„Liebe ich IHN oder das, was möglich WÄRE?


Zur Zeit bin ich besonders dankbar für eine Entwicklung, die von einer Reihe harter Fragen eingeleitet wurde.

Es ging im Wesentlichen um Beziehungs-Zweifel und das Gefühl, dass mehr möglich wäre.

Was zentrale Aspekte unseres Wesens angeht, sind wir grundverschieden in Herangehensweise und Ausdruck. Das führt zwar zu einer sehr erfreulichen und tänzerischen Spannung. Doch wenn man sich nicht versteht und sich auch nichts zu bewegen scheint, dann kommen Zweifel.

Foto via Havli

[Tagebuch April 2014]

Diese Tage sind ein einziges Vexierbild. Mal betrachte ich unsere Beziehung mit dem strengen Blick der Richterin. Befüllt sie ihr Potenzial oder bin ich nur verliebt in die Vorstellung einer Beziehung?

Liebe ich ihn oder liebe ich, was möglich wäre?

Mein respektvoller Umgang, meine Freundlichkeit ihm gegenüber lassen zu wünschen übrig. Ich möchte meinen Mann respektieren als ganzen Menschen – jetzt gerade verbaue ich uns den Weg, weil ich ihm keine Chance gebe. Ich habe das Gefühl, dass Achtung der Schlüssel ist.

Ich bin auf der Suche nach Wahrheit, Schonungs-Losigkeit, Reinheit. Ich möchte wissen, ob diese Beziehung meiner Seele entspricht, ob ich mich verbiege für einen Traum; ob ich am richtigen Fleck bin und wie ich die Lage drehen kann.

~*~

In dieser Zeit der harten Fragen kam auch ein ganz neuer Sinn unserer Beziehung zum Vorschein.

Ich habe begriffen, dass kämpfende Menschen einander sehr wohl verstehen. Unser Verständnis bezieht sich auf das, worin wir in uns selbst uneinig sind. Er durchschaut, was ich selbst nicht sehen kann.

~*~

[Tagebuch April 2014]

Dann dreht sich das Vexierbild vor meinen Augen und ich verstehe .. Ich sehe die tiefe Verbundenheit; er sagt Dinge, die passender und verständnisvoller nicht sein könnten. Gestern liegen wir im Bett, ich ein wenig armselig, weil ich mich wieder in meiner „Unternehmerinnen-Not“ verbissen habe und er – der alte Un-Eso, der mit größtem Unwillen über Gott und so spricht – meint plötzlich:

Das Göttliche hat den Menschen als sein Ebenbild erschaffen.

Alles Andere hat es zum Da-Sein erschaffen, aber der Mensch: der Mensch muss schöpfen.

Und das macht es so anstrengend und so schön.“

In diesem Augenblick ist mir klar, dass ich da schon genau richtig bin, an seiner Seite.

Meine Sehnsucht, jetzt? Souveränität, eine Partnerschaft ohne Mauern, barrierefrei, eine berührbare Beziehung, radikale Ehrlichkeit, Leichtigkeit.

~*~

Wie ein Tanzpartner sieht er mich manchmal ganzer als ich selbst. Er kann mich umwandern, sieht die Rückseite, die mir selbst verborgen ist. Die Erkenntnis, im Nicht-Verstandenfühlen eben DOCH ganz genau erkannt zu werden, ist der Wendepunkt, an dem ich meine Achtung für ihn erneuere. In diesem Moment entscheiden wir wortlos, einander wirklich brauchen zu wollen, statt zu müssen.

So wird aus dem bedrohlichen Anderen mein größtes Abenteuer.

2 Antworten zu “„Liebe ich IHN oder das, was möglich WÄRE?

  1. Liebe Lily,

    erst Mal vorweg: Du hast wieder zum alten Layout gewechselt. Ich bin höchst erfreut. :-)

    Ich finde diesen oben beschriebenen Prozess sehr mutig und auch sehr wichtig. Mein Empfinden ist, dass dies immer wieder geschieht: Das innere Ausloten dessen, wo ich als Mensch stehe und das Auslösen der entsprechenden Fragen: Bin ich da, wo ich bin, richtig?

    Ich finde es ganz wunder-voll, dass Dir in den Momenten des Zweifels, wie ich sie nennen möchte, doch nicht der Blick für Deinen Mann fehlte. Du hast ihn in diesem besagten Moment als anders und neu wahrgenommen auf eine Art und das habe ich als einen sehr be-rührenden Moment empfunden, der, wie es sich später las, ja auch eine Art Wende-Punkt war. Der Punkt, an dem wieder etwas zusammen fand, was vorher wie auseinander stand.

    I am glad to know you happy (again.)

    Ich wünsche Dir / Euch ein schönes Wochenende. Deine Frage, ob Du ihn liebst oder (nur) das, was möglich wäre, finde ich eine sehr wichtige Frage, die ich mir, wenn Du gestattest, mir mit in meinen Tag nehme.

    Ganz liebe Grüße <3
    Beobachterin

    • Liebe Beobachterin,

      es ist *fast* das alte Layout. Ich habe mich dann doch für Funktion vor Form entschieden. :)

      Die Frage, ob ich liebe was ist, lässt sich wunderbar in alle meine Tage mitnehmen. Danke für die Anregung.

      Und danke wie immer fürs scharfe Beobachten. :) Ich freue mich immer, dich hier zu wissen.

      Liebe Grüße,
      Lily

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