Das Yoga-Jahr

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Leben im Wandel der Jahreszeiten. Ein Übungsbuch

von Roswitha Maria Gerwin;

152 Seiten, Kösel Verlag

„Das Wesentliche ist die Achtsamkeit in der praktischen Übung, die als „Haltung“ bewusst werden möge, und nicht etwa die Perfektion einer Körperstellung. Eine große Schlüsselposition nimmt dabei die Atembewegung ein. Fließende Bewegungen, nach dem Atemrhythmus ausgeführt, lassen sehr schnell das Vegetativum auf Ruhe schalten, so dass ein neues Körperempfinden wahrgenommen wird. Der Atem wird mehr und mehr zur „Musik“, nach der sich der Körper in seinen Bewegungen ausrichtet. Die Leserinnen und Leser sind völlig frei in der Wahl vorliegender Übungseinheiten. Denn jeder Übende empfindet seine „eigenen Jahreszeiten“ ganz individuell.“

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Üblicherweise setze ich mich erst eine Weile mit einem Yogabuch auseinander, bevor ich es weiterempfehle (oder nicht). Bei diesem Buch war schon nach wenigen Wochen klar, dass es das Zeug hat, mich noch viele Jahre lang zu begleiten und anzuregen.

Roswitha Maria Gerwin unterrichtet Integralen Yoga im Kloster Benediktbeuern, sie ist außerdem Lehrerin für Zen-Meditation. Ihr einfacher aber tiefgründiger Stil verbindet Körperarbeit, Psychotherapie, Philosophie und Literatur mit ihrem Wissen über verschiedene religiöse/spirituelle Traditionen.

So ist auch das Yoga-Jahr voller Anstöße, den inneren Jahreszeiten nachzuspüren und sich über achtsam ausgeführte Übungsabläufe mit ihnen zu verbinden.

Gerwin verwendet den christlichen Jahreskreis als Grundlage, verwebt aber in ihren Texten zu den jeweiligen Jahreszeiten mühelos die Weisheiten der christlichen Mystiker, der Yogis und (Zen-)Buddhisten. Jede Jahreszeit erweckt sie mit Texten, Übungsreihen, Meditationen und ausgewählten Gedichten zum Leben. Es kann die Lektüre selbst schon zur Yogapraxis werden, denn die Autorin wählt ihre Worte mit (für mich) beeindruckender Sorgfalt und Klarheit. Die Übungsreihen sind fließende, tanzende Bewegungsfolgen. Gerwin hat großen Wert auf die Einfachheit der Haltungen gelegt, sodass jeder Übende durch reine Achtsamkeit zu seinem eigenen Ausdruck finden kann.

Etwas ganz Besonderes sind die „choreographierten“ Gedichte oder Gedichtzeilen. Novalis, Eichendorff oder Rilke hat die Autorin in Bewegungen umgesetzt, etwa um unserer Seele zu helfen, „die Flügel weit auszuspannen“ (Eichendorff), oder uns im Herbst vertrauensvoll wie die Blätter fallen zu lassen, in der Gewissheit, dass das Leben nicht stirbt (Rilke). Die Autorin gibt damit wertvolle Anstöße, wie sich auch scheinbar „artfremde“ Kraftquellen – wie Literatur oder Musik – in körperlich erfahrbare Lebenshaltung umsetzen lassen.

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Wer verbringt sein Jahr mit diesem Buch?

Grundsätzlich empfiehlt sich dieses Buch allen Yogis und Yoginis, ob Anfänger oder langjährig Übende. Wer seinen Alltag achtsamer gestalten möchte oder nach Anregungen sucht, die Wirkungen und Einsichten der Yogapraxis ins ganze Leben hinauszutragen, ist mit Gerwins Buch gut beraten.

Besonders wer den Aspekt des Yoga als Lebenskunst noch nicht kennt und/oder mit der Philosophie dahinter Schwierigkeiten hat, wird von diesem Buch profitieren. Die Autorin versteht es hervorragend, Yoga mit den Worten und Bildern der westlichen spirituellen Traditionen zu vermitteln.

Die Übungen sind großteils als vom Atem getragene Bewegungsreihen konzipiert. Einfache Bewegungen garantieren, dass die Intensität entsprechend persönlicher Verfassung und Absicht variiert werden kann. Gerade in der Wahl äußerlich unspektakulärer Asanas zeigt sich die Absicht der Autorin, ihre Leser vom Äußeren zum inneren Ausdruck jeder Haltung zu führen. Die Bewegungsabläufe können für sich oder kombiniert ausgeführt werden, sie eignen sich auch wunderbar zur Ergänzung eines bereits bestehenden Programms.

Fazit: Im deutschsprachigen Raum ist mir noch kein anderes Buch untergekommen, dass auf knapp 150 Seiten so gut vermittelt, was Yoga als Haltung dem Leben gegenüber bedeutet. Wer seinem Alltag und seiner Yogapraxis mehr Tiefe verleihen möchte, hat mit diesem Buch als Begleiter durch den Jahreskreis sicher lange seine Freude.

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