Herz des Yoga / A Life Worth Breathing

herzdesyoga_strom

Es war der Originaltitel, der mich erstmals auf dieses Buch aufmerksam gemacht hat: „A Life Worth Breathing“, also Ein atmenswertes Leben. Der Titel hat mich an die Rätsel meiner Anfängerzeit erinnert:

Warum würden mich bestimmte Atemmuster und Bewegungen bitteschön dem Göttlichen näherbringen? Warum wurde dem Atem in Yogis Namen so viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde und wie sollte ich denn nun atmen und yogieren, um die angepriesenen transformativen Wirkungen zu erleben?

Meine Fragen drehten sich also weniger ums WAS (Übungen, Techniken, etc.) sondern ums WIE. Und die Sache mit dem Atem fand ich auch irgendwie verwirrend.

Rückblickend würde ich mir dieses Buch schenken.

~*~

Minimale Fülle

„Das Herz des Yoga“ befindet sich an der Schnittstelle zwischen Büchern zu Praxis und Philosophie. Max Strom hat sein Buch der nachhaltigen Heilung durch Yoga gewidmet: Wie wir praktizieren können, um Geist, Gefühle und Körper zu heilen. Wie wir Yoga als einen Dienst an der Welt sehen können, um jeden Tag mit klarer Absicht und Bestimmung zu gestalten.

Fülle
Strom widmet sich den Kerninhalten der Yogaphilosophie ohne Sanskrit, dafür mit einer klaren, unverwässterten und eindringlichen Sprache. Besonders beeindruckt hat mich die Fülle klarer Bilder und Geschichten, die die Absicht und Wirkung hinter den abstrakten Yogabegriffen in unsere Kultur übersetzen.

Äußerst reich ist auch die Menge an Lebensthemen, die Strom abdeckt (siehe „Inhalte“).

Minimalismus
Asana-Sequenzen findet man in diesem Buch keine. Aber Strom gibt dem Leser eine Atemtechnik und eine Meditation mit, die sich in jede bestehende Praxis integrieren lassen und seine Thesen in die Praxis umsetzen. Dieser Minimalismus hat mich überrascht. Ich kann mich an kein Yogabuch erinnern, dass von der körperlichen Komponente sprach, ohne eine Vielzahl von Übungsvorschlägen einzubringen.

Der Minimalismus funktioniert und unterstreicht Stroms Botschaft: nicht darum was wir üben, sondern wie wir üben, geht es. Und das WIE lässt sich auf alle Handlungen übertragen. Damit begleitet dieses Buch jede bestehende Bewegungspraxis, auch außerhalb des Yoga.

Inhalte

  • Die drei Säulen der Transformation
  • Die erste Säule – der Geist
    Themen wie Egogeist, Intellektuelle Demut, Glücklichsein, Erwachen, Ruhe, Meditation lernen
  • Die zweite Säule – die Gefühle
    Themen wie Depression, Zorn, Vergebung, Feindseligkeit, Dankbarkeit, Selbstliebe
  • Die dritte Säule – der Körper
    Den Körperpanzer auflösen, um den Körper und die eigene Vergangenheit & Gegenwart zu heilen.
    Yoga-Haltungen werden nach Wirkung und innerem Fokus vorgestellt.
  • Geist, Gefühle, Körper – die drei Säulen integrieren
  • Einen Kodex haben
  • Ethik in der Arbeitswelt
  • Vermeiden Sie die Nahlebenserfahrung
    Mein Lieblingskapitel! Strom spricht übers Sterben-Üben als Leben-Lernen. Ein Thema das ich in wenigen Yogabüchern ernsthaft und mit einer Portion Leichtigkeit behandelt finde. Und das, obwohl wir zum Abschluss jeder Einheit die Totenhaltung (Savasana) üben.
  • Aktivismus

Sprache

Nachdem es sich im Wesentlichen um ein Lesebuch mit Übungen handelt, möchte ich kurz auf Stroms Sprache eingehen.

Die Übersetzung ins Deutsche ist gut gelungen. Ein oder zwei Schnitzer sind mir aufgefallen, die aber nicht weiter ins Gewicht fallen.

