Was ich niemals vergessen will ::: Stumme Unterhaltung


Zurückkehren aus der Dunkelheit.

Erschütternd daran ist bloß eines:

Zu sehen, wie abwesend ich davor war.
Zu spüren, wie sehr ich die Liebe ausschloss.
Entsetzt über den Stolz, den nur ich nicht sah.
Den Rucksack voller Steine, die Schultern verspannt.

Aufatmen.

Ich habe Zeit verschwendet, doch selbst das war nie umsonst.

Ein leeres Haus, verstaubt und kalt, ist eine Einladung.

Den Herd entfachen.
Die Suppe kochen.
Die Betten ausschütteln.
Die Spinnweben wegstreicheln.
Die Fenster öffnen.

Die Amsel singt herein. Ich weiß, da kommen Freunde den Weg entlang. Es dauert nicht mehr lange und ich werde staunen, wer dem Duft der Suppe gefolgt ist. Alte Gesichter, neue Gesichter – ich sitze und erwarte sie. Noch ist es still, aber ich höre schon unser Lachen den Garten verzaubern, ich höre unser Weinen und abenteuerliche Geschichten.

Endlich streicht der Wind durch die Blätter und der Gefährte hat seine Stimme wieder.
Dieser Ruf, der ins Herz fährt. Oh, lass die Wahrheit einfach zubeißen:

Der Ruf kommt nie gelegen für die kleine Hand, die an sich halten will und nur ein wenig mehr Zeit erfleht.
Der Ruf sticht den Gedanken, der sich aus dem Fenster lehnt und um die Ecke blicken will.

Eine sanfte, gnadenvolle Sehnsucht nach reiner Hingabe ist dieser Ruf, und eine grausame Erkenntnis für das Menschlein, das nicht fassen kann, wie viel es in diesem Leben loszulassen gibt.

Gib dem Menschlein einen guten Witz und der Seele Flügel.

Gib dem Herzen Yoga:
reines Lauschen sein und reine Antwort zugleich.

Nur Frage sein, plan-befreit, ohne Schläue, ganz und gar weise.

Die Wahrheit kommt auf mächtigen Schwingen, feurig, alles niederreißend wie ein einziger gewaltiger Sieg.

Und immer, immer, will ich Besiegte bleiben, will ich eingenommen und belagert sein von ihr.

Dies ist ein endloser Fall, vorbei an Farben, an Gesichtern, an Formen, an Augen, verschwimmend, nicht zu halten. Das furchtbare Kribbeln in den Eingeweiden legt seine Maske ab: das ist keine Angst. Das ist Aufregung.

Was für ein großartiger Sturz, was für ein hoffnungsvoller Ausmusterer.

In jedem Augenblick durch einen winzigen Spalt:
kannst du bleiben? Bleiben?

Bleiben.

Treu sein und verweilen, im Entsetzen wie in der Zärtlichkeit.
Dein Gefährte sitzt jetzt bei dir und will nichts als deine Liebe.

Und wo bist du?

Sei Treue selbst, halte dem Wesen der Liebe die Treue, nicht ihrem Kleid.
Wende dich nicht ab, suche sie, locke sie aus deinem verkrusteten Sein heraus bis sie dich schallend lachen lässt.

Denn alles erneuert sich.
Das Gefühl ändert sich, das fühlende Herz ist ewig.

Ein winziger Spalt wird unsere große Prüfung.
„Was bleibt mir bloß, wer bleibt mir bloß, wo bleibe ich bloß?“

Doch durch diesen Spalt passt niemand außer dir,
und nicht einmal dein ganzes DU.
Was musst du vergessen? Und was hast du vergessen?

So wird es immer wieder sein.
Eine Reise durch neue Räume, die dich zum selben Nadelöhr führen.

Verneige dich vor diesem Zauber.

Am Ende des Tages ist noch immer nichts gewiss.
Aber nichts ist beliebig.

Du kannst spielen gehen. Mal dir was aus. Rufe in den Wald hinein. Berufe die Zerbrechlichkeit der Dinge zu deinem großen Meister.

Das Allerkleinste, Allerschwächste wird es sein, dass dich mächtig macht und frei.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s