Briefe an mich ::: Von einem Stück Ich, das alles abcheckt.


Blättern im Tagebuch: Mai ’13.

Lily,

tue ALLES aus dem Herzen und es ist richtig.

Lebe in permanenter Hingabe. Gib dich jedem Menschen hin; du weißt nicht, welche Geschenke er für dich hat. Schäme dich nicht, wenn du dich zu einem Menschen hingezogen fühlst. Alles hat Platz miteinander, beieinander. Schenke deine Zuneigung und der Weg wird frei.

Du erkennst die Wahrheit am Ziepen in deinen Eingeweiden. Das ist die „unangenehme Wahrheit“: du besitzt nichts da draußen. Du besitzt nur dich. Und doch kannst du haben, was dein Herz ersehnt.

Wenn du vom Weg abkommst, spürst du es in den Eingeweiden. Dann musst du diesen Schmerz zubeißen lassen. Was weh tut, wird kurz deutlicher werden. Doch dann: Befreiung. Was weh tut sind deine Pläne, Vorstellungen und Konzepte. Dein Körper hingegen zeigt dir mit großer Deutlichkeit, wo dein wahrer Platz ist, wo, mit wem es richtig ist. Deinem Körper ist egal, was ‚ins Konzept‘ passt, denn er lebt in der Ordnung des Jetzt.

Nur ein starker, hingebungsvoller, integrierter Mensch kann die große Offenheit des Lebens vollends zulassen. Alles andere tut weh.

Das heißt, die „schmerzhafte Wahrheit“ ist dazu da, dich zurück zu rufen. Dieser Biss, dieser Stachel, ist der Wegweiser! Wenn es sticht weil du bemerkst, dass du nichts besitzt und nichts kontrollieren kannst, dann erkenne es als wahr.

Lass es brennen. Lass deine Hände sich ausstrecken im Verlangen. Spüre wie schmerzhaft es ist, ins Leere zu greifen. Du bist immer schon Stürzende gewesen. Schau zu: der Fall, die Gesichter, die Farben – schau so lange bis du begreifst, wer da schaut.

Schau so lange bis du siehst, dass du nicht stürzt: du fließt.

Vergib dir, vergib dir fürs Menscheln. Und lass es schmerzen.

Der Schmerz zeigt dir zunächst, dass du dich zu klein fürs Leben machst. Wo dir der Atem stockt. Denk daran, dass es oft die Berührung eines Anderen braucht, um eine Verspannung zu bemerken.

Und es braucht Andere, um einen Seelenkrampf zu bemerken, der dich schon lange lähmt.

Vergiss die Hand, die Menschen, kümmere dich um die Verspannung. Und dann: freue dich, nimm die Hand, halte sie in Dankbarkeit.

Du warst Anderen schon Hand; hast Finger in Wunden gelegt. Das ist gut so, auch wenn das Drama aus menschlicher Sicht ungerecht ist.

Weil du Übung darin hast, der „schmerzhaften Wahrheit“ zuzuhören, sie zubeißen zu lassen, erkennst du die „freudvolle Wahrheit“.

Sie verströmt sich aus deinem Herzen. Du pflegst deine Beziehung zu ihr ganz besonders in intimer Verbindung.

In so einer Verbindung hast du in unterschiedlicher Intensität die Möglichkeit, von Augenblick zu Augenblick voranzuschreiten und immer wieder neu zu entscheiden.

Richte dich aus auf dein Herz.

Natürlich hörst du noch die Stimmen der alten Art des Lebens:
„Halte. Gefalle. Kontrolliere. Sorge.“ Doch dein Herz kann diese Stimmen integrieren und einen Weg des Ausdrucks für sie finden; Wege, wie du im Außen handeln möchtest.

Ich weiß, dass du dich fragst, was in dieser großen Offenheit des neuen Lebens mit Verbindungen geschieht.

Noch ist kein Weg da. Du musst in dieser Frage sitzen.

„Schweigen. Halten. Berühren. Loslassen. Gehen. Stehen. Sprechen. Schauen. Atmen. Hinweisen. Lachen. Lauschen. Empfangen. Hingeben. Malen. Erzählen. Loben. Erfreuen. Einlassen. Abgrenzen. Ankommen. Weiterziehen.“ Das und vieles mehr spricht das Herz. Niemals endet es, niemals wird es aufhören zu schlagen für dich.

Andere sind nötig in diesem Spiel.

Du kannst dich nicht ohne Hilfe ausfüllen. Andere bringen dich zu dir. Tritt ein in dich selbst. Bestimme nicht, welche Gestalt der Gefährte annehmen soll, der dich jetzt zu deinem Haus bringt.

Sei nicht naiv, sei nicht blauäugig. Sorge für dich. Es ist immer Gutes unterwegs zu dir.

Tritt über die Schwelle. Lass alles sein. Fülle dich aus. Verströme dich.

Alles erneuert sich, alles heilt, alles liebt, alles ist Kind, nie zu Ende, nie am Ziel, nie wissend, immer weise.

6 Antworten zu “Briefe an mich ::: Von einem Stück Ich, das alles abcheckt.

  1. Ich lese diesen Postnun zum dritten mal. Jedes mal in unterschiedlichen Gemütszuständen, über die letzten zwei Monate verteilt. Und jedes mal sagen mir deine Worte etwas komplett anderes, neues über mich selbst. Dein „abcheckendes Du“ trifft mich direkt ins Herz. Immer an verschiedene Stellen. Immer aufmunternd, erbauend. Und moivierend. Schön.

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