So oder so – erwachsen werden.


Wie schon vor 1,08 Jahren angekündigt, bin ich diesen Sommer erfolgreich 30 geworden.

Das „erfolgreich“ möchte ich ausdrücklich betonen, denn 30 wird man äußerlich zwar ohne eigenes Zutun, aber das innerliche 30 Werden ist schon eine andere Sache.

Zunächst einmal dauert das Ganze verdammt lang. Insgesamt benötigt der Prozess der Dreißigung etwa vier Jahre; das habe ich mir von meinen Geburtstagsgästen bestätigen lassen. In dieser Hinsicht bin ich also noch mitten drin.

Was genau aber ist die Dreißigung – der Vorgang der inneren Reifung in die Dreißig hinein?

Um das herauszufinden, habe ich mit meiner weisen, weil 12 Jahre älteren, und sehr verrückten Freundin B. telefoniert.

Mit B. stelle ich zum Beispiel gerne Fotos unserer frisch lackierten Zehen auf Instagram, nachdem sie ihre Kinder zu Bett gebracht hat und gerade eine Flasche Rotwein öffnet, um zum nicht jugend-freien Teil der Konversation überzugehen.

B. kann Wiener Polizeiinspektoren in unsichere kleine Jungs verwandeln und vor Aufregung wie ein kleines Mädchen zappeln. B. kann nicht mehr weiterwissen und mit absoluter Gewissheit ihren Weg erkennen. B. kann komplett pleite und absolut erfolgreich sein zugleich. B. ist, ganz einfach, sie selbst.

Das und ihr Altervorsprung sind die beiden Gründe, warum ich sie immer wieder als meine Seelenhirtin aufsuche.

Und das ist bei unserem Gespräch zum 30 Werden herausgekommen:

Mit Dreißig hat man die Wahl, so oder so erwachsen zu werden.

Entweder so erwachsen wie in: „Jetzt werd‘ doch mal vernünftig.“

So vernünftig wie in: „Jetzt musst du es aber langsam mal schaffen, dir Sicherheiten aufzubauen. Finanzielle, familiäre und sonstige Absicherungen, damit die Ungewissheit des Lebens dir nichts anhaben kann.“

Oder so er-wachsen wie in: „Jetzt blühst du auf.“

Aufblühen wie in: „Jetzt hast du sicher bemerkt, dass nichts von Dauer ist. Und deshalb weißt du um die Kostbarkeit deiner Erfahrungen, machst dein Herz GANZ auf, breitest deine Schwingen GANZ aus und folgst deiner Bestimmung.“

So oder so: mit 30 fällt die Entscheidung, wie wir Chaos und Ordnung, Veränderung und Gewissheit interpretieren.

Leben müssen wir alle damit.

Aber die einen legen mit 30 endgültig den Grundstein zum Grantlerdasein – weil sie die Unsicherheit des Lebens als persönlichen Affront verstehen.

Und die anderen, die beschließen, die Unsicherheit als einladend offenen Himmel zu sehen und basteln sich mit 30 endgültig Flügel.

*tchin-tchin*

Ist sie nicht toll, meine B.?

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s