Sweatlodge


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Ich erwache unter Bäumen, die Hähne krähen.

Der Traum war schön: ich sah einen Berg und an seiner Spitze ein Becken kristallklaren Sternenwassers, das ins Tal hinunterschießt. Den Männern dieser Erde wurde eine neue Quelle geschenkt.

Wir waren zu sechst, an diesem Wochenende des Schwitzens und Betens. Der stille Gärtner, das pralle Urweib, die lächelnde Schlangenfrau, der singende Feuerhüter, der verrückte Schamane und die knackige Yogini.

Oh, es war gut.

Zarte Bande, von Herz zu Herz.

Ich erwache unter Bäumen, die Hähne krähen. Mir fällt ein, dass ich seit Wochen ohne Bauchweh in den Tag schlüpfe. Die große Dunkelheit, sie ist vertrieben.

Ich habe kein einziges Gebet für mich gesprochen. Die Kinder, die Liebenden, die Suchenden, die Findenden, die Alten, die Genesenden, … sie alle waren in meinem Herzen.

Im Dunkel der Hütte flog ich als blauer Adler stromaufwärts einer schwarzen Sonne entgegen. Wir flogen der Mutter in die Arme und ruhten als kleines Samenkorn in ihrem Bauch. Köstliche Ruhe.

Wenn die Türe sich ab und zu öffnet, sehe ich mich selbst vielfach um mich herum, schweißgebadet im Feuerschein, da wie gemeißelt, dort weich und rund, da drüben drahtig und schlank. Überall Schönheit und Geschichten, mit Haut und Haar erzählt.

Es tut gut zu wissen, dass da draußen ein helles Feuer wartet, während wir im Dunkeln beten.

Ein Lied bricht hervor, eine Stimme kommt aus mir, die ich nicht kenne. Sie kreist um die Erde, nimmt jeden mit, der fliegen will. Wir singen uns selbst zurück ins Leben. Enthemmen und entmauern den letzten Rest, der sich verkrochen und beschämt hat.

Seelen kehren zurück durch die Hintertür, beseelen uns, verweben sich mit unserem Lebensfaden.

Sechs Neugeborene sitzen nun am Feuer. Funken steigen auf, tanzen kurz mit weißen Sternen, verglühen.
Die Neugeborenen sitzen eng umschlungen, rauchen Mapacho, löschen den Durst und erzählen dreckige Witze.

Mit Fingerspitzen schreiben sie sich neue Geschichten auf die Haut, Kapitel von Freundschaft, Episoden der Dankbarkeit, Schwänke voll Gelächter und verschmitzter Regellosigkeit.

War es jemals etwas Anderes?, frage ich mich. Diese neue Erde, sie ist Eden, wiederentdeckt.

Und ich ruhe noch lange, im Gehen, im Stehen, in jedem Atemzug, dort am Feuer unter neuen Freunden, die mein Herz schon immer kannte.

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