Heb deinen Blick und sieh die nächste Schönheit.


[Tagebuch August 2014]

Wir sind seit Stunden am Strand und haben unser erwachsenes Selbst vergessen. Er wählt immer wieder schöne Steine und drückt sie mir in die Hand: Genau so, wie ein kleines Kind einem anderen eine Kostbarkeit gibt. Ich betrachte die Steine in meinen Fingern: Genau wie ein kleines Kind, das eine Kostbarkeit erkennt.

Mit jedem Kiesel kann ich den Kreislauf des Lebens durchexerzieren:

Geburt – diese neue Form betrachten & erfassen
Leben – eine Beziehung zu dieser Form aufbauen, mich verlieben
Tod – die Notwendigkeit, die Form loszulassen, weil ich nicht alles halten kann

Das Loslassen ist zuerst mit einem kleinen Stich verbunden. Dann Leichtigkeit, sobald sich meine Hand leert und für Neues öffnet.

Als ich dann alleine und barfuß über die Klippen spaziere, gibt es diese Erkenntnis noch einmal, nur noch leichter:

Ich bin konzentriere mich auf den Boden, versunken in die rissige Landschaft, die meine Fußsohlen ertasten, die reine Schönheit meiner unmittelbaren Umgebung, die ich mit allen Sinnen zu erfassen versuche.

Da hebe ich den Blick und sehe auf einmal die entfernten Felsen, den Strand gegenüber, Botte, Wellenspiele, Glitzern, Wind.

Heb deinen Blick und sieh die nächste Schönheit.

Loslassen ist kein Drama und kein Schmerz mehr, sondern ein Freichmachen, um die nächste Schönheit zu empfangen. Den Blick einfach nur heben für ein neuerliches Staunen.

Von einem Geschenk zum nächsten: Weitergehen.

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