Nerds & Plomben


Ich konnte mich nur schwer entscheiden, über welche Ereignisse ich zuerst berichten soll: Das Baby? Die Zigaretten? Meine Schüler? Die Zahnärzte? Ich wähle die Zähne. Das Thema beinhaltet die geringste emotionale Blöße.

Ich war gestern am Zahnklinikum meines Landeskrankenhauses. Das war super.

Ich weiß nicht, was mich motiviert hat, mich aus den Händen meiner freundlichen und kompetenten Zahnärzte zu begeben, um mich den weniger geschulten Händen angehender Zahnheilkundler zu überlassen.

Jedenfalls war es die richtige Entscheidung.

Meine neue Zahnärztin und ich haben total viel gemeinsam. Wir sind beide nerdig und erklärungsfreudig und süß. Das einzige was uns trennt, sind unsere Akzente.

Also, ich sitze auf dem Stuhl. Meine Zahnärztin freut sich total darüber, dass sie mir ihre tollen Maschinen erklären kann. Ich freue mich über den Umstand, dass ich auf einem Zahnarztstuhl sitze und Fragen stelle. Das wollte ich immer schon mal machen.

Sie ist ruhig und ich bin es auch. Im Saal sind noch weitere 10 Zahnarztliegen, es wird geredet und gearbeitet, die Professoren erklären und überprüfen, es herrscht unaufgeregt reger Betrieb.

Ich denke mir, dass es der Himmel auf Erden sein muss, unter Aufsicht das Gelernte anzuwenden. Genaugenommen wähne ich mich im Himmel. Der Tag hat mittelmäßig begonnen. Jetzt bin ich hier und die Laune steigt. Meine Überraschung darob ebenso!

Es ist auffällig, dass hier jeder freundlich aus dem Kittel blickt.

Sie können sich nicht ausdenken, welche Erleichterung das für mich ist, mich so pudelwohl zu fühlen. Zahnarzt-Besuche wurden in den letzten Jahren zu einem immer unangenehmeren Debakel. Und hier bin ich total euphorisch.

Sie machen nämlich Fehler und übersehen was. Dazu gibt es die Überprüfung durch einen Prof nach jedem Schritt. 6 oder 8 Augen sehen mehr als 2. Ich finde das beruhigend.

Meine Zahnärztin hat sich beim Vitalitätstest geirrt und wird im Röntgenraum drauf hingewiesen.

Es huscht ihr rot übers Gesicht, sie verzieht ganz, ganz kurz den Mund in der universellen Mimik von: „Oh, peinlich!“

Ich lächle sie an, weil ich ehrlich froh bin, hier zu sein, wo der Umgang mit Fehlern zum Alltag gehört.

Ich fasse wohl mehr Zutrauen zu einem Menschen der noch lernt, als zu einem, der von irgendeiner Institution als „fertig“ bezeichnet wurde.

Nach dem ganzen Kratzen und Röntgen und Mundaufreißen wird mein Behandlungsplan aufgestellt.

Meine Ärztin fragt mich, ob ich bei ihr bleiben möchte. Ja, ich will. Es hat klick gemacht zwischen uns.

Er war erst der Anfang, dieser Kontrolltermin. Wir werden uns wiedersehen.

Wer hätte gedacht, dass Karies auch ihre guten Seiten haben?

~*~

Und nächstes Mal schreibe ich über das Baby und so. Versprochen.

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