Max Stroms Herzenswärme und die gefühlte Dringlichkeit seines Anliegens sind auf allen Seiten gegenwärtig. Keine schlechte Sache also, wenn man einen Schlussstrich unter zu lange geduldete seelische oder körperliche Missstände setzen möchte.

Wie bei vielen „typisch amerikanischen“ Lehrern findet man den gelegentlichen Hang zu Pathos gepaart mit einfachen, verständlichen Anweisungen. Ich persönlich mag es, möchte es aber erwähnt haben.

Wessen Herz schlägt für „Herz des Yoga“?

LehrerInnen, die Inspiration suchen, wie sich die Philosophie praktisch und klar vermitteln lässt.

Yogis und Yoginis, die sich für die inneren Vorgänge der Yogapraxis interessieren und sich nach tiefgreifender Veränderung oder Heilung auf allen Ebenen sehnen.

Alle, deren Enthusiasmus fürs regelmäßige Üben gelitten hat. Dieses Buch zeigt eindringlich, welche inneren Wunder durch Hingabe an unser Yoga möglich werden.

2 Antworten zu “Herz des Yoga / A Life Worth Breathing

  1. „Wie bei vielen “typisch amerikanischen” Lehrern findet man den gelegentlichen Hang zu Pathos gepaart mit einfachen, verständlichen Anweisungen.“ Was meinst Du damit? Ein Beispiel vielleicht? Ich hab‘ die englische Ausgabe; wuerde aber gern auch die Uebersetzung haben. Deshalb interessiert mich, was Du mit dem obigen Satz meinst. — Vielen Dank.

    • Hallo Juliánna, mein Exemplar habe ich gerade verliehen, daher kann ich deine Frage nun nur aus der Erinnerung beantworten.

      Die Sache mit dem „Praktischen Pathos“ ist etwas, das ich einfach besonders häufig an amerikanischen Lehrerinnen beobachte: eine beeindruckende Fähigkeit, nicht nur Interesse an einem Thema zu wecken, sondern auch emotionale Beteiligung und eine gehörige Portion Optimismus. Dazu werden dann auch leicht verständliche Schritt-für-Schritt-Lösungen präsentiert. Ein Beispiel wäre das Prinzip der „TedTalks“ (die wurden ja in Kalifornien geboren).

      In meinen Augen ist die Art und Weise, wie Max Strom ein Leben mit oder ohne Yoga darstellt, recht bezeichnend für diese Herangehensweise.

      Stichwort Übersetzung:
      An einigen Stellen fiel mir einfach die gefühlsgeladene Sprache auf, die auf mich so wirkte, als sei sie der Übersetzerin durchgegangen. Manchmal wirkte das Ganze wie eine etwas wackelige Konstruktion „großartiger Worte“. Kaum jabe ich mir den Wortlaut in englischer Sprache vorgestellt, funktionierte der Satz tatsächlich „großartig“.

      Ein konkretes Beispiel blieb mir in Erinnerung, und zwar im Kapitel zur Absicht während des Übens.
      „intention“ ist im Englischen ja ein völlig gängiger Begriff, in der Übersetzung findet sich nun aber auch „Intention“, was mich persönlich … nun ja … irritiert. Es ist nicht falsch, aber für mich persönlich schwülstiger als das gute alte „Absicht“.

      Das ist mir an einigen Yogabüchern der letzten Jahre aufgefallen. In der Übersetzung werden Worte bevorzugt, die den englischen einfach nur ähnlich klingen. Zum Beispiel:
      Präsenz für „presence“, Intention für „intention“, Praktizieren für „practice“.

      Was wäre stattdessen mit: „Gegenwart“, „Absicht“ und „Üben“?

      Was im Englischen noch so selbstverständlich und natürlich daherkommt, wirkt im Deutschen ein wenig abgehoben und fern vom Alltag.

      Wie gesagt, das sind einfach einige Schnitzer gewesen, die meinem Lesegenuss keinen Abbruch taten. Ich würde mir aber wünschen, dass Yogabuchübersetzungen ein wenig weniger wörtlich und mit ein wenig mehr Praxiswissen gestaltet würden.

      Vielleicht magst du ja mal deinen Eindruck schildern, falls du die Gelegenheit hast, die beiden Versionen zu vergleichen? Das wäre spannend!

      Alles Liebe, Lily

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