Wie man hyperspirituelle Bekanntschaften überlebt


Warnung: Für manche Leute wird der folgende Artikel sehr ärgerlich sein. In diesem Falle empfehle ich, meine Ergüsse als Beweis mangelnder Seelenreife zu deuten. Allen Anderen wünsche ich viel Vergnügen. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

HerrgottNochmal

„HerrgottimHimmel und ihr mächtigen Einhörner – steht mir bei!“

Wie übersteht man eine Begegnung mit Hyperspirituellen?

Die kurze Antwort: man hat im Prinzip eh keine Chance.

Die lange Antwort: man würzt den Wahnsinn mit ein wenig Humor und teilt sein Leid zur Unterhaltung seiner LeserInnen.

Begegnung N#1: Die nachbohrende Beziehungsheilerin

Sie hat mir eine Kennenlern-Sitzung geschenkt und ich bin zu diesem Zeitpunkt noch zu höflich, um abzulehnen.

Ich bin also auf ihrer Liege und lasse mich mit einem speziellen Metallstift behandeln. Bis dahin alles schön und gut.

Mit ihrer spitzen Gerätschaft bohrt sie innen an meiner Ferse. „Tut es weh?“, fragt sie mich. „Nein“, antworte ich ehrlich.

Sie bohrt fester, nachdrücklicher. „Tut es weh?“

„Nein“, meine ich ich, immer noch ehrlich.

Sie bohrt sehr, sehr fest.

„Au!“, sage ich.

„Ja, weißt du, Schmerzen in dieser Zone der Ferse sind immer ein Anzeichen dafür, dass du eine Blockade deiner Weiblichkeit in dir trägst und etwas in deiner Beziehung der Auflösung bedarf.“

Oh Herrgottimhimmel.

Begegnung N#2: Die hartnäckige Spiegelgesetzeshüterin

Sie lässt nicht locker. Kontaktiert mich immer wieder, bittet mich um ein Treffen.

Dabei ist es echt so mühsam mit ihr und ich habe den Eindruck, dass auch sie sich überhaupt nicht wohlfühlt.

Beim ersten Mal hat sie mir – ungebeten – alles (!) über ihre Zwillingsflamme erzählt, bis hin zu den Bettdetails. Diese Zwillingsflamme ist, so vermute ich, einfach ein armer Typ, der irgendwie schon etwas von ihr will, aber zwischendurch hoffnungslos überfordert das Weite sucht. „Er ist nicht bereit für diese Liebe“, deutet sie das Ganze. „Er braucht Zeit. Zwillingsflammen-Beziehungen sind nie einfach. Die spiegeln beiden so viel. Da muss man eine sehr reife Seele dafür sein.“

Und so geht es bei jedem Treffen – Beziehungen, Streits unter Kollegen, Freundschaften … alles wird in gnadenlos un-unterbrechbaren Monologen spirituell seziert. Ich frage mich, wie es ihr damit geht, einer prinzipiell Wildfremden (mir) derartig private Details zu offenbaren. Ist das nicht Seelen-Striptease?

Irgendwann antworte ich einfach nicht mehr und werde sogleich herrisch an-gsmst, was das denn soll?!

Langes Hin-und-Her.

Sie: „Ich habe mich eh immer so klein gefühlt neben dir.“

Ich: „Warum willst du mich denn überhaupt treffen, wenn du dich dabei schlecht fühlst?“

Sie: „Ich finde es toll, dass wir jetzt endlich auf Augenhöhe miteinander sprechen. Mir sind gleichberechtigte, aufrichtige Freundschaften wichtig. Ich würde dir das nächste Mal wirklich gerne mehr Raum geben.“

Ich versuche, ihr so höflich wie möglich zu erklären, dass ich ein nächstes Mal für eine sehr schlechte Idee halte, zumal wir uns ja beide gerade gestanden haben, uns nicht wohl zu fühlen. Mit dem Hinweis, dass dieses Unwohlsein ja wohl ein sehr eindeutiges „intuitives Zeichen“ sei, dass wir grade kein Perfect Friend-Match wären.

Sie: „Nun, ganz offensichtlich gelingt es dir nicht, dich den Blockaden zu stellen, die ich in dir auslöse, also schickst du mich weg. Jetzt ist mir auch klar, warum ich dir nie Raum geben konnte: deine Seele war nie anwesend, sowas langweilt mich schnell. Ich mag keine Menschen, die eine Maske tragen und nicht gewillt sind, anzuschauen, was ihnen gespiegelt wird.  Als Yogalehrerin hätte ich dich wirklich für bewusster gehalten.

Oh HerrgottimHimmel.

Begegnung N#3: Die ägyptische Reinkarnation

Okay, es beginnt mit einer totalen Blödheit: Ich schlucke das kleine Gastgeschenk bei einer Party ahnungslos hinunter. Ein süßes Bällchen – ich halte es für eine leckere Praline – das mir der Gastgeber augenzwinkernd hinhält.

2 Stunden später versuche ich immer noch, die Uhrzeit zu ermitteln. Aber egal aus welchem Winkel ich meine Uhr ansehe, ich verstehe nicht, was sie mir sagt.

„Hm, ich hab doch nur 1 Bier getrunken“, wundere ich mich, während ich ins Lagerfeuer schaue, wo ganz eindeutig eine Flammenfrau mit einem Kobold auf dem Holzscheit tanzt.

Irgendwann macht es sehr langsam „Klick“: es war das Bällchen. Dieses Bällchen war keine unschuldige Süßigkeit. Da war was drin. Und ich weiß nicht, was.

Ich eile (so gut ich in meinem Zustand eilen kann), zum Freund des Gastgebers. „Was war in diesen Dingern?“, frage ich ihn mit besorgter Miene.

Ein wissender, guru-artiger Blick. Mitleidig lächelnd, ein wenig von oben herab. „Wieso, verträgst du’s nicht?“ „Ich will wissen, was da drin war!!!“, schreie ich, leicht panisch.

„Ooohhh … jetzt entspann dich doch! Du bist ja voooll unentspannt. Machst du nicht Yoga? Was ist los mit dir?“

„Ich will wissen, was das ist, wie lange es dauert und wie ich heute nach Hause komme! Ich muss morgen früh arbeiten! Ich sitze hier am Arsch der Welt! Ich bin voll drauf und möchte jetzt bitte ernst genommen werden.“

„Ja, ich glaube das waren Grasbutter und Schwammerl [Pilze].“

„Fuck. Fuck!“ Mein erstes Mal auf psychedelischen Substanzen hab ich mir echt ein bisserl anders vorgestellt. Ich füge mich meinem Schicksal.

1 Stunde später sehe ich vor meinem geistigen Auge meinen Freund auf tausend Weisen ums Leben kommen. Irgendwann wird’s mir echt zu gruselig.

„Kann es sein, dass man davon Angstzustände bekommt?“, frage ich den Triphead neben mir. Er erklärt gerade irgendjemandem, dass er die Inkarnation eines ägyptischen Heilers sei.

„Wieso, was bedrückt dich denn?“, fragt die ägyptische Inkarnation. Ich erkläre es ihm. Bin schon fast versucht zu glauben, dass ich einen freundlichen Lotsen gefunden habe, der mir da jetzt durch hilft.

„Oh …“ meint er, wieder so von oben herab, fast schadenfroh. „Dann wird es jetzt eben einfach Zeit, dass du dich deinen Ängsten stellst. Da hast du was verdrängt, gell? Ja, sowas holt einen immer irgendwann ein.“

Oh HerrgottimHimmel.

2 Antworten zu “Wie man hyperspirituelle Bekanntschaften überlebt

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