtsgeschenk: ein paar hübsche Fetzen für den Unterricht.

Ich war besonders für die im Geschenk inkludierte Begleitung dankbar.

Denn ich habe Dinge gesehen. Schreckliche Dinge.

Nun, ich weiß nicht, ob sie mit dem Yogaklamottensortiment Ihres Sportfachgeschäfts vertraut sind. Für mich jedenfalls war es alles Neuland.

Beginnen wir mit den Farben.

Die FARBEN!!! Neon!

NEONgrün mit NEONpinken Dekoelementen. Und umgekehrt.

NEONgelb zu NEONhimmelblau zu NEONorange.

Stellen Sie sich einen Raum voll derart gekleideter Menschen vor.

Dann schleusen Sie einen Epileptiker in Ihre Vorstellung ein und beobachten Ihr ganz persönliches synaptisches Endzeitszenario.

…¿¡…

Übrigens schlägt mir meine Autokorrektur statt „Neon“ das Wort „Neonazis“ vor.
Wir geraten also bereits mit dem ersten Schritt in den Fitnessklamottensektor des lokalen Sportfachgeschäfts auf eine schiefe Bahn.

Nun, es gibt auch farblich dezentere Klamotten: die zweite Kategorie.
Textilnirvana.

Liebe Hersteller! Alles ist in mir, schreibt ihr? Wozu brauch ich dann eine Hose, die mein Yoga für mich macht? Muss ich wirklich Euren Nippelkaschierer (den viel mehr verdeckt Euer Top nicht) um 120 €uronen tragen, um meine innere Perfektion zu ‚expressen‘?
Genügt es, wenn nur ich total atmungsaktiv bin?

Und dann kommt die dritte Kategorie.
Die Unglaublichen. *tatataaam*

Das Neonelement diesmal nur als dezenter Streifen am Rand appliziert. Den könnte man mit ein wenig gutem Willen ignorieren.

Aber was ist das?

Meine Brüste – seltsam.
Mein Hintern – auch seltsam.

Der Blick der Mutter äußerst belustigt. Ein ungläubiger Griff auf den unglaublichen Hintern bestätigt Unfassbare: ich bin gepolstert!

Ich trage doch tatsächlich eine Kreuzung aus Yogaklamotte und Ganzkörpermieder.

Eine Popolsterung soll laut Hersteller nicht nur den inneren Frieden anziehen, sondern auch begehrliche Blicke.

Und die, verehrte Leser, sind ja bekanntermaßen auch der erste Schritt zur vollkommenen Glückseligkeit.

Das mit dem inneren Frieden geht manchmal total einfach.

Man empfindet ihn umgehend beim Verlassen des Shoppingtempels.

Paradoxerweise besonders dann, wenn den dort beheimateten Göttern nicht gehuldigt wurde.

2 Antworten zu “Story of Stoff

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