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Ich hege seit kurzem eine Leidenschaft für Teppiche – nicht nur Yogateppiche. Wenn ich auf schönen Exemplaren sitze, geschieht allerhand Gutes.

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Gesättigt.

Ich hielt nicht für möglich, wie viel Nahrung das Leben bereithält.

Ich trinke Gedichte wie kostbaren Tee, still, auf dem Teppich des Lebens.

Weise Worte, in kleinen Schlucken.
Stilles Herz, ruhige Zunge.

Wie wertvoll es ist, aufzublicken. Innezuhalten und die Stille antworten zu lassen.

Der Regen bringt kühlere Luft und eine endlose Wonne: Futter für die Ohren, in Hülle und Fülle.

Nun greife ich sanft in den Teppich des Lebens.

Griff um Griff, mit freundlicher Hand – mein Tagwerk, ohne Hast und Sorge. Berührung ist mein Brot, ich kaue bedächtig.

Ich werde satt und zufrieden vom Gefühl der Fingerspitzen, die sich Falte um Falte durchs Gewebe meines Tages tasten. Porzellan und Haut, Klinken und Papier. Alles beschenkt mich.

Die Stirn wird kühl, ich bette mich sanft auf dem Teppich des Lebens. Ich liege in allen Armen, die mich jemals hielten, wie ein Faden in seinem Nadelöhr. Ein klarer Traum spinnt immerfort, silbrige Spuren, neue Geheimnisse, Landkarten, fremde Düfte. Morgenrot am Horizont. Alles wird neu.

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