9xFrühlingsputz


„Jenseits der Matte“: mundgerechte Yoga-Happen
Bildquelle leider unbekannt

Es wird schlimmer, je mehr du dich entspannen willst:
Einfälle, Aufgaben-Listen und besessene Gedanken stapeln sich wie schmutziges Geschirr in deinem Hirn.

Und du kannst nichts tun; du siehst bloß hilflos zu, wie der Berg wächst und wächst und wächst. (oh, und hast du beim Gehen daran gedacht, den Herd auszuschalten???)

9 x Frühlingsputz im Geiste:

Nicht rudern

Manchmal ist die Denke der Sklaventreiber auf der Kommandobrücke deines Schiffes. Du bist so beschäftigt, dich zu ducken und zu rudern, dass du völlig vergisst, dass er überhaupt existiert.

#1 Lass ihn brüllen.

Schlechte Schlagzeilen

Die Denke skandiert die immer gleichen Überschriften.
Skandalöse Titelseiten, grelles Neon, endloses Drama.

#2 Mach dich vertraut mit der Art von Boulevardblatt, das die Denke produziert.

Köder

Die Denke wirft dir die saftigsten Brocken hin, in der Hoffnung dass du anbeißt. Gedanken, auf die du in Windeseile reagierst, weil du sie glaubst.

Dann zappelst du am Haken, das Gift klinkt sich ein. Muskeln verhärten sich, alles zieht sich zusammen.

#3 Erkenne Köder.

Wahlrecht

Du kannst weicher werden, jetzt.

#4 Schaffe Raum. Zwischen den Atemzügen, den Gedanken, den Zellen.

Freiheit

Was denkt dich gerade?

Paradigmenwechsel: Was denkst DU gerade?

Und was erlebst DU, während ein Gedanke dich durchquert?

# 5 Du und die Denke könnt unterschiedlicher Meinung sein.

Frische

Vollkommene Gegenwärtigkeit – das ist frisch, lebendig, wach.

Wenn sich ein Erlebnis wie eine Wiederholung anfühlt, dann weil du beim ersten Mal nicht ganz da warst.

Was du beim ersten Mal verpasst, kommt irgendwie wieder.

#6 DieserAugenblick will dich: ganz & gar. Das ist keine Drohung. Er hat dich bloß lieb.

Sicherheit

Es wird ruhiger und du wirst rastlos. Vielleicht liegt es daran: DU BIST IN SICHERHEIT.

Die Abwesenheit äußerer Spannung erlaubt der inneren Spannung, sich aus ihrem Versteck ins Freie zu bewegen.

#7 Manchmal ist Unruhe ein Zeichen der Entspannung.

Buchhaltung

Dein Körper ist ein freundlicher Buchhalter deiner Lebensführung.

Herzschlag, Atem, Wohlgefühl:
Seismographen dessen, was dich bewegt.

Dein Körper ist unschuldiger Übersetzer.
Sein Schmerz ist nicht Strafe, sondern Erläuterung.

#8 Komm zurück. Leben findet mit den Sinnen statt.

Vexierbild

Wandere im Lichte deiner Achtsamkeit durch dein unruhiges Wesen.

Taste dich durch deinen Körper:
über die rauhen Klippen der Sorge,
durch den leeren, luftigen Raum der Hilflosigkeit,
an die samtene Wärme der Lebenslust;
entlang der zappeligen Perlenkette des Ideenreichtums.

Sieh es so: je mehr dein Geist hüpft, desto mehr Räume eröffnet er dir, um dein So-Sein zu erleben.

#9 Nichts steht deiner Achtsamkeit im Weg. Alles kann deine Sinne wecken.

Mehr Yoga-Häppchen „jenseits der Matte“.

2 Antworten zu “9xFrühlingsputz

  1. Jetzt hab ich einen Moment das Fenster für Kommentare suchen müssen und mal auf Verdacht auf das „+“ geklickt – war richtig. :-) Langsam finde ich mich hier ein in das neue Layout.

    Was ich sagen wollte: „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert“ – das finde ich, ist ein gutes, weil erinnerndes Zitat, sich nicht selbst zu überladen mit irgendwelchen Dingen. Das kam mir eben in den Sinn beim Lesen Deines Postings.

    Mir gefällt die Idee zu den Wiederholungen und warum sie passieren. Erst kürzlich habe ich einen Text über Wiederholungen geschrieben und finde sie auch eher hilfreich als lästig, wie manch anderer.

    Unruhe als Zeichen der Entspannung – das ist ein sehr ungewöhnlicher Gedanke, mit dem ich mich noch etwas befassen möchte. Denn noch finde ich keinen Zugang zu dieser Aussage, die wie ein Widerspruch zum Empfinden klingt. Aber vielleicht ist damit Neugierde gemeint? Neugierig sein aufs Leben, auf Erfahrungen?

    Von Hermann Hesse gibt es ein schönes Zitat, ich kann es nur aus der Erinnerung zitieren. Da heißt es sinngemäß, dass alles im Leben sozusagen Übersetzung von etwas anderem ist. Eine Wahrheit birgt und bringt. Es macht Sinn sie entziffern zu lernen.

    Liebe Grüße und Danke für diese neue schöne Reihe bei Dir
    von der Beobachterin :-)

    • Liebe Beobachterin,

      danke für deine scharfsinnigen … nun, Beobachtungen :)

      “Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert” – ja, das ist eine Erinnerung daran, dass sich auch dieser Post so lesen könnte, als wäre alles zur gleichzeitigen Umsetzung gedacht.

      In Wahrheit ist der Erstentwurf aus 2010. Die Punkte waren „Merkzettel“ an mich selbst aus verschiedenen Phasen.

      Das mit der Entspannung war die Essenz eines Sommerurlaubs. Damals plagte mich tagelang eine unerklärliche Unruhe und Nervosität. Bis mir schlagartig klar wurde, dass das „Nachwehen“ waren. Ich hatte eine sehr aufregende Zeit hinter mir und durch die plötzliche Entspannung hatte mein System überhaupt Gelegenheit, die angestaute Spannung abzuladen.

      Das ist glaube ich kein seltenes Phänomen. Einige Menschen werden ausgerechnet dann rastlos, übellaunig oder innerlich gehetzt, wenn sie entspannen und in sich gehen wollen.

      Ich möchte das mit der Unruhe als positivem Zeichen nicht pauschalisieren. MIR hilft es immer wieder, bei Unruhe zu prüfen, ob sie nicht einfach der Ballast der vergangenen Tage ist, den ich gerade abschüttle. Häufig ist es so.

      Deinen Text zu den Wiederholungen würde ich gerne lesen. Ist er auf deinem Blog zu finden?

      Alles Liebe, Lily

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